04. Oktober 2021 / 17:38 Uhr

Premnitzer Bowling-Wunderkind Paul Purps: Karriere startete beim Opa 

Premnitzer Bowling-Wunderkind Paul Purps: Karriere startete beim Opa 

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Sein Weg auf die Bahn? Ich bin damit eben groß geworden, sagt Paul Purps.
Sein Weg auf die Bahn? "Ich bin damit eben groß geworden", sagt Paul Purps. © EYC 2021
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Jugend-Europameister Paul Purps vom TSV Chemie Premnitz träumt vom Stipendium in den USA - seine Erfolge verdankt er neben Bundestrainer Peter Lorenz vor allem seinem Großvater, bei dem er schon als Zweijähriger auf der Bahn stand.

Paul Purps und Bowling – das gehört einfach zusammen. Dabei kann das 18-jährige Ausnahmetalent vom TSV Chemie Premnitz, das erst bei der jüngsten Jugend-Europameisterschaft im niederländischen Tilburg drei Medaillen einheimste, seine Faszination für den Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstandenen Sport gar nicht so richtig erklären. „Darauf habe ich eigentlich keine Antwort“, räumt Purps ein. „Ich bin damit eben groß geworden.“

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1998 kaufte Opa Jürgen in Wust, einem Stadtteil von Brandenburg an der Havel, eine Bowlingbahn, die er bis 2016 betrieb. „Dort habe ich schon mit zwei Jahren auf der Bahn gestanden. Daher bin ich eigentlich schon mein ganzes Leben mit dem Sport verbunden.“ Sein Opa – der ihn später immer zu Trainingseinheiten und Wettkämpfen nach Premnitz fuhr – begleitete ihn auf seinem Weg ebenso wie Bundestrainer Peter Lorenz. „Ich kenne Paul seit seiner Geburt“, sagt der 57-Jährige, der in Mögelin wohnt und voll des Lobes für seinen hochtalentierten Schützling ist. „Ich arbeite inzwischen seit 30 Jahren als Bowling-Trainer. Paul ist im Zusammenspiel von technischen, taktischen und psychischen Fähigkeiten im Beidhandspiel der beste Linkshänder, den ich in Deutschland je betreut habe.“

Bundestrainer Peter Lorenz: "Man ist als Bowler nur ganz selten mit seinen Würfen zufrieden, weil sie eigentlich nie perfekt sind"

Nach seinen großen Erfolgen bei der Jugend-EM hat der angehende Abiturient, der die 13. Klasse der Bürgelschule in Rathenow besucht und aus Jahnberge bei Friesack stammt, die nächsten Ziele bereits klar vor Augen. „Nächstes Jahr will ich bei der Junioren-Weltmeisterschaft wieder was gewinnen. Eine Medaille wäre ganz stark, vielleicht werden es ja auch wieder mehrere“, hofft Purps, den sein langjähriger Wegbegleiter und Förderer Lorenz – seit 26 Jahren Nationaltrainer der Deutschen Bowling Union – als nach außen „ruhig wirkenden Zeitgenossen“ beschreibt, der es aber auch „faustdick hinter den Ohren hat“ und durchaus auch die „Ellbogen ausfahren“ könne.

Im Männerbereich traut Lorenz, der früher für den TSV Chemie Premnitz im Nachwuchs Fußball spielte und Anfang der 1980er-Jahre durch einen Schulfreund zum Bowling kam, auf alle Fälle weitere Erfolge zu. Zu Gute käme ihm dabei, dass er in Premnitz schon im Alter von 15 Jahren für die Bundesliga-Männermannschaft auf der Bahn stand. „Das ist für so einen jungen Spieler eine Riesenerfahrung und bringt einen definitiv richtig weit nach vorne“, weiß Purps. Gerade in Drucksituationen komme ihm dies zu Gute.

Beim Einzelfinale der Jugend-EM, dem bis dato wichtigsten Spiel in seiner Laufbahn, stellte er seine Nervenstärke einmal mehr unter Beweis. Im ersten Spiel gelang ihm gegen seinen finnischen Kontrahenten mit 299 Pins (300 Pins sind das zu erreichende Maximum) das fast perfekte Spiel. „Das in solch einem Moment auf die Bahn zu bringen, ist einfach unglaublich und sagt alles über die Qualitäten von Paul aus“, zeigt sich Lorenz stolz.

Nach dem Abitur hofft Purps auf ein Bowlingstipendium in den USA, wo der Sport ähnlich wie in Asien deutlich populärer als in Deutschland und Europa ist. Unter anderem gibt es dort eine große Turnierserie mit vielen Profi-Turnieren, bei denen mehrere Millionen Dollar Preisgeld ausgeschüttet werden. „Das klingt erstmal viel“, sagt Lorenz. Aber je nach Wettkampf bekäme der Sieger 10 000 bis 25 000 Dollar ausgezahlt. „Da kann man sich ja ausrechnen, dass man recht erfolgreich sein muss, um davon zu leben. Zumal es für die Spieler da eben auch ihr Job ist und Neulinge, die ihnen den Erfolg streitig machen könnten, nicht allzu gerne gesehen sind.“


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Linkshänder Paul Purps, der sich beruflich auch eine Laufbahn bei der Polizei vorstellen kann, wird in den kommenden Wochen und Monaten aber auf jeden Fall weiter hart daran arbeiten, den eingeschlagenen Erfolgsweg lange weiter zu gehen. Bis zu 30 Stunden investiert er laut Lorenz in Hochbelastungswochen ins Training.

Da gehören nicht nur Würfe auf der heimischen Bahn in Premnitz, sondern auch Konditionseinheiten, Materialkunde und Videostudium dazu. „Man ist als Bowler nur ganz selten mit seinen Würfen zufrieden, weil sie eigentlich nie perfekt sind. Das muss man auch psychologisch verarbeiten können und mental stark bleiben“, erläutert Peter Lorenz, den Paul Purps in seiner trockenen Art als „guten Mann“ bezeichnet. „Er und der TSV Chemie Premnitz haben in meiner Laufbahn natürlich eine riesige Bedeutung“, betont er wohlwissend, dass diese nach den jüngsten Erfolgen noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat.