17. Februar 2020 / 16:04 Uhr

Presserunde mit Daniel Frahn: Das sind die wichtigsten Aussagen

Presserunde mit Daniel Frahn: Das sind die wichtigsten Aussagen

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Babelsberg 03-Kicker Daniel Frahn stellte sich der Presse in einer Medienrunde.
Babelsberg 03-Kicker Daniel Frahn stellte sich der Presse in einer Medienrunde. © Bernd Gartenschläger
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Regionalliga Nordost: Der 32 Jahre alte Angreifer des SV Babelsberg 03 stand am Montag Rede und Antwort und gab einen Einblick in seine Sicht der Dinge, die in den vergangenen Monaten im Zuge seiner fristlosen Kündigung beim Drittligisten Chemnitzer FC passiert sind.

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Insgesamt 70 Minuten dauerte am Montagnachmittag das Pressegespräch im VIP-Raum des Karl-Liebknecht-Stadions, zu dem Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 und sein am 31. Januar unter großem Aufsehen verpflichteter Angreifer Daniel Frahn eingeladen hatten. Nachdem Babelsbergs Sportvorstand Peter Könnicke und der Vereinsvorsitzende Archibald Horlitz die Runde eröffneten, äußerte sich der 32 Jahre alte Frahn erstmals öffentlich nach seiner Rückkehr zu Nulldrei zu den Geschehnissen der vergangenen Monate, als er sich seit vergangenem August mit dem Drittligisten Chemnitzer FC in einem Rechtsstreit befand, nachdem ihm die Himmelblauen am 5. August fristlos gekündigt hatten.

Grund dafür war Frahns Aktion am 3. August, als der damals verletzte Angreifer sich beim Auswärtsspiel in Halle im Fanblock mit regionalen Neonazi-Größen zeigte. Chemnitz kündigte zwei Tage später den Vertrag des Kapitäns wegen der „offenkundig zur Schau gestellte Sympathie zu führenden Köpfen der rechts gesinnten Gruppierung ‚Kaotic Chemnitz’ und der aufgelösten Gruppe ‚NS-Boys’“, er habe sich dadurch „massiv vereinsschädigend“ verhalten.

Mehr zu Daniel Frahn

"Ich freue mich, dass ein paar Medienvertreter gekommen sind, die sich vielleicht auch für die andere Seite interessieren. Ich möchte hier in der Öffentlichkeit nochmal einiges klar- und richtigstellen", eröffnete Frahn sein Statement und stellte dann seine Sicht der Dinge auf die Ereignisse der vergangenen Monate dar. "Ich habe in der Vergangenheit Fehler, auch schwerwiegende Fehler gemacht, die ich zutiefst bereue, die mir unfassbar leid tun", stellte der gebürtige Potsdamer zunächst klar.

"Größter Fehler meines Lebens"

"Die T-Shirt-Aktion, die ich damals gemacht habe, bezeichne ich nicht nur als größten Fehler meines Lebens, sondern er ist der größte Fehler meines Lebens, mit dem ich mich mein ganzes Leben lang rumschlagen werde", bezog sich Frahn auf den März 2019, als er nach einem eigenen Treffer gegen die VSG Altglienicke zur Seitenlinie eilte und beim Torjubel ein T-Shirt mit der Aufschrift „Support your local hools“ (Unterstütze deine lokalen Hooligans) hochhielt.

"Ich habe mich in dem Augenblick nicht ausreichend informiert, habe nicht hinterfragt und habe in dem Spiel Riesenscheiße gebaut, in dem ich dieses T-Shirt hochgehalten habe. Ich möchte aber ganz klar sagen: Ich bin kein Nazi, war nie ein Nazi und war auch kein Sympathisant von rechter Gesinnung. Ich war nie in irgendeiner Gruppe drin oder habe mit einer Gruppe sympathisiert."

Anschließend räumte er ein, dass er in der Situation, in der sich sowohl der Chemnitzer FC als auch er persönlich nach dieser Geschichte befanden, niemals hätte mit einem ehemaligen Mitglied von "Kaotic Chemnitz" hätte fahren dürfen. "Das ist mir jetzt natürlich auch bewusst. Dass ich mich hätte auf die Haupttribüne setzen sollen, als ich krank geschrieben war oder mir das Spiel einfach von zu Hause angucken sollen. Ich bin aber keineswegs mit einer Gruppe dorthin gefahren oder mit jemandem, der mein bester Freund ist. Sondern ich bin da hin gefahren, als Kapitän, Spieler und Mensch und als Fußball-Fan Daniel Frahn. Ich wollte mich da nicht mit irgendjemandem zeigen oder mit jemandem sympathisieren, sondern wollte einfach die Sachen vermitteln, wie ich es in anderen Vereinen auch schon gemacht habe: Nämlich Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Verein und Fans. Deswegen bin ich an dem Tag fälschlicher Weise mit in den Gästeblock gegangen und habe mich dort hingestellt."

Rechte Fanszene beim Chemnitzer FC

Dass es allgemein Rechtsextreme in der Chemnitzer Fanszene gibt, sei der Mannschaft laut Frahn zwar bewusst gewesen, aber nicht in diesem Ausmaße, wie es sich später rausstellte. Im Stadion selbst habe aber weder er noch einer seiner Mitspieler in den vier Jahren beim CFC einen Zwischenfall mitbekommen. Daher sei es schwierig gewesen, dort Einblicke zu bekommen. "Man muss aber auch mal ganz klar sagen, dass nicht alle 5000 Zuschauer im Stadion in Chemnitz schlechte Menschen sind. Dass es ein Teil gibt, der da nicht hingehört, definitv. Gegen die muss auch etwas gemacht werden. Aber nicht alle Menschen in Chemnitz sind schlecht."

Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern.

Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern Zur Galerie
Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern ©

Mit Blick auf die im Anschluss geschehenen Ereignisse sagte Frahn: "Was dann passiert ist, ist für mich bis heute sehr schwer zu begreifen, da die Sachen, wie sie dann dargestellt worden sind, einfach nicht wahrheitsgemäß dargestellt worden sind. Mir hat zum damaligen Zeitpunkt niemand gesagt, dass ich mich mit der Person, mit der ich in Halle war, nicht blicken lassen darf. Das soll nichts rechtfertigen, weil ich einfach für mich selber hätte überlegen müssen und hätte sehen müssen, dass das der falsche Weg ist, so dort hin zu fahren. Aber so wie es dann nach außen dargestellt worden ist, ist es einfach nicht die Wahrheit. Niemand hat mit mir vorher ein Gespräch geführt und gesagt, dass ich mich mit der Person nirgendwo sehen lassen darf."

Online Playstation gespielt

So habe diese Person bei der Aufstiegsfeier unter anderem zweieinhalb Stunden in der Kabine der Chemnitzer Mannschaft verbracht, als auch Vereinsverantwortliche mit dabei waren. Später habe Frahn, wie auch andere Chemnitzer Spieler, mit dieser Person "vier-, fünfmal online Fifa gespielt". Dabei sei aber weder über politische Themen gesprochen worden, noch habe Frahn eine freundschaftliche Beziehung zu der besagten Person aufgebaut. Dass es sich um einen Rechtsextremen handele, habe sich ihm erst im Nachhinein erschlossen. "Jetzt habe ich die Sachen auch alle gelesen und bin natürlich schockiert darüber. Ich hätte mich nach dem ersten Zwischenfall schon deutlich, deutlich mehr informieren müssen und mir hätte dieser Fehler nicht passieren dürfen, so blind zu sein, ich fahr mit einem Fan nach Halle. Das hätte mir nicht passieren dürfen. Jetzt sind mir diese Sachen natürlich alle auch bekannt."

Dass rechtsextreme Fans bewusst die Nähe zu Frahn gesucht hätten, um ihn für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, könne er zwar schwer sagen, sich aber nicht wirklich vorstellen. "Wir hatten privat keinen Kontakt, sodass die Gruppe hätte sagen können, dass ich zu ihnen gehöre. Es wäre für mich daher zu einfach zu sagen, dass sie mich rausgesucht haben." Nachdem er sich von dem ihm vorgeworfenen Verfehlungen öffentlich distanzierte, habe er auch keine Nachrichten mit Beschimpfungen oder Ähnlichem aus der Chemnitzer Fanszene erhalten.

Dank an den SV Babelsberg 03

Mit Blick auf seine Rückkehr zum SVB, für den er bereits von 2007 bis 2010 auf Torejagd ging, erklärte Frahn: "Dass mir die Sachen unfassbar leid tun und dass ich dankbar bin, dass mir der SV Babelsberg und die Leute hier im Verein die Möglichkeit geben, hier wieder Fußball zu spielen, dafür kann ich jeden Tag nur danke sagen. Es war für die Verantwortlichen sicher keine leichte Entscheidung. Daher nochmal ein Riesendankeschön an alle im Verein und auch an die Mannschaft, die sich sehr dafür eingesetzt hat, dass ich hier mittrainieren und mitspielen darf. Und auch an die Fans, die gesprächsbereit waren."

Anschließend versprach Frahn, dass ihm solche Fehler, wie sie ihm in der Vergangenheit passiert sind, nicht mehr passieren werden, "weil ich die Sachen einfach deutlicher hinterfragen werde, mich nicht mehr in diese Situationen begeben werde. Mir ist auch erst in dem letzten halben Jahr bewusst geworden, was ich da eigentlich fabriziert habe, nachdem ich mich dann auch erst richtig mit den Sachen beschäftigt habe. Ich habe mich zum Beispiel belesen, wer Thomas Haller war, welche Gruppen in Chemnitz aktiv waren oder sind. Damit habe ich mich vorher nie auseinandergesetzt und habe jetzt natürlich in dem letzten halben Jahr durch den Prozess und die Gerichtsverhandlung natürlich viele Sachen erfahren, die mir vorher unbekannt waren. Das soll keine Rechtfertigung sein, weil man das sicher hätte vorher machen müssen, gibt aber vielleicht einen kurzen Einblick in meine Gedanken. Ich kann mich hier in der Öffentlichkeit nur noch einmal ganz klar entschuldigen und möchte mich auch in der Öffentlichkeit ganz klar von rechten Gruppen oder Leuten mit rechtem Gedankengut distanzieren. Das sind nicht meine Werte. Das sind nicht die Werte, die ich vertrete. Ansonsten wäre ich auch nicht zum SV Babelsberg gekommen, hätte Freunde hier im Verein. Ich möchte mich von jeglichen rechten Gruppen und rechtem Gedankengut ganz klar distanzieren."

Mehr zu Daniel Frahn

Auf Nachfragen der anwesenden Presseverantwortlichen erläuterte Frahn unter anderem, Sachen besser zu hinterfragen und sich besser zu informieren, weil ihm seine Fehler dann nicht passiert wären. „Das habe ich aber einfach nicht gemacht und deswegen werde ich es in der Zukunft auf jeden Fall machen, auch wenn es jetzt vielleicht schon zu spät ist, um weitere Fehler meiner Person zu vermeiden. Ich werde mich auf jeden Fall besser informieren, Hintergründe besser hinterfragen, nicht auf jeden Zug aufspringen und nicht überall dabei sein wollen.“ Zukünftig wolle er sich intensiv mit den Leuten im Kiezverein auseinandersetzen, um wichtige Themen zu besprechen und auch mit den Fanprojekten in Kontakt zu treten. „Ich werde mir aber jetzt nicht jede Woche ein neues Buch kaufen, um mich über bestimmte Sachen zu belesen. Mein Job ist Fußball zu spielen. Aber: Ich werde mich mehr mit solchen Sachen beschäftigen, als ich es in der Vergangenheit gemacht habe. Weil in der Vergangenheit, das muss ich auch offen und ehrlich zugeben, war das wenig, wirklich sehr, sehr wenig.“

So sei es auch eine der Forderungen der Babelsberger Fanszene gewesen, dass Frahn sich in angebotene Aktivitäten der Fangruppen mit einbringt und Einladungen zu Veranstaltungen mit annimmt. Frahn stellte aber klar: „Ich mach das nicht, weil es die Fans oder Vereinsverantwortlichen fordern, sondern ich mach das aus tiefster Überzeugung, weil ich selbst daran interessiert bin. Und auch wenn man es vielleicht anders denkt oder sieht: Das, was in Chemnitz passiert ist, sind nicht meine Werte, wie ich sie hier in Babelsberg kennengelernt habe und mit denen ich aufgewachsen bin und die ich auch gelebt habe, auch wenn ich die mit dem T-Shirt und der Aktion nach Halle zu fahren, nicht gezeigt habe. Deswegen bin ich aber auch wiederm zum SV Babelsberg gekommen, um genau diese Werte, die ich als Jugendlicher hier im Stadion erlebt habe, möchte ich sie jetzt wieder leben und erleben."