15. Februar 2022 / 06:55 Uhr

"Was für ein Eigentor für den Sport": Pressestimmen zur Cas-Entscheidung im Dopingfall Walijewa

"Was für ein Eigentor für den Sport": Pressestimmen zur Cas-Entscheidung im Dopingfall Walijewa

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kamila Walijewa darf bei Olympia in China weiter starten – so bewertet die internationale Presse die Entscheidung.
Kamila Walijewa darf bei Olympia in China weiter starten – so bewertet die internationale Presse die Entscheidung. © IMAGO/ITAR-TASS
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Die Sportrichter haben ihr erstes Urteil in der Doping-Affäre um die russische Olympiasiegerin Kamila Walijewa gefällt – und damit für Verwunderung in der Welt gesorgt. Der SPORTBUZZER fasst die internationalen Pressestimmen zusammen.

Nach der Starterlaubnis für ihre zweite Gold-Mission weinte Russlands Eiskunstlauf-Star Kamila Walijewa vor laufender TV-Kamera. "Das sind wahrscheinlich Tränen des Glücks, aber auch des Kummers", sagte die 15-Jährige dem russischen Staatsfernsehen am Montag. Nach für sie "sehr schweren Tagen" freue sie sich, sei aber gleichzeitig emotional müde: "Und trotzdem bin ich auf jeden Fall glücklich, bei den Olympischen Spielen zu sein und zu versuchen, mein Land zu repräsentieren."

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Stunden zuvor hatte sich Walijewa trotz ihres Doping-Vergehens die Starterlaubnis für den angestrebten Kampf um ihr zweites olympisches Gold erkämpft, eine Medaille wird sie aus Peking aber nicht mitnehmen dürfen. Der Internationale Sportgerichtshof Cas hat der Eiskunstlauf-Favoritin bei den Winterspielen zwar im Eilverfahren den Weg ins Damen-Einzel geebnet. Ein Freispruch war es für Walijewa aber nicht. Der Cas lehnte am Montag nach einer mehr als fünfstündigen Anhörung zunächst die Einsprüche gegen die Aufhebung der vorläufigen Sperre für die Eiskunstläuferin ab. Der SPORTBUZZER fasst die internationalen Pressestimmen zur Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs Cas im Dopingfall Kamila Walijewa zusammen.

Frankreich

L'Équipe: "Es ist die schlechte Serie dieser Spiele. Seit dem Bekanntwerden der positiven Probe (...) fahren die Eiskunstlauf-Welt und das IOC auf Sicht."

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Le Monde: "Acht Jahre nach dem aufsehenerregenden Skandal des Staatsdopings scheint sich Geschichte zu wiederholen."

Italien

Gazzetta dello Sport: "Eine Niederlage für das IOC, den Anti-Doping-Kampf und den Sport. (...) Die 15-Jährige Kamila Walijewa misst sich mit Erwachsenen, daher sollten für sie auch die gleichen Regeln gelten, auch beim Doping. Was für ein Eigentor für den Sport."

Corriere della Sera: "Bislang gibt es in dieser seltsamen Geschichte nur eine Gewissheit: In Moskau sind die Medizinmänner der verbotenen Substanzen noch immer voll aktiv. Und trotz all der Fälle in den vergangenen Jahren, gibt es am Ende immer einen Zweifel oder eine Lücke im Reglement, die es verhindern, dass klar geurteilt wird."

La Repubblica: "Das Alter der Unschuld. Kamila Walijewa bleibt bei den Spielen, aber die Medaillenzeremonie ist ausgesetzt. Der neue kalte Krieg des Dopings auf dem Eis - ohne Sieger und mit vielen Leichen auf dem Schlachtfeld. (...) Der Irrsinn des IOC, das es nicht schafft, die Träume der Athleten zu schützen. (...) Die Regeln müssen für alle gleich sein. Wenn Walijewa eine geschützte Person ist, zu jung um schuldig zu sein, warum müssen dann nicht auch die Träume und die Leistungen ihrer Konkurrentinnen geschützt werden?"

Deutschland

Weser-Kurier: "Der Fall zeigt, wie die Russen das Internationale Olympische Komitee an der Nase herumführen. Die Analyse der Dopingprobe von Walijewa wurde bis zu den Olympischen Spielen verschleppt, eine juristische Aufarbeitung somit unmöglich in der Kürze der Zeit. Und somit bleibt das Gefühl, dass die Zeiten, in denen Russland sich Medaillen mit Staatsdoping erkämpfte, längst nicht vorbei sind."

Fuldaer Zeitung: "Der olympische Justizkrimi hat einmal mehr die Skrupellosigkeit des russischen Systems gezeigt, das auch nach dem Doping-Skandal von Sotschi offensichtlich keine Konsequenzen gezogen hat. Man muss davon ausgehen, dass Kamila Walijewa eher ein Opfer dieses Systems ist, als eine Täterin. Wer heute den spektakulären Vierfach-Sprüngen der 15-Jährigen zuschaut, der sollte sich bewusst sein, welcher Druck auf den schmalen Schultern des Mädchens lastet. Und die Endlos-Schleife der Bolero-Melodie ist vermutlich das Symbol für das, was von Russland noch zu erwarten ist."

Mittelbayerische Zeitung: "Unter welchem Druck das Mädchen steht, kann sich jemand außerhalb Russlands nicht vorstellen - und deshalb auch kein Urteil fällen. Was unbestritten ist: Die 15-Jährige, die eigentlich das Gesicht einer jungen, unbelasteten, neuen Generation russischer Sportler hätte sein sollen, ist zum Beweis dafür geworden, dass der Ausschluss Russlands aus der olympischen Familie bis 2024 keinerlei Auswirkungen auf das von Moskau verordnete Staatsdoping hatte."

USA

New York Times: "In Anbetracht der vielleicht nervenaufreibendsten Kontroverse dieser Winterspiele haben die Olympia-Organisatoren am Montag entschieden, die Medaillen für alle Wettbewerbe zurückzuhalten, bei denen Walijewa unter die Top drei kommt. Diese außergewöhnliche Entscheidung hat viele im Sport frustriert und verärgert, weil ehrliche Athleten darunter leiden und in Anbetracht von Russlands Historie im Verspotten der Regeln und des erheblichen Scheiterns des Systems, das Doping verhindern sollte."

USA Today: "Was für ein Schlag ins Gesicht der Athleten, die nicht betrügen. Ein dunkler Tag für die Olympischen Spiele und für Tausende Athleten, die keine Dopingmittel einnehmen, um ihre Leistung zu steigern."

Großbritannien

The Guardian: "Kamila Walijewa ist in einem komplizierten Durcheinander gefangen, das sich seit Jahren angebahnt hat. Bei jeder Gelegenheit reden die Sport-Funktionäre hart über Russland und verwässern die Strafen. (...) Ohne einen wirklichen Anreiz für Reformen - oder die Furcht, dass Russland aus dem internationalen Sport ausgeschlossen werden könnte - wie soll sich das Land jemals wirklich ändern?"

Daily Mail: "Nun, sie haben es wieder getan. Erneut Olympische Spiele beschmutzt, erneut ein Festival des Sports befleckt. Doch IOC-Chef Thomas Bach hat diese Demütigung verdient, weil er der Korruption Tür und Tor geöffnet hat."