21. November 2022 / 20:50 Uhr

Pressestimmen zum FIFA-Verbot der "One Love"-Binde: "Geschichte wird Spuren hinterlassen"

Pressestimmen zum FIFA-Verbot der "One Love"-Binde: "Geschichte wird Spuren hinterlassen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die FIFA drohte für das Tragen der One Love-Kapitänsbinde Sanktionen an.
Die FIFA drohte für das Tragen der "One Love"-Kapitänsbinde Sanktionen an. © IMAGO/ULMER/Teamfoto/Action Pictures/The Times/L'Equipe (Montage)
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Am Montag gab es große Diskussionen um den Einsatz der "One Love"-Kapitänsbinde der europäischen Nationalmannschaften bei der WM in Katar. Die FIFA hatte das Tragen verboten und mit Konsequenzen gedroht. Die Pressestimmen zu dem Thema.  

Am Montag sollte der Sport bei der WM für Schlagzeilen sorgen - doch die Politik rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt der Diskussionen. Die Auseinandersetzung zwischen acht europäischen Verbänden und dem Weltverband FIFA um das Tragen der "One Love"-Kapitänsbinde eskalierte im Verzicht der Teams um Deutschland, die Niederlande oder England auf die Geste. Spieler, Funktionäre und Experten reagierten bestürzt. Auch die Presse ging mit dem Weltverband für die angedrohten Sanktionen beim Tragen der mehrfarbigen Binde hart ins Gericht. Auch die Nationen, dich sich dem Druck beugen, bekamen deutliche Worte zu hören. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), hat die internationalen Pressestimmen zur Binden-Debatte gesammelt.

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England

The Athletic: "Der U-Turn in der Debatte um die "One Love"-Bindest eine Erinnerung daran, dass der Männerfußball sich nicht für LGBT-Menschen einsetzen wird."

The Times: "Die Verbeugung vor der FIFA in der "One Love"-Armband-Debatte ist ein Spiegelbild der erbärmlichen Prinzipien der FA."

Telegraph: "Es gab eine Alternative. Warum nicht Torhüter Jordan Pickford die Armbinde für das Iran-Spiel geben? Wenn der Schiedsrichter Pickford verwarnen würde, würde die Welt die FIFA-Heuchelei sehen. Sie würden sehen, woran die FIFA wirklich glaubt, wofür sie nicht stehen. Stattdessen stieg der FA aus. Sie knickten ein, ließen sich von der FIFA zum Schweigen bringen und stoppten das Tragen der Armbinden. (...) Wenn das tatsächlich passiert wäre, wäre es ein bemerkenswerter Moment in der Geschichte gewesen. Was einst eine kleine Geste war, wäre sofort zu einem wirklich starken Moment des Protests geworden. (...) Wir können nur hoffen, dass die englischen Spieler etwas anderes im Ärmel haben. Dürfen sie Regenbogen-Tattoos auf ihren Armen haben? Oder kann die FIFA ihnen drohen, ihnen sagen, was sie auf der Haut haben dürfen und was nicht, und das auch stoppen!"

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Frankreich

L'Equipe: "Die FIFA hat ihre Konfrontation mit sieben europäischen Ländern gewonnen, die die inklusive "One Love"-Armbinde gegen Diskriminierung aufgegeben haben. Und ein Kampf gegen die UEFA, die diese Initiative unterstützt hat. Diese Geschichte wird Spuren hinterlassen."

Italien

Gazeztta dello Sport: "Verschiedene Verbände hatten im September an die FIFA geschrieben und um Klärung der Möglichkeit des Tragens von Armbinden gebeten, aber keine Antwort erhalten. Sie ist heute angekommen. Und wenn man bedenkt, dass die Binden ohne viel Tamtam in der Nations League eingesetzt wurden, kann man eine verpasste Chance nur bedauern."

Deutschland

Frankfurter Allgemeine Zeitung: "(...) Einen Tag vor dem Spiel der Engländer, deren Kapitän Harry Kane das Modell ebenso wie weitere Europäer tragen wollte, teilte die FIFA mit: Wer "One Love" am Arm trägt, riskiert "sportliche Sanktionen". Ob diese über eine Gelbe Karte hinausgehen würden, ein Punktabzug im Raum stand, wie es am Montag hieß, konkretisierte DFB-Präsident Neuendorf nicht. (...) Wie genüsslich die FIFA die Europäer in den Hinterhalt tappen ließ, zeigt das „Angebot“, das sie im Gegenzug offerierte: Nach Art des Hauses, mit all ihrer zynischen Gönnerhaftigkeit, bietet sie nun an, eine Binde, die laut FIFA erst ab dem Viertelfinale vorgesehen war, dürfe unverzüglich getragen werden. Aufschrift: No discrimination, keine Diskriminierung. Infantino geht es also nicht um die Botschaft. Es geht ihm um die Macht. (...)"

Bild: "Der deutschen Nationalelf verdankt unser Land viele besondere Momente. Das Wunder von Bern 1954, der Wiedervereinigungs-Titel 1990 oder das historische 7:1 gegen Brasilien 2014. Der 21. November 2022 wird ebenfalls in die Geschichte eingehen. Als ein Tag der Schande. Es ist der Tag, an dem DFB & Nationalelf vor den Augen der ganzen Welt viel von ihrer Glaubwürdigkeit verspielt haben. Die Einknicker der Nation sind tatsächlich zu feige, eine Spielführerbinde mit der Aufschrift "One Love" zu tragen."

Kölner Stadtanzeiger: "Mit diesem Akt der Unterwürfigkeit geben die nach eigener Einschätzung guten Nationen dem zynischen Fifa-Präsidenten Infantino vollumfänglich recht, der dem Westen Doppelmoral unterstellt. Denn genau das ist es, was hier bewiesen wird. Und Feigheit ist es auch."

Frankfurter Rundschau: ""Die Mafia gewinnt immer", lautet eine Redewendung in Italien. Und genauso verhält es sich mit der Fifa , die sich erdreistete, mit sportlichen Sanktionen zu drohen, sollten die acht europäischen Kapitäne in Katar mit der One-Love-Binde auflaufen. Fast noch schlimmer als diese Entscheidung ist das Einknicken der Verbände vor dieser Erpressung, auch des DFB. Die Nationen verpassten damit eine Chance, Infantino und seiner korrupten Bande auf größtmöglicher Bühne entgegenzutreten. Wie mutig war dagegen die iranische Mannschaft, die aus Protest gegen die Zustände im eigenen Land bei der Nationalhymne schwieg. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte eine deutliche Haltung angekündigt. Seine Worte waren nur leere Hülsen. Man wolle die Konfrontation nicht auf dem Rücken der Nationalspieler austragen, so die feige Begründung des Binden-Rückzugs. Manuel Neuer & Co. sind Teil des sportpolitischen Machtkampfs und können einem dabei nur leidtun. Der große Verlierer ist am Ende der gesamte Fußball."

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