09. August 2021 / 23:00 Uhr

Preußen legt Protest ein: So geht's jetzt nach Wolfsburgs Wechselfehler weiter

Preußen legt Protest ein: So geht's jetzt nach Wolfsburgs Wechselfehler weiter

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wer trägt die Schuld am Wechselfehler? Die VfL-Bank oder Schiri Christian Dingert.
Wer trägt die Schuld am Wechselfehler? Die VfL-Bank oder Schiri Christian Dingert. © imago images/Team 2
Anzeige

Preußen Münster legt nach dem 3:1-Sieg des VfL Wolfsburg aufgrund eines Wechselfehlers des Bundesligisten Protest gegen die Wertung der Partie ein. Nun geht's in erster Linie um die Frage der Hauptschuld.

Einen Tag nach dem Wechselfehler steht es fest: Preußen Münster legt Protest gegen den 3:1-Sieg des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten in der ersten Runde des DFB-Pokals ein. VfL-Trainer Mark van Bommel hatte dort sechs statt der erlaubten fünf Spieler ausgetauscht. Nun wird der DFB beim VfL eine Stellungnahme einholen, dann landet der Fall vorm Sportgericht, das in erster Linie zu entscheiden hat, ob der Klub aus der VW-Stadt die Hauptschuld am Vergehen trägt oder ob das Schiedsrichter-Gespann hätte anders handeln müssen. Denkbare Konsequenzen: Der VfL verliert die Partie nachträglich oder es gibt ein Wiederholungsspiel. Bis zum Urteil kann es noch dauern.

Anzeige

Für van Bommel war es am Sonntagnachmittag ein denkbar unglücklicher Pflichtspiel-Einstand als Coach des Champions-League-Teilnehmers gewesen, er tauschte in den 120 Minuten einen Spieler zu viel aus - laut den Statuten ein klarer Regelverstoß. "Mit dem unzulässigen Wechsel hat unser Gast das Spiel zu unseren Ungunsten entscheidend beeinflusst. Nun stehen wir in der Verantwortung denen gegenüber, die diesen Klub, der wie viele andere auch vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen steht, unterstützen und ihm die Treue halten", begründete Preußen-Sportdirektor Peter Niemeyer auf der Klub-Homepage den Prostest.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Wie auch immer dort entschieden wird - trotz des ärgerlichem Fauxpas muss beim VfL niemand seinen Hut nehmen. Die VfL-Verantwortlichen um Manager Jörg Schmadtke sind laut Stellungnahme "überzeugt, unsere sportliche Entwicklung weiter voranzutreiben, ohne personelle Konsequenzen aus dieser ärgerlichen Situation zu ziehen". Dass gestern beim Training der Reservisten (auch Joao Victor war nach Grippe wieder dabei) van Bommel nicht mit auf dem Platz war, hatte nichts mit dem Patzer von Münster zu tun. Der Niederländer war stattdessen bei den anderen Akteuren, die im Kraftraum eine lockere Einheit absolvierten. Auch, dass der freie Tag für die Profis von Mittwoch auf Dienstag verschoben wurde, steht nicht mit dem Vorfall in Zusammenhang, sondern hat aufgrund der Verlängerung mit der Belastungssteuerung zu tun.

Zu den Abläufen rund um den Wechselfehler äußert sich der VfL öffentlich nicht - denn darum wird es wohl vorm dem Sportgericht gehen. Ist der VfL allein für sein Handeln verantwortlich oder hätte Schiedsrichter Christian Dingert das Vergehen verhindern müssen? Denn angeblich habe sich die VfL-Bank sogar mehrmals beim vierten Offiziellen Tobias Fritsch erkundigt, ob der sechste geplante Wechsel erlaubt sei - und offenbar das "Go!" bekommen. Fälschlicherweise, wie sich herausstellte.

Die Bewertung des Sportgerichts dürfte jedenfalls entscheidenden Einfluss auf die Bewertung der Sachlage und die damit einhergehenden Konsequenzen. Trägt der VfL die Hauptschuld, dürfte es eine Wertung gegen die Wolfsburger geben, Preußen stünde dann in der zweiten Pokal-Runde. Im anderen Fall könnte es sogar ein Wiederholungsspiel geben. Dann müsste es aber schnell zur Neuauflage kommen - oder die Auslosung der nächsten Runde erneut verschoben werden, denn diese wurde am Montag um eine Woche auf den 29. August vorverlegt. Dass Wolfsburger Sieger der Partie bleibt scheint ausgeschlossen, auch beim VfL geht davon niemand aus.

Wie die Entscheidung letztlich ausfällt, ist offen, unter Regelexperten ist eine Tendenz zu erkennen. Ex-Bundesliga-Schiri Thorsten Kinhöfer sagte der Bild: "Sechs anstatt fünf Wechsel ist theoretisch ein Regelverstoß, den der Schiri zu verantworten hat. Nichtsdestotrotz hat der Verein eingewechselt". Sky-Experte Alexander Feuerherdt vom Schiri-Podcast "Collinas Erben" sieht's deutlicher: "Der VfL hätte sich informieren müssen, wie viele Wechsel erlaubt sind. Auf der anderen Seite steht im Regelwerk, dass es eine Maximalzahl an Auswechslungen gibt, die nicht überschritten werden darf. Da der Schiedsrichter für die Einhaltung der Regeln verantwortlich ist, hätte er den sechsten Wechsel nicht gestatten dürfen."


Joao Victor vorm Abschied?

Was wird aus Joao Victor? Der Flügelspieler, der 2019 vom Linzer ASK zum VfL gewechselt war, konnte sich in den vergangenen zwei Jahren nicht in Wolfsburg durchsetzen - nun könnte der Brasilianer den Klub noch in diesem Sommer verlassen. Wohin, ist jedoch unklar. Allerdings waren Victors Berater am Montag zu Gesprächen im VfL-Center zu Gast. Im März war der 27-Jährige mit Fluminense Rio de Janeiro in Verbindung gebracht worden. In der vergangenen Saison kam Victor 21 Mal zum Einsatz, meist aber nur wenige Minuten. Ihm gelangen ein Tor und eine Vorlage. Dass der Außenbahner in dieser Saison mehr Einsatzzeit bekommt, ist unwahrscheinlich. Die Konkurrenz mit Lukas Nmecha, Renato Steffen, Ridle Baku und dem wechselwilligen Josip Brekalo ist groß. Sollte der Kroate gehen, dürften noch ein bis zwei neue Flügelspieler kommen.