16. Oktober 2021 / 12:18 Uhr

Pro und Contra: Schafft Sportvorstand Fredi Bobic die Wende bei Hertha BSC?

Pro und Contra: Schafft Sportvorstand Fredi Bobic die Wende bei Hertha BSC?

Tobias Manzke und Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fredi Bobic soll Hertha BSC zum Big-City-Klub machen. Kann er das schaffen?
Fredi Bobic soll Hertha BSC zum Big-City-Klub machen. Kann er das schaffen? © IMAGO/Zink
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Hertha BSC hat den Saisonstart verpatzt und steckt in der Krise. Sportvorstand Fredi Bobic muss in seiner ersten Saison direkt einige Probleme lösen. Schafft das der ehemalige Frankfurt-Boss auch in Berlin? Tobias Manzke und Sebastian Harfst diskutieren.

PRO: Ja, Bobic ist ein Baumeister!

von SPORTBUZZER-Chefreporter Tobias Manzke

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Schwierige Aufgaben liegen ihm: Als Fredi Bobic im Sommer 2016 bei Frankfurt die Geschicke übernahm, hatte die Eintracht gerade so eben die Klasse gehalten. Der Ex-Nationalstürmer brachte den Klub wieder auf Vordermann und sanierte ihn in seiner fünfjährigen Tätigkeit sportlich wie finanziell. Frankfurt wurde 2018 Pokalsieger und zog 2019 in das Halbfinale der Europa League ein. Die sogenannte "Büffelherde" im Sturm um Sebastian Haller, Ante Rebic und Luka Jovic verkaufte Bobic für fast 120 Millionen Euro.

In Berlin muss er wieder von null anfangen und hat es mit einem Klub zu tun, dessen Selbstverständnis in keinem Verhältnis zu den Leistungen der vergangenen Jahre steht. Der Geschäftsführer muss zahlreiche Baustellen bearbeiten, durch den Abgang von Klubboss Carsten Schmidt ist eine weitere dazugekommen. Doch wenn jemand die alte Dame zu dem Big-City-Klub machen kann, der sie gern sein will, dann Bobic. Er ist durchsetzungsstark und ein Mann für klare Kante. Das hat er kürzlich bewiesen, als er öffentlich den jammernden Trainer Pál Dárdai einnordete. Das Näschen für Spieler, um eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen, hat er ohnehin. Es wird Zeit brauchen in Berlin, vielleicht auch mehr als in Frankfurt. Aber Bobic ist genau der richtige Mann.


CONTRA: Nein, dieser Klub ist zu schwierig!

vom stellvertretenden RND-Sportchef Sebastian Harfst

Fredi Bobic mögen schwierige Aufgaben liegen. Doch könnte die Aufgabe beim selbst ernannten Big-City-Klub auch für diesen gewieften Fußballmanager zu schwierig sein. Das Perfide: Bobic kann nicht einmal etwas dafür. Es ist die Gemengelage in Berlin, die ein Scheitern wahrscheinlich erscheinen lässt.

Da ist erst mal die ewige Erwartungshaltung, die sich aus dem Status des Großklubs aus der Bundeshauptstadt nährt. Am Ende bleibt da immer Berlin der Star, die Hertha ein notorischer Unzufriedenheitsfaktor. Wirklich positiv sind die Nachrichten rund um diesen Verein nur sehr, sehr selten.

Das größte Problem für Bobic ist jedoch Investor Lars Windhorst. Er hat Hunderte Millionen Euro in den Klub gepumpt und erwartet dafür Erfolgserlebnisse – am besten sofort. Denn wer investiert schon in einen Mittelklasseklub? Für Bobic ist das ein Dilemma: Einerseits soll er die Hertha langfristig zum Erfolg führen, andererseits muss er sich mit den kurzfristigen Erwartungen des Mäzens auseinandersetzen. Der wiederum nimmt gern öffentlich Stellung zur sportlichen Situation des von ihm geförderten Klubs.

Irgendwie erinnert die Konstellation dadurch mehr und mehr an den Hamburger SV und den dortigen Investor Klaus-Michael Kühne. Und was in Hamburg passiert ist, dürfte auch Bobic noch wissen.