10. Februar 2022 / 19:54 Uhr

Pro und Contra zu möglichen Meister-Play-offs: Benötigt die Bundesliga den neuen Modus?

Pro und Contra zu möglichen Meister-Play-offs: Benötigt die Bundesliga den neuen Modus?

René Wenzel und Timon Zöfelt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Meisterschale geht in der Bundesliga seit 2013 immer nach München.
Die Meisterschale geht in der Bundesliga seit 2013 immer nach München. © Getty Images (Montage)
Anzeige

An der Langeweile im Bundesliga-Titelrennen hat sich eine Grundsatzdebatte über die Einführung von Meister-Play-offs entzündet. Ist ein veränderter Modus für die deutsche Eliteliga der richtige Weg? Die SPORTBUZZER-Redakteure René Wenzel und Timon Zöfelt diskutieren.

PRO: Ja, weil der Meister nicht immer FC Bayern heißen würde…

von SPORTBUZZER-Redakteur René Wenzel

Anzeige

Bayern-Vorstand Oliver Kahn bringt es mit einem Wort auf den Punkt: "Spannung". Richtig, Meister-Play-offs würden in der Bundesliga für deutlich mehr Dramatik sorgen. Wann war die Deutsche Meisterschaft zuletzt hart umkämpft? Nur einmal in den vergangenen zehn Jahren. Mit zwei Punkten mehr als Borussia Dortmund wurde der FCB im Jahr 2019 Deutscher Meister. Sonst war der Vorsprung immer zweistellig, 2013 und 2018 waren es sogar mehr als 20 Zähler.

Die Bundesliga benötigt wieder mehr Spannung. Es gibt verschiedene Optionen. Ein von Kahn vorgeschlagener kombinierter Modus mit Halbfinals und Finale muss neben einer Meisterrunde bei den Überlegungen in den Fokus genommen werden. Viele europäische Länder lösen die Meisterfrage bereits über eine Teilung der Tabelle. Denkbares Beispiel in Deutschland: Die ersten vier Teams spielen den Meister im Modus Hin- und Rückspiel aus. Das wären sechs zusätzliche Partien für die Top-Klubs – alles fair und machbar.

Die aktuelle Saison zeigt erneut, dass kein Klub die Bayern auf lange Strecke stoppen kann. In einzelnen Spielen ist das möglich. Das untermauerten in der Bundesliga bereits Eintracht Frankfurt, der FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach. Play-offs oder eine kleine Meisterrunde wären zumindest einen Versuch wert, um die Münchner Dominanz zu stoppen. Ein paar Spielzeiten testen, danach die Lage neu bewerten – Spannung, wir brauchen Spannung!

Anzeige

Contra: Nein, weil ein neuer Modus nicht die grundsätzlichen Probleme in der Bundesliga löst

von SPORTBUZZER-Redakteur Timon Zöfelt

Zum zehnten Mal in Folge kann der FC Bayern sich in dieser Saison zum deutschen Meister küren. Seit Jahren gibt es an der Vorherrschaft der Münchener in der deutschen Eliteliga nichts zu rütteln. Spannung? Fehlanzeige. Deshalb über Ansätze zu diskutieren, wieder für mehr Chancengleichheit zu sorgen? Völlig nachvollziehbar. Dazu einen bewährten Wettbewerb zu modifizieren, ist jedoch der falsche Weg.

Ein angedachter Play-off-Modus mit Halbfinals und Finale würde die über das Jahr konstant geleistete Arbeit der Vereine sowie den Gewinn der Meisterschale in ihrem Status als ehrlichstem Titel der Saison untergraben. Der neue Vorschlag wirkt wie ein Zugeständnis für die Klubs, die einen nicht immer souveränen FC Bayern auf sportlichem Wege nicht stoppen können. Wirklich fair wäre das nicht.

Außerdem: Auch künstlich erzeugte Spannung durch Play-offs kann nicht über die offensichtlichen Missstände in der Fußball-Branche hinwegtäuschen. Dass zumindest eine kurzzeitige Wachablösung der Bayern in der jüngsten Vergangenheit nicht gelang, ist kein Problem des Bundesliga-Modus, sondern deckt die finanziellen Gräben innerhalb der deutschen Top-Liga schonungslos auf. Optimierungsbedarf gibt es deshalb vielmehr unter den Stichworten "Financial Fair Play", "Verteilung von TV-Geldern" und "wirtschaftliches Gleichgewicht" – nicht aber bei einem Modus, der über Jahrzehnte die Massen begeistert hat.

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.