10. Mai 2021 / 18:05 Uhr

Pro und Contra zum HSV-Trainerwechsel: Schaffen die Hamburger unter Hrubesch die Wende?

Pro und Contra zum HSV-Trainerwechsel: Schaffen die Hamburger unter Hrubesch die Wende?

André Batistic und Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Horst Hrubesch steht beim HSV vor einer schwierigen Aufgabe.
Horst Hrubesch steht beim HSV vor einer schwierigen Aufgabe. © Getty Images (Montage)
Anzeige

Drei Spieltage vor Saisonende hat der Hamburger SV die Reißleine gezogen und sich von Trainer Daniel Thioune getrennt. Horst Hrubesch übernimmt den HSV für die letzten drei Saisonspiele. Schafft er die Wende? Die SPORTBUZZER-Redakteure André Batistic und Sönke Gorgos diskutieren.

Anzeige

PRO: Ja, denn Hrubesch hat sich einen Ruf als Aufräumer erarbeitet

von SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic

Anzeige

HSV-Fans dürfen sich freuen: Mit der Verpflichtung von Vereinsikone Horst Hrubesch als Interimstrainer ist dem Hamburger Traditionsklub ein Coup geglückt. Der 70-Jährige verfügt über die nötige Erfahrung, um den HSV auf den letzten Metern der Saison den richtigen Kick zu geben. Wie gut Hrubesch darin ist, die Fehler seiner Vorgänger (auch kurzfristig) zu reparieren, hat er bereits während seiner Laufbahn beim DFB gezeigt. Nachdem Rainer Adrion als U21-Nationaltrainer gescheitert war, übernahm das einstige "Kopfballungeheuer" den Job und führte das Team 2016 zu Olympia-Silber. Auch in die Frauen-Nationalmannschaft brachte Hrubesch nach dem Aus von Steffi Jones Struktur und ebnete den Weg für die heutige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Beim HSV ist nach der kurzen Thioune-Ära nun vor allem Motivationsarbeit nötig. Unter dem Ex-Coach wirkte der HSV trotz aussichtsreicher Aufstiegschancen zuletzt fahrig und auch der Trainer strahlte wenig Zuversicht aus, trotz aller Widrigkeiten nach drei Jahren Abstinenz ins Fußball-Oberhaus zurückzukehren. Unter Hrubesch wird das anders sein. Als lebende HSV-Legende besitzt Hrubesch eine natürliche Autorität und die Spieler werden ganz anders zum neuen Coach aufblicken. Wenn Hrubesch, wie am Sonntag, sagt, dass das Team noch an den Aufstieg "glaubt" – dann ist das so. Punkt.

Und dieser ist trotz der Negativserie von fünf sieglosen Spielen in Folge immer noch möglich. Mit einem Sieg gegen Nürnberg am Montagabend hätte der HSV nur noch drei Punkte Rückstand auf die SpVgg Greuther Fürth, die es mindestens für die Teilnahme an der Aufstiegs-Relegation zu überholen gilt. Das Restprogramm (noch gegen die Abstiegskandidaten Osnabrück und Braunschweig) spricht für den HSV. Fürth hat Paderborn, das am Sonntag 8:3 in Aue gewann und Aufstiegs-Mitkonkurrent Düsseldorf vor der Brust. Wenn jemand diese Situation ausnutzen kann, dann Hrubesch.

CONTRA: Nein, denn der Wechsel kommt zu spät

von SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos

Als Horst Hrubesch am vergangenen Montag das Traineramt am Volkspark übernahm, stand der Klub auf dem dritten Platz. Inzwischen ist der HSV diese Stellung los, mittlerweile als Fünfter nicht mehr Gejagter, sondern nurmehr Jäger – und schon mit durchaus beträchtlichem Rückstand. Hrubesch beginnt sein Kurzzeit-Engagement in einer miesen Position, denn er kann sein Ziel, den Aufstieg, gar nicht mehr aus eigener Kraft erreichen.

So sehr ich Hrubesch für seinen Pragmatismus, seine Erfahrung, seine enge Verbindung zum Verein und seinen Erfolg gerade in schwierigen Situationen schätze, so wenig ist noch mit einem Aufstieg des HSV zu rechnen. Auch wenn die Konkurrenz alles andere als überzeugend agierte, dürfte es sogar mit drei Siegen und dann 61 Punkten nahezu unmöglich werden, den Relegationsplatz zurückzuerobern – geschweige denn, den direkten Aufstieg zu erlangen. Von den letzten fünf Spielen hat die Mannschaft übrigens kein einziges gewonnen und auch zuvor selten die nötige Konstanz offenbart. Noch dazu geht es auch für zwei der kommenden Gegner, nämlich Osnabrück und Braunschweig, noch ums nackte Überleben. Geschenke werden nicht verteilt.

Die HSV-Bosse Jonas Boldt und Michael Mutzel haben Hrubesch trotz sicherlich edler Absichten im Pokerspiel um den Aufstieg mit denkbar schlechten Karten ausgestattet. Ihm ist grundsätzlich zuzutrauen, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Allerdings hat er ein gewaltiges Zeitproblem aufgebürdet bekommen, weil die Bosse sich allzu spät zum Handeln entschlossen haben. Selbst Hrubesch, von Haus aus Optimist, sieht die Chancen auf den direkten Aufstieg schwinden und peilt vor allem die Relegation an. Selbst das Erreichen dieser Lotterie ist indes unwahrscheinlich. Hamburg muss sich wohl erneut damit abfinden, für die 2. Liga zu planen. Trotz Hrubesch.