25. Oktober 2021 / 18:43 Uhr

Pro und Contra: Ist die 2G-Regel in RB Leipzigs Red-Bull-Arena die richtige Lösung?

Pro und Contra: Ist die 2G-Regel in RB Leipzigs Red-Bull-Arena die richtige Lösung?

Antje Henselin-Rudolph / Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Die Red-Bull-Arena soll wieder mehr als nur zur Hälfte gefüllt werden. Das ist aktuell nur mit der 2G-Regelung möglich.
Die Red-Bull-Arena soll wieder mehr als nur zur Hälfte gefüllt werden. Das ist aktuell nur mit der 2G-Regelung möglich. © dpa / André Kempner
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RB Leipzig hat sich entschieden, ab November nur noch Geimpfte und Genesene zu seinen Heimspielen zuzulassen. Das Echo auf diese Mitteilung ist gewaltig, die Diskussionen leidenschaftlich. LVZ-Sportchefin Antje Henselin-Rudolph (Pro) und Sport-Printproduktionsleiter Frank Schober (Contra) haben sich in den Meinungs-Zweikampf begeben.

Leipzig. Es war angekündigt und wird so nun auch umgesetzt: Mindestens zu den Heimspielen gegen Paris Saint-Germain (3. November) und Borussia Dortmund (6. November) lässt RB Leipzig nur Fans in die Red-Bull-Arena, die geimpft oder genesen sind, wendet also das so genannte 2G-Modell an. Der Bundesligist begründet das mit den Zwängen der geltenden gesetzlichen Regelungen. Unter den Fans wird das Thema heiß diskutiert. Und auch in der LVZ-Redaktion gehen die Meinungen auseinander.

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Pro: "Jede zusätzliche Einnahme ist wichtig"

Die Regel ist ganz klar: Will RB Leipzig sein Stadion zu hundert Prozent auslasten, geht das nur mit 2G. So bestimmt es Sachsens Corona-Schutzverordnung. Das kann man gut finden oder auch nicht. Beim sächsischen Fußball-Bundesligisten finden sie es nicht gut – und werden diese Regel dennoch anwenden. Und das ist auch richtig so.

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Denn durch die mit 3G lediglich mögliche Auslastung der Red-Bull-Arena mit 50 Prozent gehen dem Club mit jedem Heimspiel auch 50 Prozent der maximal möglichen Einnahmen verloren. Dass ein Wirtschaftsunternehmen wie RB – und um nichts anderes handelt es sich bei einem Erstliga-Profi-Club – dies nur so lange wie zwingend nötig in Kauf nimmt, ist nachvollziehbar. Jede zusätzliche Einnahme ist wichtig – gerade im Wettbewerb mit anderen nationalen und internationalen Clubs.

Auch bei den Erfolgsaussichten spielt es eine Rolle, wie voll die Ränge sind. Ein dreiviertel oder voll besetztes Stadion bringt mehr Stimmung als ein nur zur Hälfte gefülltes. Fangesänge können ein Team pushen, Pfiffe den Druck auf den Gegner erhöhen. In beiden Fällen gilt: Je mehr Leute und damit je lauter, desto besser.

Mehrere Erstligisten setzen bereits auf den finanziellen und atmosphärischen Pluspunkt 2G. Dass RB Leipzig unter den gegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen nun nachzieht, kann man den Verantwortlichen am Cottaweg schlecht vorwerfen.

Contra: "Nichtgeimpfte gehören nicht ins gesellschaftliche Abseits"

Unabhängig vom Fußball ist die 2G-Regel bei öffentlichen Veranstaltungen oder Restaurant-Besuchen keine gute Lösung. Denn diese trägt nach zehrenden anderthalb Jahren der Pandemie zur (weiteren) Spaltung der Gesellschaft bei.


Zudem bedeutet sie eine Art Impfpflicht durch die Hintertür und widerspricht unseren freiheitlichen Werten. Aus welchen Gründen auch immer ein nicht kleiner Teil der Gesellschaft den vorbeugenden Piks gegen das Virus ablehnt: Es ist der falsche Weg, nicht geimpfte Menschen von Veranstaltungen und damit vom öffentlichen Leben auszuschließen. Nichtgeimpfte gehören nicht ins gesellschaftliche Abseits.

Hinzu kommt, dass voll besetzte Ränge beim Fußball oder anderswo die Gefahr von Neuansteckungen erhöhen, weil an diesen Orten in Zeiten steigender Inzidenzen die zur Gewohnheit gewordenen und immer wieder eingeforderten Mindestabstände nicht eingehalten werden. Geimpft oder genesen bedeutet nicht, dass die Besucher eines Fußballspiels nicht einer gewissen Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind. Tag für Tag werden immer mehr Fälle bekannt, bei denen der Impfschutz nach einigen Monaten nachgelassen und das Virus doch angegriffen hat.

Es widerspricht zudem dem Grundsatz der Gleichbehandlung, wenn die Akteure auf dem Rasen getestet (und teilweise nicht geimpft) sind, ihren Fans diese Möglichkeit aber verwehrt wird. Corona-Tests bieten ebenso wie Impfungen keinen hundertprozentigen, aber doch einen Schutz vor Ansteckung. Und letztlich: Wer glaubt, dass die Red-Bull-Arena bei 2G künftig bei den meisten Spielen voll sein wird, der irrt womöglich gewaltig. Noch sind die Menschen in ihrem Freizeitverhalten viel vorsichtiger als vor der Pandemie.