25. November 2021 / 18:28 Uhr

Pro und Contra: War es richtig, den Spielbetrieb in Brandenburg bis Jahresende einzustellen?

Pro und Contra: War es richtig, den Spielbetrieb in Brandenburg bis Jahresende einzustellen?

Christoph Brandhorst und Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
spielbetrieb pro contra
Der Spielbetrieb ruht: Vorerst werden im Brandenburger Landesfußball keine Bälle mehr rollen. © IMAGO / Hanno Bode
Anzeige

Brandenburg schreibt in seiner neuen Corona-Verordnung 2G auch für Sportanlagen unter freiem Himmel vor. Zu kurzfristig, zu undurchsichtig und zu viel Aufwand für die Clubs, sagt der FLB, der daraufhin den Spielbetrieb bis Jahresende einstellte. Ja, findet SPORTBUZZER-Redakteur Christoph Brandhorst. Nein, meint Kollege Ronald Tenbusch.

PRO: Ja, der Verband nimmt so Druck vom Kessel

Von SPORTBUZZER-Redakteur Christoph Brandhorst

Anzeige

Ich bin selbst Fußballer und würde nichts lieber tun, als auch am nächsten Wochenende wieder auf dem Platz zu stehen und mit meiner Mannschaft um Tore und Punkte zu kämpfen. Trotzdem muss ich anerkennen: Die erneute Zwangspause für den Spielbetrieb im Land ist alternativlos! Wenn sich nun in den Kommentaren in den sozialen Netzwerken der Zorn des Fußballvolks über den Brandenburger Fußball-Landesverband ergießt, trifft diese Kritik den Falschen.

ZUM DURCHKLICKEN: Reaktionen zur Saisonunterbrechung in Brandenburg.

Stimmen zur Saisonunterbrechung: Die Meinungen unter Trainern in Brandenburg wie Daniel Kraatz (links), Volker Löbenberg (rechts oben) und Patrick Hinze gehen durchaus auseinander. Zur Galerie
Stimmen zur Saisonunterbrechung: Die Meinungen unter Trainern in Brandenburg wie Daniel Kraatz (links), Volker Löbenberg (rechts oben) und Patrick Hinze gehen durchaus auseinander. ©

Die 2G-Regel für den Sport an der frischen Luft ist nicht auf FLB-Mist gewachsen. Sie ist eine politische Entscheidung. Hätte der FLB wirklich auf eine Fortsetzung der Serie unter allen Umständen pochen sollen? Leidtragende wären die Vereine gewesen, in denen – ganz unabhängig von der Impfquote – viel Unsicherheit herrscht. Wer soll den Impfstatus der Mannschaften kontrollieren? Was, wenn doch ein Ungeimpfter mitgespielt hat? Und gibt es überhaupt genügend geimpfte und genesene Schiedsrichter, um alle Partien zu besetzen? Fragen, die in den wenigen Stunden und Tagen bis zum nächsten Anpfiff nicht zu beantworten waren. Mit der vorzeitigen Winterpause nimmt der Verband Druck vom Kessel.

Und Verantwortung von den vielen ehrenamtlich tätigen Vereinsvorständen im Land, die unter Androhung von Strafe persönlich für die Einhaltung der neuen Eindämmungsverordnung auf ihren Sportplätzen haften. Gleichwohl: Bis zum Re-Start im neuen Jahr müssen nun Antworten her. Dann muss der Ball in Brandenburg wieder rollen – wenn’s sein muss, auch mit 2G.

Contra: Nein, mit größerer Flexibilität wäre mehr geholfen

Von SPORTBUZZER-Redakteur Ronald Tenbusch

Es gibt dieser Tage mit Sicherheit angenehmere Aufgaben, als Entscheider bei einem Sportverband zu sein. Im Wochentakt ändern sich die Corona-Regeln und die Sportfunktionäre hecheln der Gesetzeslage hinterher. Weil auch auf Brandenburgs Sportanlagen unter freiem Himmel nun 2G gilt, hat der FLB vorzeitig die Winterpause ausgerufen und den gesamten Fußball-Spielbetrieb in allen Altersklassen bis zum Jahresende auf Eis gelegt – ohne Ausnahmen. Doch dieses Ganz-oder-gar-nicht-Handeln wird den Sportlern nicht gerecht.


Mehr zum Thema

Der Verband begründet dies mit der kurzen Vorlaufzeit zum anstehenden Spielwochenende und den logistischen Herausforderungen, die durch 2G auf die Clubs zukommen. Warum aber dürfen Vereine und Mannschaften nicht selbst entscheiden, ob sie dieser logistischen Aufgabe gewachsen sind oder nicht? Wieso nicht ein Wochenende zur Vorbereitung aussetzen, um anschließend mit einem flexiblen Modell weiterzumachen? Wie das aussehen kann, zeigt Brandenburgs nördlicher Nachbar.

Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern setzt den Spielbetrieb auf Landesebene auf freiwilliger Basis fort – und das in allen Altersklassen. Teams, die eine Spielteilnahme unter 2G-Regeln nicht gewährleisten können oder wollen, können ihre anstehenden Partien mit einer 48-Stunden-Frist absagen. Alle anderen dürfen weiter ihrem Sport nachgehen – und darum geht es den meisten schließlich. So aber müssen alle in den Fußball-Lockdown. Hoffentlich nur für sechs Wochen.