29. März 2022 / 17:50 Uhr

WM-Aus droht, Krise bei ManUnited – Pro und Contra: Ist die Zeit von Cristiano Ronaldo abgelaufen?

WM-Aus droht, Krise bei ManUnited – Pro und Contra: Ist die Zeit von Cristiano Ronaldo abgelaufen?

André Batistic und Fynn Engelbrecht-Greve
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ist die Zeit von Cristiano Ronaldo vorbei?
Ist die Zeit von Cristiano Ronaldo vorbei? © Getty Images (Montage)
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Cristiano Ronaldo kämpft am Dienstagabend mit Portugal gegen Nordmazedonien um eines der letzten WM-Tickets. Schockt der Underdog nach Europameister Italien auch die Portugiesen, verpasst Ronaldo seine letzte WM-Chance. Generell machte der Superstar zuletzt keinen guten Eindruck. Ist die große Zeit von "CR7" vorbei? Hat er das Prädikat "Weltklasse" verloren? Ein Pro und Contra.

PRO: Ja, weil Ronaldo immer limitierter wirkt

von SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic

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Ist Cristiano Ronaldo einer der besten Fußballer der Geschichte? Absolut. Doch auch Legenden erreichen in ihrer Karriere irgendwann den Punkt, an dem es einfach nicht mehr gelingt, an die alten Glanztage anzuknüpfen. Und obwohl der 37 Jahre alte Asket weiterhin wie ein Berserker für seinen Erfolg arbeitet: Die Gegner müssen keine Angst mehr haben, wenn "CR7" den Platz betritt. Ja, Ronaldo hat in dieser Saison den FIFA-Rekord für die meisten Tore gebrochen. Ja, Ronaldo meldete sich am letzten Spieltag der Premier League vor der Länderspielpause sensationell mit einem Dreierpack bei Manchester United zurück. Doch wenn man den Portugiesen bei ManUnited (nur zwölf Liga-Tore in 24 Einsätzen) und auch im Nationalteam genau beobachtet, muss man zu dem Schluss kommen, dass Ronaldos Zeit in der absoluten Weltspitze abgelaufen ist.

Als perfektes Beispiel dient das Champions-League-Aus der "Red Devils". Ronaldo, der wohl auch wegen seiner fehlenden Spritzigkeit nicht mehr auf den Flügeln, sondern nur noch in der Spitze aufgestellt wird, verbuchte im Rückspiel gegen Atlético Madrid erst zum dritten Mal in seiner Karriere keinen einzigen Torschuss. Vom Führungsspieler kam kein Signal des Aufbäumens, keine Anfeuerung für die jungen Spieler. Stattdessen trottete der fünfmalige Weltfußballer enttäuscht auch über seine eigene Leistung über den Platz. Fast genauso lief es auch mit der Nationalmannschaft im WM-Playoff-Halbfinale gegen die Türkei (3:1), als die Türken bis kurz vor Schluss sogar großen Chancen auf den Ausgleich hatten. Ronaldo war nicht zu sehen, wirkte spielerisch aufgrund seiner festen Bindung an die Sturmspitze limitiert. Seine Präsenz macht nur noch selten den Unterschied.

Ronaldo fällt United-Trainer Ralf Rangnick und der Entwicklung des gesamten Vereins derzeit sogar eher zur Last. Liebend gerne würde der ehemalige Leipziger Erfolgscoach noch öfter auf Shootingstars wie Jadon Sancho und Anthony Elanga setzen. Der öffentliche Druck und Ronaldos Ansprüche verhindern dies aber. Sitzt er mal (leistungsgerecht) auf der Bank, ist der Aufschrei in den Medien - und wohl auch vom Superstar selbst, wie man immer wieder hört - groß. Die neue Stürmer-Generation um Erling Haaland und Kylian Mbappé ist bereit, sein Vermächtnis zu übernehmen. Es bleibt zu hoffen, dass Ronaldo ein würdevolles Ende der Karriere erlebt.

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CONTRA: Nein, die Zahlen sprechen für Ronaldo

von SPORTBUZZER-Redakteur Fynn Engelbrecht-Greve

Zur Beantwortung dieser Frage reicht ein ganz objektiver Blick in die Statistiken. In der laufenden Saison der Premier League haben nur vier Spieler mehr Tore erzielt als Cristiano Ronaldo. In der Champions League sind es fünf. Ebenso viele waren es in der europäischen WM-Qualifikation. Würden Sie einem Spieler, der zeitgleich in zwei internationalen Top-Wettbewerben und der wohl stärksten Liga der Welt zu den besten Torschützen gehört, die Weltklasse absprechen?

Apropos stärkste Liga der Welt. Sich im Alter von damals 36 Jahren nochmal der Herausforderung auf der Insel zu stellen, zeugt natürlich zunächst mehr von Ronaldos nach wie vor ungebrochenem Ehrgeiz, als direkt von seiner Weltklasse. In dieser Liga jedoch der treffsicherste Neuzugang zu sein, lässt dann allerdings schon gewisse Rückschlüsse auf das vorhandene Leistungsniveau zu, wenn im gleichen Transfer-Sommer zum Beispiel auch ein gewisser Romelu Lukaku für schlappe 113 Millionen Euro in die Premier League gewechselt ist und größere Anpassungsprobleme offenbart. Würden Sie dem Belgier die Weltklasse absprechen?

Um den Begriff "Weltklasse" in diesem Zusammenhang zu definieren, braucht es zudem eine Einordnung, welche Spieler aktuell auf Ronaldos Positionen zur Weltklasse zählen. Sadio Mané? Weltklasse! Raheem Sterling? Weltklasse! Harry Kane? Weltklasse, na klar! Ersterer und Letzterer hab in der stärksten Liga der Welt genauso viele Tore erzielt wie Ronaldo und standen dafür sogar noch häufiger auf dem Platz. Sterling hat sogar weniger Treffer auf dem Konto.

Möglicherweise ist der 37-Jährige nach knapp 20 Jahren im Profi-Fußball nicht mehr auf dem höchsten Niveau seiner Fähigkeiten - dieses hatte außer ihm aber auch nur noch ein weiterer Spieler erreicht. Ist die Zeit von Ronaldo deswegen also vorbei? Fragen Sie doch mal die anderen portugiesischen Nationalspieler, ob sie den Rekordspieler des Landes im wichtigsten Spiel seit dem EM-Finale 2016 lieber auf der Ersatzbank sehen wollen.

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