13. Mai 2022 / 20:17 Uhr

Pro und Contra zu Hertha BSC: Wäre der Abstieg nach dieser Saison verdient?

Pro und Contra zu Hertha BSC: Wäre der Abstieg nach dieser Saison verdient?

Tobias Manzke und André Batistic
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hertha BSC droht der Abstieg aus der Bundesliga.
Hertha BSC droht der Abstieg aus der Bundesliga. © IMAGO/Nordphoto
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Hertha BSC muss noch zittern: Am 34. Spieltag kämpft der Hauptstadt-Klub im Fernduell mit dem VfB Stuttgart um den Klassenerhalt. Die Teilnahme an der Relegation und in letzter Konsequenz der Abstieg drohen. Hätten die Berliner nach einer turbulenten Saison mit zwei Trainerentlassungen und viel Wirbel neben dem Platz den Gang in die 2. Liga verdient? Die SPORTBUZZER-Redakteure Tobias Manzke und André Batistic diskutieren.

PRO: Ja, weil die Mängelliste bei der Hertha zu lang ist

von SPORTBUZZER-Chefreporter Tobias Manzke

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Der Big City Klub in der neuen Saison in der zweiten Liga? Schade wär’s für die Hauptstadt – aber verdient allemal. Mit großen Plänen war der Verein mit dem neuen Geschäftsführer Sport, Fredi Bobic, in die Saison gestartet. Das Ziel: Nach der letzten Saison, in der die Rettung auch erst kurz vor Schluss gelang, jetzt eine Spielzeit im ruhigen Fahrwasser. Pustekuchen!

Die Entlassung von Trainer Pal Dardai: zu spät. Die Verpflichtung von Tayfun Korkut, der jahrelang ohne Job in der Bundesliga war: falsch und seine Entlassung dann wiederum ebenfalls zu spät. Dazu die tragische Schmierenkomödie in der Führungsetage um Windhorst und seine Investitionen, in der der Verein auch kommunikativ alles andere als gut aussah. Und eine Mannschaft, die scheinbar mindestens über dreiviertel der Saison vergessen hat, wofür sie eigentlich bezahlt wird. Die Mängelliste aller Beteiligten ist einfach zu lang, um dem Klub ein weiteres Jahr Bundesliga zu bescheren.

Wie von Felix Magath, der als Retter zu spät einstieg, befürchtet, wird Hertha nach den Matchbällen, die man bisher für den Klassenerhalt hat liegen lassen, in der Relegation landen. Und dort den Kürzeren ziehen. Und damit wäre der Abstieg dann am Ende auch absolut verdient.

CONTRA: Nein, weil die Spieler nichts für die Fehlleistungen der Bosse können

von SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic

Um die Fehltritte und Missgeschicke der Hertha neben dem Platz aufzuzählen, bedarf es schon mehrerer DIN-A4-Seiten. Vom merkwürdigen Transfersommer ohne wirkliche Verstärkungen über zwei (teils unnötige) Trainer-Entlassungen bis hin zum Wirbel um Investor Lars Windhorst: Die Berliner haben nur wenige Fettnäpfchen in dieser Saison ausgelassen. Doch die Frage muss erlaubt sein: Haben durch die offensichtlichen Fehlleistungen in der Führungsebene wirklich die SPIELER von Hertha BSC den Abstieg verdient? Nein, denn die Profis wehren sich nach Kräften gegen den Abstieg und trotzen den Nebengeräuschen, für die sie selbst nichts können.


Ja, es stimmt, dass die Leistungen zur Saisonmitte eines Bundesligisten nicht würdig waren. Was aber auch zur Wahrheit gehört: Den komplett glücklosen Trainer Tayfun Korkut, der vor seinem Engagement als Nachfolger des Fan-Lieblings Pal Dardai nicht ohne Grund drei Jahre ohne Anstellung war, haben nicht die Spieler, sondern die Verantwortlichen um Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic verpflichtet. Auch die Entscheidung sich von Korkut (neun Punkte aus 13 Spielen) zu trennen, kam viel zu spät. Ausgerechnet unter Trainer-Legende Felix Magath wurde die unter Korkut immer weiter auseinandergedriftete Mannschaft wieder eine Einheit - und die Ergebnisse (sechs Spiele, sieben Punkte) und vor allem Leistungen können wieder sich sehen lassen.

Auffällig auch: Unter Magath blieb es im Hertha-Umfeld bisher erstaunlich ruhig. Die Berliner scheinen aus ihren Fehlern, die sie über die Saison verteilt reichlich gemacht haben, gelernt zu haben. Und einem geläuterten Klub sollte man wirklich nicht den Abstieg gönnen ...