01. September 2022 / 11:36 Uhr

Pro und Contra zum Deadline-Day: Sollte das Transferfenster vor dem Saisonstart schließen?

Pro und Contra zum Deadline-Day: Sollte das Transferfenster vor dem Saisonstart schließen?

André Batistic und Fynn Engelbrecht-Greve
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Am 1. September um 18 Uhr schließt das Transferfenster in der Bundesliga.
Am 1. September um 18 Uhr schließt das Transferfenster in der Bundesliga. © IMAGO/Team 2 (Montage)
Anzeige

Jedes Jahr herrscht zum Ende des Transferfensters am sogenannten "Deadline-Day" Hochbetrieb – mitten in der Saison, wenn der Spielbetrieb schon am Laufen ist. Ist das fair? Oder sollte das Transferfenster vor dem Saisonstart schließen? Die SPORTBUZZER-Redakteure Fynn Engelbrecht-Greve und André Batistic diskutieren.

PRO: Ja, weil es die richtigen Personen unter Druck setzt

von SPORTBUZZER-Redakteur Fynn Engelbrecht-Greve

Anzeige

Spielen wir das Ganze doch mal durch: Wer könnte ernsthaft etwas gegen ein Ende der Wechselfrist vor dem ersten Saisonspiel haben? Wohl nur Manager und Sportdirektoren, die lieber später als früher mit der Kaderplanung beginnen. Oder Spieler, die ihre Klubs ewig zappeln lassen, ob sie bleiben oder wechseln. Vielleicht noch Berater, weil sie in der verkürzten Transferperiode mehr arbeiten müssen, um genügend Wechsel für ihr Wunschhonorar einzutüten. Aber hätte irgendein Fan wirklich etwas dagegen einzuwenden, wenn die erwähnten Personen etwas mehr unter Druck stehen?

Oft heißt es, dass ein so langes Wechselfenster auch nötig ist, weil Transfers Zeit benötigen und viele Verhandlungen sich ewig ziehen bis zum Abschluss. Das ist doch größtenteils Poker und Strategie. Am Deadline-Day geht es doch auch plötzlich immer ganz schnell. Vor allem die Klubs, die schon jetzt jedes Jahr darauf bedacht sind, im Optimalfall zum Vorbereitungsstart ihren Kader zusammen zu haben, würden ab Spieltag eins mit Planungssicherheit belohnt werden. Es kommt nicht plötzlich ein zahlungskräftiger Liga-Konkurrent daher und schnappt den Leistungsträger weg, der in den ersten vier Spielen brilliert hat, um nach dem eigenen Fehlstart die eigene Fehlplanung zu kaschieren.

Der 1. FC Köln hätte sicher gern darauf verzichtet, nach Saisonbeginn noch einen Stürmer suchen zu müssen, der annähernd die 20 Saisontore garantiert, die Anthony Modeste in der zurückliegenden Spielzeit erzielt hat. Die Tumor-Erkrankung von BVB-Stürmer Sebastien Haller ist ein tragischer Schicksalsschlag, das steht völlig außer Frage (in solchen Ausnahmefällen könnte man sogar über die Möglichkeit eines Sondertransfers nachdenken). Doch aus rein sportlicher Sicht betrachtet, ist es ein Ausfall, mit dem umzugehen ist wie mit einer langfristigen Verletzung. Kreuzbänder reißen auch nach Ende des Transferfensters. Solche Fälle müssen in jeder Kaderplanung mit einkalkuliert werden, alles andere wäre einfach nur fahrlässig.

Anzeige

Eines steht jedoch außer Frage. Eine Schließung des Transferfensters vor Saisonbeginn ist nur umsetzbar, wenn sich zumindest die Top-5-Ligen in Europa auf einen gemeinsamen Deadline-Day festlegen. Ansonsten schweben wochenlang vier Damoklesschwerter über den deutschen Klubs und die Bundesliga hätte plötzlich einen riesigen Wettbewerbsnachteil.

CONTRA: Nein, weil man Planungsfehler nur im echten Spielbetrieb erkennen kann

von SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic

Das Transferfenster bereits vor dem ersten Saisonspiel zu schließen, mag ein romantischer Gedanke sein – doch der Vorschlag ist absolut realitätsfern, unrealistisch und vor allem ungerecht. Warum ungerecht? Weil die kleineren Klubs ja gerade hoffen, dass ein unzufriedener Spieler eines anderen Vereins nach den ersten Saisonspielen noch über seine Zukunft nachdenkt und dadurch eventuell günstiger als gedacht auf dem Markt erscheinen wird.

Ungerecht wäre ein früherer Transferschluss auch den Spielern gegenüber, die sich von der Saison im Vorfeld deutlich mehr Einsatzzeit versprochen hatten als sie in den ersten Spieltagen erhalten haben. Man muss bedenken, dass teilweise Karrieren auf dem Spiel stehen, wenn nach einigen Partien aussortierte Profis den Verein wegen der vorgezogenen Deadline nicht mehr verlassen dürften. Den Profis würde ein Teil ihrer Unabhängigkeit verloren gehen. Und natürlich würden Unruheherde geschaffen, die Teams aus dem Konzept bringen könnten.

Und eigentlich sollten gerade die Trainer glücklich sein, dass sie ihr Team unter echten Wettbewerbsbedingungen – und nicht etwa mit Freundschaftsspielen gegen Fünft- bis Achtligisten – fast risikolos testen können, besonders die Coaches, die erst im Sommer verpflichtet worden sind. Planungsfehler können eben nur im echten Spielbetrieb erkannt werden, andernfalls wäre das Milliardengeschäft Fußball auch eine Art Glücksspiel – und das kann weder im Interesse der Vereine, Verbände, noch der Fans sein.

[Anzeige] Alle Spiele der Fußball WM live und exklusiv bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.