15. September 2020 / 16:18 Uhr

Amateurklubs kämpfen mit dem DFBnet

Amateurklubs kämpfen mit dem DFBnet

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Im DFBnet geben die Vereine üblicherweise vor Spielbeginn die Aufstellungen ein. Der Schiedsrichter ergänzt nach Abpfiff den Spielbericht. 
Im DFBnet geben die Vereine üblicherweise vor Spielbeginn die Aufstellungen ein. Der Schiedsrichter ergänzt nach Abpfiff den Spielbericht.  © Brandhorst
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Das Meldesystem des DFB ist seit Saisonbeginn häufig überlastet. Funktionäre konnten sich nicht einloggen, und Ergebnisse tauchten teils mit erheblicher Verspätung im Internet auf. Mancherorts müssen sogar wieder Spielberichtsbögen aus Papier ausgefüllt werden.

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Es war zum Verzweifeln: Als die Mannschaftsverantwortlichen von Fortuna Babelsberg und des Ludwigsfelder FC am Wochenende vor dem Duell im Brandenburger Landespokal die Mannschaftsaufstellungen in den Online-Spielbericht eintragen wollten, streikte die Technik. „Über den PC von Fortuna ging gar nichts. Das gleiche Problem hatten wir aber auch schon eine Woche zuvor in der Oberliga vor dem Halle-Spiel“, klagt LFC-Sportdirektor Philipp Karaschewitz. Nachdem mehrere Mitglieder der Trainerteams vergeblich versucht hatten, sich mit ihren Zugangsdaten in das Meldesystem des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einzuloggen, klappte dies schließlich über ein Mobiltelefon. Andernorts kam aber auch der gute alte Papier-Spielberichtsbogen zu seinem unverhofften Comeback. Dieser war ab der Saison 2009/10 schrittweise durch den elektronischen Spielbericht abgelöst worden.

Nun kam es am Wochenende schon zum zweiten Mal hintereinander zu Störungen im System. Funktionäre konnten sich nicht einloggen, Aufstellungen konnten nicht freigegeben werden und Ergebnisse tauchten teils mit erheblicher Verspätung auf den einschlägigen Plattformen des DFB auf.

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Probleme in ganz Deutschland

Die Schwierigkeiten bestehen offenbar bundesweit. „Wir hatten Glück, dass unser Spiel am Sonntag erst um 17 Uhr angepfiffen wurde“, sagt etwa Thorsten Tunkel, Fußball-Abteilungsleiter des Oberligisten SVG Göttingen. Nach anfänglichen Fehlversuchen habe die Eingabe schließlich funktioniert. In der Vorwoche hatte der Klub noch einen Papierbericht per Hand ausfüllen müssen.

Flächendeckende Schwierigkeiten bestätigt auch Holger Zinke, der beim Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) für das DFBnet verantwortlich ist. „Es musste deswegen aber kein Spiel ausfallen“, stellt er klar.

DFB spricht von Überlastung

Bei der Erklärung der Fehlermeldungen sei er auf den DFB angewiesen, dort sei von einer „Überbelastung“ die Rede gewesen, so Zinke. „Unsere IT-Kollegen haben die Ursachen analysiert und versuchen diese schnellstmöglich zu beheben“, teilte der Verband auf Nachfrage mit. Dass die Ausfälle etwas mit dem Cyberangriff auf den DFB von vergangener Woche zu tun haben, dementierte man dort. Von der Attacke seien nach eigener Aussage nur interne Systeme, nicht aber die Plattformen DFBnet oder Fussball.de betroffen gewesen. Nach dem Hackerangriff habe man die Schadsoftware identifizieren können und im Anschluss auch „die zuständige Aufsichtsbehörde für den Datenschutz, die polizeilichen Stellen und die Staatsanwaltschaft“ informiert, hieß es.

"Alten Spielberichtsbogen rausholen"

„Beim Ausfall des DFBnet wissen die Vereine, was zu tun ist“, ist sich Michael Reichert sicher. Der Vorsitzende des Fußballkreises Oberhavel/Barnim, in dem es am vergangenen Spieltag ebenfalls „vermehrt zu Fehlermeldungen“ gekommen sei, empfiehlt in so einem Fall: „Da gilt es, den alten Spielberichtsbogen rauszuholen oder gemeinsam mit dem Schiedsrichter die Passnummern und Aufstellungen handschriftlich zu notieren. Über den Staffelleiter müssen die Daten dann nachgetragen werden.“

Das bringe zwar mehr Aufwand mit sich, sagt Reichert, so sei aber auch in Oberhavel und Barnim kein einziges Spiel der Technik-Panne zum Opfer gefallen. „Mittlerweile sollten alle Ergebnisse eingetragen sein.“

Der Fehler sei längst lokalisiert und man arbeite beim DFB mit Hochdruck an einer Lösung, sagt Holger Zinke vom FLB. Für ihn ist klar, warum das System an seine Grenzen kommt: „Es melden sich immer mehr Nutzer an und es werden immer mehr Informationen eingespeist.“