18. April 2020 / 13:47 Uhr

Tipp vom Konsolen-Profi: "Legt den Controller weg, wenn ihr verloren habt“

Tipp vom Konsolen-Profi: "Legt den Controller weg, wenn ihr verloren habt“

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Spielt seit 2015 Konsolen-Fußball für den VfL Wolfsburg: Ex-Verbandsliga-Stürmer und Elfmeter-Spezialist Benedikt Saltzer.
Spielt seit 2015 Konsolen-Fußball für den VfL Wolfsburg: Ex-Verbandsliga-Stürmer und Elfmeter-Spezialist Benedikt Saltzer.
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Er zockt FIFA für den VfL Wolfsburg und ist Bundestrainer: Benedikt „SalzOr“ Saltzer spricht im SPORTBUZZER-Interview über eSport in Zeiten der Corona-Krise.

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Seit fünf Jahren spielt er professionell Fußball auf der Konsole für den VfL Wolfsburg, seit einem Jahr ist er auch noch Bundestrainer: Benedikt Saltzer, Online-Name „SaLz0r“, ist einer der profiliertesten Gamer des Landes und einer der besten Spieler der überaus beliebten Fußballsimulations-Reihe „FIFA“, sein YouTube-Kanal hat über 40.000 Abonnenten. Im Interview spricht der 27-Jährige über den eSport-Boom in der Corona-Krise – und hat ein paar Tipps für Gelegenheits-Zocker parat.

Profitiert der Konsolen-Fußball gerade besonders stark von der Pause des realen Fußballs, weil er eine Art Ersatzbefriedigung ist?

Ja, klar. Für alle von uns, die fußballverrückt sind und den Fußball lieben, aber kein Fußball schauen können, ist das natürlich ein schöner kleiner Ausgleich. Aber ich habe immer gesagt, dass der eSport-Fußball kein Konkurrent für den realen Fußball ist, sondern eine Ergänzung. Man kann das eine nicht mit dem anderen ausgleichen. Ich selbst vermisse es gerade total, auf dem Platz stehen zu können – und ich vermisse es auch, Fußball zu gucken.

Sie habe selbst mal ambitioniert Fußball gespielt, vor zwei Jahren noch in der Verbandsliga, jetzt schießen Sie Tore für den SKG Bickenbach in der Kreisoberliga Darmstadt...

Ja, ich hatte sogar mal eine Anfrage von Wormatia Worms aus der 4. Liga. Aber mittlerweile ist FIFA eine Vollzeit-Angelegenheit, deswegen konnte ich nicht mehr so hoch spielen – und die Wochenenden waren oft durch FIFA-Turniere belegt.

Laut fussball.de lief es vor der Corona-Krise aber gerade gut für Sie: 17 Tore in 16 Spielen, sieben von sieben Elfmetern verwandelt...

...und sechs davon selbst rausgeholt.

Auf der Konsole kommen viele gerade mit den Elfmetern bei FIFA20 nicht so gut klar.

Stimmt, das war auch eine große Umstellung zu FIFA19. Der Kopf des Schützen zeigt jetzt immer schon an, in welche Ecke er schießt, da ist es vergleichsweise leicht, Elfer zu halten. Vor allem, wenn der Schütze lange Haare hat, weil man da besonders gut sieht, wo er hinschießt.

Was ist da der Tipp?

Die richtige Mischung finden zwischen hin- und herbewegen und genau schießen.

Sie werden doch wahrscheinlich täglich nach solchen Tipps gefragt, oder?

Ja – aber noch häufiger werde ich aufgefordert, mal eine Runde zu zocken (lacht). Und mal eben Tipps zu geben, ist nicht so einfach, weil jeder anders spielt und jeder seinen individuellen Weg finden muss.

Gibt es trotzdem Hinweise, die Sie Gelegenheitsspielern besonders oft geben?

Ruhig bleiben. Lasst die Abwehrspieler hinten, lasst euch nicht rauslocken. Vorn nicht sinnlos aus der zweiten Reihe schießen, weil man da zu oft den Ball verliert. Und: Legt den Controller erst einmal für eine Weile weg und macht Pause, wenn ihr ein Spiel verloren habt. Sonst gibt das schnell eine Negativspirale mit mehreren verlorenen Spielen nacheinander.

Ihr Alltag besteht ja nicht nur daraus, selbst zu spielen. Sie produzieren beispielsweise auch viele YouTube-Videos.

Als ich als eSportler angefangen habe, war ja alles neu und wir mussten uns überlegen, wie wir uns da reinfinden. Wir haben von Beginn an Wert darauf gelegt, Inhalte zu produzieren und viel mit den sozialen Medien zu arbeiten. Und das hat in den letzten Jahren noch zugenommen. Wir haben Meetings, machen genaue Content-Pläne, wir schauen, was die Leute sehen wollen, was gut ankommt. Im Moment mache ich fast täglich einen Livestream, weil die Leute ja auch zu Hause sind. Dazu zwei, drei Videos die Woche – und dann kommen noch andere Sachen dazu, etwa Interviews wie dieses hier oder die Arbeit für den DFB.

So läuft beim VfL das Training mit Abstand

Koordinationstraining im Kraftraum: John-Anthony Brooks. Zur Galerie
Koordinationstraining im Kraftraum: John-Anthony Brooks. ©

Sie sind seit einem Jahr Bundestrainer der eNationalmannschaft. Wie kam es dazu?

Ich war als Spieler im Kader der Nationalmannschaft von Anfang an dabei und dann hat sich das so ergeben, in eSport-Teams ist es durchaus üblich, dass einer der Spieler auch der Coach ist. Aktuell sind wir zehn Spieler, die bei verschiedenen Turnieren den DFB vertreten. Mit dem eNations-Cup hätte jetzt in Kopenhagen eines der wichtigsten internationalen Turniere angestanden, aber das fällt natürlich aus. Alternativ wird gerade ein Fun-Turnier vorbereitet, bei dem vielleicht auch Profi-Fußballer dabei sind.

Wie sehr ändert sich aktuell durch die Corona-Krise Ihr Alltag?

Um ehrlich zu sein, kaum. Ich mache ja sowieso das allermeiste von daheim aus. Nur die regelmäßigen Fahrten nach Wolfsburg fallen halt weg. Und der sportliche Ausgleich fehlt mir, ich fahre stattdessen häufiger mal Fahrrad und mache mein Workout daheim.

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Weil der „echte“ Fußball fehlt, ist Konsolen-Fußball gerade auch in den Medien präsenter als sonst. Kann der eSport dauerhaft davon profitieren?

Ja, ich hab’ das Gefühl, dass das so ist. Wir hatten ja schon in den letzten ein, zwei Jahren eine sehr dynamische Entwicklung, viele Profiklubs haben eFootball für sich entdeckt, teilweise werden Spiele im Fernsehen gezeigt. Und aktuell steigert sich die Aufmerksamkeit noch mal, so hat jede Krise auch ihr Gutes. Der eSport rückt ein bisschen mehr ins gesellschaftliche Bewusstsein. Aber ich sage noch mal: Das ist keine Konkurrenz zum richtigen Fußball, sondern eine eigene Sportart.

Was sagen Sie den Kritikern, die behaupten, das wäre gar kein Sport?

Es ist Sport – und es ist wie Schach oder Schießen ein Konzentrationssport. Wenn ich bei einem großen Turnier über fünf, sechs Stunden die Konzentration hochhalten muss, falle ich abends auch müde und platt ins Bett, obwohl ich fast nur gesessen habe. Hand-Auge-Koordination und mentale Belastung sind da schon extrem hoch. Das ist definitiv Sport.

In der #BundesligaHomeChallenge, die die DFL organisiert, spielt Lino Kasten für den VfL. Wie macht er sich?

Gut. Er hatte beim ersten Mal mit dem Schalker Nassim Boujellab einen wirklich richtig starken Gegner, der auf extrem hohen Niveau spielt und auch eSportler knacken könnte. Ich hab’ mit Lino vorher ein paar Spiele gemacht, er hat so seinen eigenen Stil, macht das vor allem offensiv richtig stark. Generell finde ich die #BundesligaHomeChallenge eine prima Sache, ich gucke mir die Spiele auch richtig gern an.