06. April 2020 / 17:03 Uhr

Profi- und Amateurfußball: Steffen Hillmann von der FSG Pollhagen-Nordsehl-Lauenhagen erlebt beides hautnah mit

Profi- und Amateurfußball: Steffen Hillmann von der FSG Pollhagen-Nordsehl-Lauenhagen erlebt beides hautnah mit

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
In Wolfsburg wird Hillmann zum Pitroipa
Steffen Hillmann (rechts) fühlt sich bei der FSG auf zentralen Positionen am wohlsten. © Daniel Kultau
Anzeige

Anzeige

Der Song „Rama Lama Ding Dong“ tönt durch die mehr als 80 Lautsprecher der Wolfsburger Volkswagen Arena. Die Lichtershow geht an, bis zu 30000 Zuschauer jubeln, rasten auf dem Videowürfel aus, der Stadionsprecher macht sich bereit, um den Torschützen anzusagen. Soeben hat der VfL Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga ein Tor geschossen.

Anzeige

„Jawoll, sehr gut Jungs“, tönt es über den Sportplatz in Lauenhagen. Zwei Zuschauer stoßen an, eine Spielertraube jubelt. Danach wieder Stille. Die FSG Pollhagen-Nordsehl-Lauenhagen hat gerade getroffen.

Profi- und Amateurfußball

Steffen Hillmann kennt beide Seiten. Einerseits das Milliardengeschäft Fußball und andererseits den Kreisliga-Alltag. Unter der Woche arbeitet der Nordsehler als Assistenz der Geschäftsführung bei der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH, an den Wochenenden schnürt er für die FSG, seinen Heimatverein, die Schuhe.

Den Posten in der Autostadt hat der 27-Jährige seit Ende 2016 inne. Der studierte Betriebswirt für Sportmanagement absolvierte zuvor ein Praktikum im Vertrieb der Wölfe. Seine gute Arbeit blieb nicht unbemerkt. Thomas Röttgermann, der damals noch beim VfL arbeitete und heute bei Fortuna Düsseldorf im Vorstand sitzt, bot ihm die Stelle an. „Da habe ich die Chance direkt genutzt“, blickt Hillmann zurück.


Seitdem bekommt er als direkter Untergeordneter von Dr. Tim Schumacher aus der Geschäftsführung Einblicke in alle Bereiche eines Fußballvereins. „Ich bin in Gremiensitzungen dabei, aber habe auch die China-Tour oder die Europa-League-Reisen organisiert.“ In seinem Nachbarbüro sitzt die Wolfsburger Vereinslegende Marcel Schäfer. Beim bis dato letzten internationalen Heimspiel des VfL gegen Schachtar Donezk war der Schaumburger sogar der direkte Ansprechpartner der UEFA.

Wie ein Testspiel

Doch nicht deswegen wird er sich noch lange an dieses Spiel erinnern. Die 1:2-Niederlage der Wölfe blieb vor allem deswegen im Kopf, weil es ein Geisterspiel war. Die Ukrainer waren traditionell mit jungen, talentierten, brasilianischen Kickern angereist, sodass sich ein richtig gutes Spiel entwickelte. „Aber es war keine Stimmung da. Es war wie ein Testspiel“, beschreibt der Nordsehler die Atmosphäre. „Selbst in der Kreisliga ist es komisch, wenn gar keine Zuschauer da sind. Das ist nicht der Fußball, in den man sich mal verliebt hat.“ Dass der aktuelle Stand der Deutschen Fußball Liga der ist, die Saison ab Mai wegen des Coronavirus mit Geisterspielen zu Ende zu spielen, wird Hillmann so mit Sicherheit nicht gefallen.

Sein erster Lieblingsverein war jedoch nicht der VfL Wolfsburg. „Als ich noch ein Kind war, hat mich mein Opa einmal mit nach Dortmund auf die Südtribüne genommen“, sagt Hillmann. Von da an war er ein Schwarz-Gelber. Dass es inzwischen doch der VfL in der Sympathietabelle auf den ersten Platz geschafft hat, lag am DFB-Pokal-Finale 2015. Mit Spielern wie Kevin de Bruyne, Ivan Perisic, Ricardo Rodriguez oder Naldo gewannen die Wolfsburger in beeindruckender Manier mit 3:1 gegen Hillmanns Dortmunder.

Viele tolle Erinnerungen

Er selbst verbrachte dieses Spiel unter seinen Kollegen, ließ sich anstecken und erlebte die Feier, das Bankett und viele weitere Momente des Pokalsiegs hautnah mit. „Das sind tolle Erinnerungen. Da ist die Sympathie gekippt, aber ich freue mich immer noch, wenn Dortmund gewinnt.“ Sein fußballerisches Vorbild ist Thierry Henry, der ehemalige Weltklasse-Stürmer von Arsenal London und der französischen Nationalmannschaft. Als die Équipe Tricolore 2006 zur Weltmeisterschaft ihr Lager in Hameln aufschlug, fuhr Hillmann sogar mit seinem Onkel in die Rattenfängerstadt, um seinem Idol beim Trainieren zuzuschauen.

Beruflich gesehen macht ihm die aktuelle Corona-Krise mit VW als Arbeitgeber im Rücken weniger aus, als so manch anderen Arbeitnehmern. Sportlich gesehen sei es jedoch auch für ihn schwierig. „Mehr als sein eigenes Fitnesslevel zu halten, geht momentan nicht.“ Normalerweise hält er sich unter der Woche in Wolfsburg fit, spielt dort sogar in einer Mannschaft mit den Kollegen aus der Geschäftsstelle.

Wie Jonathan Pitroipa

Hillmann, der bei der FSG gerne in zentralen Positionen spielt, läuft dort als linker Flügelspieler auf. „Meine Teamkollegen nennen mich dort den weißen Jonathan Pitroipa“, so der Nordsehler. Vieles sah beim ehemaligen Spieler des Hamburger SV aus Burkina Faso gut aus, wirkte gefährlich, aber wirklich effektiv war es selten. „Meine Mitspieler in Wolfsburg sagen, dass es bei mir häufig genauso ist.“

Trainingsplan für zuhause

So bleibt Hillmann einzig das Programm seines FSG-Coaches Marcel Fritsche um einigermaßen im Saft zu bleiben. Dieser hat für seine Mannschaft einen „Punkteplan“ ins Leben gerufen. Für jede absolvierte Einheit gibt es Zähler. Der fleißigste Kicker gewinnt diesen Wettbewerb, über dessen Laufzeit noch niemand bescheid weiß. „Ganz unten werde ich da mit Sicherheit am Ende nicht stehen“, ist sich der 27-Jährige sicher.

Dabei bemängelte Fritsche vor einigen Wochen nicht die Fitness seiner Jungs, sondern dass ein Leader im Team fehlen würde. „Ich versuche, vorne wegzugehen, aber rede manchmal auch zu viel auf dem Platz“, gibt sich Hillmann selbstkritisch. Es sei auch schwierig, weil er unter der Woche nicht trainieren könne, höchstens mal an einem Freitag. „Es ist für Marcel Fritsche dann schwer zu rechtfertigen, warum ich spiele.“

Der Knipser fehlt

Momentan steht die FSG in der Kreisliga auf dem neunten Platz im öden Niemandsland der Liga. Eigentlich zu wenig für die talentierte Truppe. „Uns fehlt vor dem Tor die Kaltschnäuzigkeit“, ist sich der weiße Pitroipa sicher. „Wir schaffen es zu selten, einen effektiven Punch zu setzen. Außerdem ist die Kreisliga in diesem Jahr auch so stark besetzt, dass es für uns nicht ganz nach oben reicht.“ Wann es wieder weitergeht, ist noch unklar. Möglicherweise kann auch Hillmann selbst das Sturmproblem lösen, schließlich hat ihn sein Trainer dort in dieser Saison bereits spielen lassen. Die Zuschauer am Lauenhäger Sportplatz würde es freuen, wenn sie wieder was zum Anstoßen hätten.