15. Januar 2021 / 12:12 Uhr

"Projekt Zukunft" im Nachwuchs-Fußball: DFB sollte "kein System von oben herab diktieren" 

"Projekt Zukunft" im Nachwuchs-Fußball: DFB sollte "kein System von oben herab diktieren" 

Max Hempel
Leipziger Volkszeitung
Der DFB nimmt die Nachwuchsleistungszentren in den Fokus. In Sachsen betreiben unter anderem RB Leipzig und Dynamo Dresden entsprechende Akademien.
Der DFB nimmt die Nachwuchsleistungszentren in den Fokus. In Sachsen betreiben unter anderem RB Leipzig und Dynamo Dresden entsprechende Akademien. © dpa / LVZ-Archiv
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Von der Kreisklasse bis zu den Junioren-Bundesligen: Der Spielbetrieb im deutschen Fußball-Nachwuchs ist straff organisiert. Genau diese Organisation will der DFB ändern und nennt es das "Projekt Zukunft". Gerechter machen wird dieser Plan den Fußball hierzulande nicht, meint SPORTBUZZER-Reporter Max Hempel. Erfolgreicher hingegen vielleicht schon.

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Es mag hart klingen, aber mit „Projekt Zukunft“ liegt der DFB vermutlich auf dem richtigen Weg. Es ist notwendig, dass in der DFB-Zentrale die Talentförderung grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt wird.

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Wer nun behauptet, dass „Projekt Zukunft“ die Kluft zwischen Kleinen und Großen vergrößert, der hat keinen Sinn für die Realität. In Wirklichkeit liegt zwischen ihnen schon seit Jahrzehnten ein riesiger Graben. Die Bundesligen sind schon lange ein elitärer Club für eine erlesene Zahl an Vereinen geworden. Wer heute oben mitspielen will, der braucht vor allem eines: einen großen Haufen Geld.

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Der Profifußball hat schon lange nichts mehr mit der Basis zu tun. Der Fußballkonsument giert nach Höchstleistungen. Mit „Projekt Zukunft“ soll dieser Hunger auch in den kommenden Jahren gestillt werden. Das Hochglanzprodukt Fußball muss am Leben gehalten werden. So einfach ist das.

Aber: Landesverbände und Amateurvereine müssen bei dieser Gleichung nicht unbedingt in die Röhre schauen. Im Gegenteil, ohne sie kann auch der Profifußball nicht überleben. Kinder machen ihre ersten Schritte in den kleinen Amateurvereinen vor der eigenen Haustür. Dann kommen die Landesverbände ins Spiel. Sie haben die Expertise mit Auswahltrainern und sind in den Regionen gut vernetzt. Ohne diese Arbeit würde so mancher talentierte Kicker erst gar nicht den Schritt zu den Profis schaffen.


Der DFB tut also gut daran, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und vor allem nicht ein System von oben herab zu diktieren. Nichts wäre fataler für einen Verband, der seit Jahren immer wieder um seine Glaubwürdigkeit vor allem gegenüber der Basis kämpfen musste. Den deutschen Fußball wird „Projekt Zukunft“ nicht gerechter machen – zurück an die Spitze bringen vielleicht schon.