15. Januar 2021 / 12:12 Uhr

„Projekt Zukunft“: Sachsens Proficlubs zufrieden mit DFB-Plänen

„Projekt Zukunft“: Sachsens Proficlubs zufrieden mit DFB-Plänen

Max Hempel
Leipziger Volkszeitung
In dem Junioren-Bundesligen der U19 und U17 begegnen sich zum Beispiel RB Leipzig und Dynamo Dresden regelmäßig.
In dem Junioren-Bundesligen der U19 und U17 begegnen sich zum Beispiel RB Leipzig und Dynamo Dresden regelmäßig. © Christian Modla
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Mit seinem „Projekt Zukunft“ plant der DFB grundlegende Änderungen in der Jugendarbeit und Talentförderung. Auf Sportbuzzer-Anfrage äußerten sich die sächsischen Proficlubs positiv gegenüber dem DFB-Konzept. In einer Detailfrage unterscheiden sich die Positionen der Vereine aber noch.

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Leipzig. In den vergangenen Wochen durften bei so manchem Fußballfunktionär in Sachsen die Alarmglocken geläutet haben. Es geht schließlich um nicht weniger als eine kleine Revolution im deutschen Nachwuchsfußball. Mit dem „Projekt Zukunft“ will der Deutsche Fußballbund (DFB) seine Talentförderung radikal umkrempeln und dabei unter anderem die Junioren-Bundesligen abschaffen und in Zukunft die Nachwuchsleistungszentren der Proficlubs in geschlossenen Wettbewerben gegeneinander antreten lassen. Was für die Bundesligisten und den DFB Zukunft bedeutet, klingt in den Ohren vieler Amateurvereine wie ein weiterer Schritt in eine fußballerische Zweiklassengesellschaft. Der Sächsische Fußballverband befürchtete schon das Ende seiner Nachwuchsarbeit mit regionalen Talenten – der SPORTBUZZER berichtete.

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England oder Frankreich "seit Jahren enteilt"

Carsten Müller nimmt sich deshalb dieser Tage besonders viel Zeit, wenn es darum geht, über die Zukunft des deutschen Fußballs zu sprechen. Müller ist Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) des Zweitligisten Erzgebirge Aue. Gemeinsam mit Trainerkollegen entwickelt er in der Kommission „Leistungszentren“ der Deutschen Fußballliga (DFL) eine Vision für die Talentförderung im Deutschen Fußball. Das „Projekt Zukunft“ hat auch Müller gelesen – und er findet es gut.

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„Wenn wir nach England oder Frankreich schauen, müssen wir uns eingestehen, dass diese Länder dem deutschen Fußball in Sachen Anzahl und Qualität junger Toptalente seit Jahren enteilt sind“, sagt Müller. Dieses Problem schlage sich dabei nicht nur in den Nationalmannschaften nieder, sondern auch in der Bundesliga. Immer weniger in Deutschland ausgebildete Spieler stehen mittlerweile in den höchsten Profiligen auf dem Rasen.

Die Junioren-Bundesligen abzuschaffen ist in Müllers Augen ein richtiger Schritt, aber nicht der Einzige. „ Das ‚Projekt Zukunft‘ ist über hundert Seiten lang und beinhaltet viel mehr Aspekte als nur den Ligabetrieb. Es geht generell darum die Ausbildung von Spielern wie Trainern grundlegend zu verbessern.“ Man wolle weder Verbänden Kompetenzen entreißen noch kleineren Vereinen Talente abzuschöpfen. „Wir möchten nicht in eine weitere Konkurrenzsituation mit den Vereinen ohne NLZ treten. Unser gemeinsamer Konkurrent ist unter anderem die Playstation in vielen Kinderzimmern.“ Oberstes Ziel im deutschen Fußball müsse es daher sein, schon früh die Qualität der Ausbildung in den Vereinen auf allen Ebenen zu verbessern und sportbegeisterte Kinder zu fördern.


Zustimmung von Dynamo Dresden

In Sachsen sind Müller und der FC Erzgebirge damit nicht allein. Nach SPORTBUZZER-Informationen stehen alle vier sächsischen Topclubs mit NLZ (RB Leipzig, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, Chemnitzer FC) dem „Projekt Zukunft“ wohlwollend oder zumindest offen gegenüber. Jedoch gibt es auch hier Vorbehalte gegenüber einem Spielbetrieb ganz ohne Ligasystem.

„Wir sehen keine zwingende Notwendigkeit die Junioren-Bundesligen abzuschaffen. Die Junioren-Bundesliga der U19 hat sich als Premium-Produkt des Deutschen Nachwuchsfußballs fest etabliert“, heißt es etwa vom aktuellen Regionalligisten Chemnitzer FC. Außerdem sei die U19-Bundesliga eine qualitativ hochwertige Ausbildungsplattform im Juniorenalter als Vorstufe in den Profibereich. In den unteren Altersbereichen befürworten die Himmelblauen jedoch die Strukturänderungen des DFB.

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Die U19 von RB Leipzig gewinnt bei der A-Jugend von Dynamo Dresden deutlich mit 5:1. Zur Galerie
Die U19 von RB Leipzig gewinnt bei der A-Jugend von Dynamo Dresden deutlich mit 5:1. © Steffen Manig

Für grundsätzlich „sehr gut“ hält Ralf Becker, Sport-Geschäftsführer vom Drittligisten Dynamo Dresden, den Vorschlag. Es seien viele Dinge aufgegriffen worden, für die man versucht, eine Lösung zu finden. „Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen die Power haben, das im Großen und Ganzen durchzubringen und sich gegen den einen oder anderen Kritiker, der gegen Neuerungen ist, durchzusetzen.“ Einzig RB Leipzig wollte sich nicht direkt zu den Plänen des DFB äußern, antwortete aber auf eine SPORTBUZZER-Anfrage, dass ein Umdenken nach den letzten Misserfolgen ganz normal und auch positiv sei. „Wir sind uns sicher, dass im Dialog mit allen Beteiligten, die richtigen Entscheidungen für eine erfolgreiche Zukunft des Nachwuchsfußballs getroffen werden.“

Für Carsten Müller von Erzgebirge Aue ist es nun wichtig, dass der DFB die Vereine und Verbände mit ins Boot holt. Über einzelne Aspekte und Nuancen könne natürlich noch diskutiert werden. „Ich glaube es tut gut, dem Projekt eine Chance zu geben.“