29. März 2021 / 16:30 Uhr

Berater Mino Raiola: Druck auf Spieler nach Protest-Aktionen ist "seltsam"

Berater Mino Raiola: Druck auf Spieler nach Protest-Aktionen ist "seltsam"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Plädiert für weniger Druck auf die Spieler: Berater Mino Raiola.
Plädiert für weniger Druck auf die Spieler: Berater Mino Raiola. © IMAGO/ActionPictures/Independent Phot Agency INt./Bildbyran/Twitter (Montage)
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Die Protest-Aktionen gegen die Arbeitsbedingungen im WM-Gastgeberland Katar machen während der laufenden Qualifikation die Runde. Schon mehrere Nationalteams – unter anderem die DFB-Auswahl – setzten ein Zeichen. Spielerberater Mino Raiola sieht die politischen Aktionen der Akteure im Rahmen der Nationalmannschaft kritisch.

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Mit der erneuten Protest-Aktion des DFB-Teams machten die deutschen Nationalspieler beim Spiel gegen Rumänien (1:0) am Sonntag einmal mehr auf die Arbeitsbedingungen im WM-Gastgeberland Katar aufmerksam – bei der WM-Qualifikation für die Endrunde 2022 längst kein Einzelfall mehr: Auch die Teams von Norwegen, Dänemark und die Niederlande hatten die Länderspiele zu Protest-Aktionen genutzt. Der Weltverband FIFA verzichtete bislang auf Sanktionen gegen die Teams, obwohl politische Statements bei Spielen eigentlich untersagt sind. Spielerberater Mino Raiola, der unter anderem Stars wie Erling Haaland, Matthijs de Ligt und Paul Pogba betreut, sieht die politischen Aktionen der Akteure im Rahmen der Nationalmannschaft kritisch.

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"Ich finde es seltsam, dass wir Druck auf die Spieler ausüben und zulassen, dass das politische Spiel von den Spielern gespielt wird", sagte Raiola in der niederländischen TV-Sendung Studio Voetbal. Alternativ hätte der 53-Jährige sich einen anderen Weg gewünscht, den eigenen Standpunkt zu vertreten. "Es hätte mir viel besser gefallen, wenn die Spieler alleine oder persönlich eine Aktion gestartet hätten, anstatt über eine Nationalmannschaft eine Erklärung abgeben zu müssen", erklärte Raiola weiter.

Dabei sehe er aber weniger die Spieler selbst, als vielmehr die Verantwortlichen der WM-Vergabe in der Pflicht. "Die Spieler haben nicht entschieden, wo wir Fußball spielen", erklärte der Agent und forderte: "Wenn Sie die Spieler dafür einsetzen möchten, muss ihnen auch ein Mitspracherecht eingeräumt werden, wo sie Fußball spielen möchten."

DFB-Auswahl bereits mit der zweiten Aktion

Das deutsche Team ist nun wiederholt mit einer Protest-Aktion aufgefallen. Schon beim Spiel gegen Island (3:0) hatte sich das Team am Donnerstag mit der Aufschrift "Human Rights" gezeigt. Gegen Rumänien präsentierte sich die Mannschaft beim Gruppenfoto wie die Ersatzspieler auf der Tribüne in umgedrehten Trikots mit den Rückennummern nach vorne. Durch die Präsentation der Zahlen wollten die Spieler auf die 30 Artikel in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen hinweisen. "Wir für 30!", hieß es auf dem Twitter-Account der Nationalmannschaft.

Die Fußball-WM 2022 war 2010 an Katar vergeben worden. Das Land steht international immer wieder wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik. Nach Recherchen des „Guardian“ sind in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6500 Arbeiter aus fünf asiatischen Ländern in dem reichen Emirat gestorben. Katars Regierung erklärte, dass sie in den vergangenen Jahren mit Reformen die Lage der Arbeiter deutlich verbessert habe.