25. April 2018 / 11:22 Uhr

Prozess um BVB-Anschlag: Schlafstörungen bei Bürki, Sokratis dachte an Schüsse, Tränen bei Guerreiro

Prozess um BVB-Anschlag: Schlafstörungen bei Bürki, Sokratis dachte an Schüsse, Tränen bei Guerreiro

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der BVB-Profi Raphael Guerreiro verlässt den Gerichtssaal des Landgerichts. Roman Bürki muss auch als Zeuge aussagen.
Der BVB-Profi Raphael Guerreiro verlässt den Gerichtssaal des Landgerichts. Roman Bürki muss auch als Zeuge aussagen. © dpa/Montage
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Mit den Zeugenaussagen weiterer Fußballspieler von Borussia Dortmund wurde am Mittwoch der Prozess um den Bombenanschlag auf die Mannschaft des BVB fortgesetzt werden. Das Dortmunder Landgericht hat Torwart Roman Bürki, Sokratis, Raphael Guerreiro, Shinji Kagawa, Nuri Sahin, Lukasz Piszczek, Christian Pulisic und Julian Weigl geladen. 

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Auch Roman Bürki, Sokratis, Raphael Guerreiro, Shinji Kagawa, Nuri Sahin, Lukasz Piszczek, Christian Pulisic und Julian Weigl hatten im Mannschaftsbus gesessen, als am 11. April 2017 unmittelbar nach der Abfahrt am Teamhotel zum Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco drei Sprengsätze explodierten. Dabei wurden der damals noch für Dortmund spielende Marc Bartra und ein Polizist verletzt. Der Angeklagte Sergej W. hat gestanden, die Bomben gezündet zu haben.

Torwart Roman Bürki sagte im Dortmunder Landgericht: „Wir haben einen lauten Knall gehört, am Anfang habe ich gedacht, ein Reifen wäre geplatzt.“ Nach dem Attentat vom 11. April 2017 sei er enorm schreckhaft gewesen und habe unter Schlafstörungen gelitten. Teilweise sei er bis heute beeinträchtigt, sagte der 27-Jährige.

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Abwehrspieler Sokratis Papastathopoulos berichtete: „Ich hatte Angst. Ich habe gedacht, jemand schießt auf uns.“ Er denke heute noch sehr oft an das Attentat auf seine Mannschaft Borussia Dortmund. „Ich werde das mit Sicherheit niemals vergessen, aber ich habe für mich beschlossen, dass das Leben weitergeht. Der Verein habe ihm und der übrigen Mannschaft nach dem Vorfall psychologische Hilfe angeboten. Diese habe er aber nicht in Anspruch genommen.“

Mit Tränen in den Augen sagte Raphael Guerreiro als Zeuge aus. „Es ist für mich sehr schwierig, darüber zu sprechen“, sagte der Abwehrspieler und wischte sich mit der Hand über die Augen. Das Angebot, die Befragung für eine kurze Zeit zu unterbrechen, um sich zu sammeln, lehnte Guerreiro aber ab. Im Moment der Bombenexplosionen am 11. April 2017 habe er große Angst verspürt, sagte er weiter. Niemand habe gewusst, was noch passieren würde. Die ganze Mannschaft sei sehr schockiert gewesen.

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Der Dortmunder Bus nach dem Anschlag. Am hinteren Teil sind die Verbeulungen durch die Detonation zu erkennen. Zur Galerie
Der Dortmunder Bus nach dem Anschlag. Am hinteren Teil sind die Verbeulungen durch die Detonation zu erkennen. ©
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Guerreiro weinte wie auch Matthias Ginter vor eine Woche im Landgericht. Der aktuelle Spieler von Borussia Mönchengladbach erinnert sich: „Es gab einen lauten Knall. Da war Nebel und ein komischer Geruch.“. Noch unmittelbar vor der Abfahrt des Mannschaftsbusses zum Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco habe er sich mit seinem damaligen Verteidiger-Kollegen Bartra unterhalten. Nun musste er mit ansehen und anhören, wie Bartra im Bus vor Schmerzen schrie und sich den heftig blutenden Arm hielt. „Keiner wusste, was genau passiert war“, so Ginter.

Shinji Kagawa hat nach eigener Aussage unter Schlafstörungen und Angstzuständen gelitten. „In den zwei Wochen danach war es sehr schwer“, sagte der 29-Jährige am Mittwoch als Zeuge vor dem Landgericht Dortmund aus. Vor allem im Auto und in seiner Wohnung habe er oft große Angst gehabt. Heute belaste ihn das Geschehen aber nicht mehr.

Nuri Sahin hat nach eigenen Angaben mit den Erlebnissen beim Bombenanschlag auf die Mannschaft abgeschlossen. „Ich habe für mich einen Weg gefunden, damit umzugehen“, sagte der 29-Jährige. Sahin räumte aber ein: „Das ist natürlich etwas, das ich nie mehr vergessen werde. Viele Dinge in meinem Leben haben sich heute relativiert, weil es ja auch ganz anders hätte ausgehen können.“ Psychologische Hilfe hat der Fußballer nicht in Anspruch genommen. Der Verein habe der Mannschaft diese jedoch angeboten.

Mit „unglaublicher Angst“ hat Julian Weigl den Bombenanschlag vor gut einem Jahr erlebt. „Ich habe mich zuerst nicht getraut, aus dem Bus auszusteigen“, sagte der 22-Jährige aus. Auch heute fahre er nur ungern am Ort des Geschehens vorbei, räumte der Fußballer ein. Insgesamt gesehen habe er die Erlebnisse jedoch verarbeitet und könne zum Glück sagen: „Es geht mir gut.“

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