15. August 2021 / 10:22 Uhr

PSV Neumünster mit Bauchlandung im Landespokal

PSV Neumünster mit Bauchlandung im Landespokal

Jan-Phillip Wottge
Kieler Nachrichten
Flensburgs Sönke Meyer (vorne) wälzt sich am Boden. Schiedsrichter Marcel Colmorgen (Mitte) trennt die Streithähne Timo Barendt (links) und Timo Carstensen (rechts).
Flensburgs Sönke Meyer (vorne) wälzt sich am Boden. Schiedsrichter Marcel Colmorgen (Mitte) trennt die Streithähne Timo Barendt (links) und Timo Carstensen (rechts). © Jan-Phillip Wottge
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Der Traum vom DFB-Pokal platzte für den PSV Neumünster bereits im Achtelfinale des SHFV Lotto-Pokals. Gegen TSB Flensburg kassierten die Schwalestädter eine 0:5-Packung. Zudem zog sich Keeper Philipp Reinhold einen Muskelfaserriss zu und fällt vermutlich zum Ligastart am nächsten Wochenende aus.

Platzverweis, der Kapitän verletzt und ein blamables Pokal-Aus: Der PSV Neumünster erwischte im SHVF Lotto-Pokal beim 0:5-Debakel gegen den TSB Flensburg rabenschwarze 90 Minuten. Die Flensburger treffen im Viertelfinale nun auf den Landesligisten FC Kilia Kiel.

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„Wenn man versucht, mit wenig Aufwand Fußball zu spielen, passiert so etwas. Die Art und Weise hat mir nicht gefallen. Gut, dass mir das meine Mannschaft eine Woche vor dem Ligastart nochmal so gezeigt hat“, würzte PSV-Coach Sven Boy seine Spielanalyse mit Ironie und Galgenhumor.

Der Kapitän geht von Bord: Gestützt auf Jannik Braun (links) und Marvin Mohr (rechts) verlässt PSV-Kapitän Philipp Reinhold mit einer Oberschenkelverletzung den Platz.
Der Kapitän geht von Bord: Gestützt auf Jannik Braun (links) und Marvin Mohr (rechts) verlässt PSV-Kapitän Philipp Reinhold mit einer Oberschenkelverletzung den Platz. © Jan-Phillip Wottge

Zwischen den zwei Oberligisten lagen an diesem Nachmittag Welten. Lediglich fünf Minuten deuteten die Polizisten an, dass man sich eigentlich mit den Nordlichtern auf Augenhöhe bewegen möchte: Nach feiner Barendt-Flanke schloss Marc Barck per Direktabnahme ab, doch TSB-Keeper Ole Rathmann parierte mit dem Fuß (2.) – es war das frühe Ende der PSV-Herrlichkeit.

Flensburg eroberte die Spielkontrolle, der PSV hingegen stand höflich Spalier und half nach Kräften mit, dass die Gäste ihre optische Überlegenheit zeitnah in Zählbares ummünzen durften. Als die Polizisten nach einem abgewehrten Freistoß ihre rechte Abwehrseite derart entblößten, dass TSB-Kapitän Sönke Meyer ungestört aus acht Metern das 1:0 (13.) markieren konnte. Fortan hatten die Gäste leichtes Spiel – Holtze (15.), Vosgerau (17.) und Can (19.) vergaben die Chancen im Zwei-Minutentakt!

Kampfgeist? Fehlanzeige! Aus einer optischen Überlegenheit der Flensburger wurde eine numerische, weil Marcel Vones den Flensburger Hendrik Fleige nur mit einer Notbremse stoppen konnte (23.). Rot! Und es hätte noch dicker für die Gastgeber kommen können, wenn Schiedsrichter Marcel Colmorgen das rüde Foulspiel von Til Küfner an Meyer (30.) ebenfalls mit einem Platzverweis geahndet hätte. „Irgendwo war wohl noch der Ball in der Nähe“, kommentierte Boy lakonisch die Milde des Referees.

Geschenke verschmähten die Polizisten auch weiterhin. Timo Carstensen scheiterte mit einem Strafstoß an PSV-Torwart Philipp Reinhold, den Abpraller konnte er jedoch seelenruhig zum 2:0 über die Torlinie drücken. „Mit dem 2:0 war das Ding gelaufen“, bekannte TSB-Coach Hoymar Sörensen und ergänzte: „Danach kam keine Gegenwehr mehr.“


Der ehemalige Altenholzer Mats Möller erhöhte per Flugkopfball auf 3:0 (58.). Kurz darauf verletzte sich Kapitän Philipp Reinhold ohne gegnerische Einwirkung bei einem Rettungsversuch außerhalb des Strafraums am Oberschenkel. „Langsam macht mir mein Alter zu schaffen“, machte sich auch der 34-jährige Reinhold nach der Diagnose Muskelfaserriss den Boy´schen Galgenhumor zu eigen. Rotsünder Vones ergänzte: „Das war nicht unser Tag.“

Fürwahr nicht! Die Gäste leisteten sich den Luxus, einen zweiten Strafstoß zu verschießen – Can scheiterte am eingewechselten Nico Heuer (69.), ehe sie in den Schlussminuten durch Nicholas Holtze (90.) und Anas Ali Khan (90.+3) das Ergebnis entsprechend den Kräfteverhältnissen auf 5:0 schraubten. „Es fehlte heute an allem: Wille, Aufbäumen, Charakter. Das habe ich meinen Spielern in kurzen Sätzen nach dem Spiel mitgeteilt und ihnen dann einen schönen Mannschaftsabend gewünscht“, sagte Boy und lachte süffisant in sich hinein.