01. Juli 2016 / 11:54 Uhr

Pyrotechnik beim Aufstiegsspiel: SFV schließt Chemie Leipzig vom Landespokal aus

Pyrotechnik beim Aufstiegsspiel: SFV schließt Chemie Leipzig vom Landespokal aus

Matthias Puppe
SPORTBUZZER-Nutzer
Die Leutzscher feierten am 18. Juni ihren Aufstieg in die Fußball-Oberliga. USER-BEITRAG
Die Leutzscher feierten am 18. Juni ihren Aufstieg in die Fußball-Oberliga. © Christian Modla
Anzeige

Der Sächsische Fußball-Verband (SFV) schließt Oberliga-Aufsteiger Chemie Leipzig in der kommenden Saison vom Landespokal aus.

Leipzig. Das Sportgericht des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) hat Chemie Leipzig mit einer außergewöhnlich drakonischen Strafe belegt. Weil Leutzscher Fans vor Beginn und nach dem entscheidenden Tor des Aufstiegsspiels Mitte Juni im Alfred-Kunze-Sportpark Pyrotechnik gezündet haben, wird der Verein in der kommenden Saison vom Landespokal komplett ausgeschlossen. Zudem muss Chemie 4.500 Strafe zahlen, so das Urteil der Verbandsjuristen. Chemie kündigte an, gegen die Bestrafung in Berufung gehen zu wollen.

Anzeige

Wie SFV-Vizepräsident Stephan Oberholz gegenüber LVZ.de erklärte, sei das harte Urteil aufgrund „der Intensität der Pyrotechnik beim letzten Saisonspiel gegen Glauchau und angesichts der erheblichen Vorbelastung der BSG Chemie“ gefällt worden. Im Urteil der Richter sind Fackeln vor Beginn des Spiels – die Teil einer aufwändigen Choreografie waren – sowie mehrere Knaller und Fackeln nach der 69. Minute aufgeführt. In dieser Minute hatte Nicoals Ludwig den bangenden Leutzscher Anhang mit seinem Tor zum 1:0 erlöst, das den Aufstieg der Leutzscher bedeutete.

SFV: "Ausnahmsweise wettbewerbsübergreifende Bestrafung"


Für diesen Ausbruch der Euphorie zeigen die SFV-Richter allerdings kein Verständnis: Sie werten das Abbrennen von Pyrotechnik grundsätzlich als grob unsportliches Verhalten und Verstoß gegen die Stadionordnung. Zumal es nicht die ersten Pyro-Fackeln in der Leutzscher Geschichte waren. Im Detail heißt es dazu in der Urteils-Begründung: „Da sich der Verein trotz erheblicher Vorahndungen nicht zur Besserung hat gereichen lassen, war nach weiterer Abwägung der für und wider sprechenden Argumente neben der Geldstrafe auch der Pokalausschluß zu beschließen. Insbesondere war hierbei zu berücksichtigen, dass ausnahmsweise eine wettbewerbsübergreifende Bestrafung vorzunehmen war.“

Neben der Berücksichtigung vergangener Fälle spielt bei der Urteilsvergabe offenbar aber auch die Zukunft der BSG Chemie Leipzig schon eine Rolle. Denn wie es weiter im Urteil heißt: „Bereits aufgrund der mangelnden Besserung ist zu befürchten, dass der Verein auch zukünftig wettbewerbsübergreifend auffällig werden wird. Das Fehlverhalten dokumentiert, dass eigene Interessen rücksichtslos über die anderer gestellt werden. Ohne erkennbares Unrechtsbewusstsein wurden pyrotechnische Erzeugnisse insbesondere mit fortlaufender Dauer des Spiels immer intensiver gezündet, wohl um den nahenden Aufstieg zu feiern.

BSG-Sprecher Skoruppa: Strafmaß ist zu hoch

Laut SFV-Vize hat Chemie nun sieben Tage Zeit, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Und davon werden die empörten Leutzscher auch Gebrauch machen. „Wir werden noch heute unsere Berufung abschicken. Danach haben wir bis zum 13. Juli Zeit, die Begründung auszuformulieren. Und die werden wir uns sehr genau überlegen“, sagte Chemie-Sprecher Dirk Skoruppa am Freitag. Der Verein wolle dabei nicht die Vorfälle als solches in Abrede stellen, aber das Strafmaß. „Eigentlich beträgt die Obergrenze für solche Vergehen 3000 Euro“, sagte Skoruppa, der sich auch daran erinnert, dass viele Augenzeugen im Stadion gerade den umsichtigen Umgang mit der Pyrotechnik lobten. Zumal der Tag des Aufstiegs auch kein normaler Tag in Leutzsch war: „Wir werden das Gericht um Milde ansuchen – angesichts der für uns und alle Chemie-Fans so wichtigen Situation“, so Skoruppa weiter.

Bis zum letzten Spieltag war der Oberliga-Aufstieg der Leutzscher noch nicht in trockenen Tüchern. Erst durch das Tor von Nicolas Ludwig vor 3622 Zuschauern knapp 20 Minuten vor dem Abpfiff konnte der sportliche Erfolg gesichert werden.