25. Juni 2022 / 19:21 Uhr

"Eigenen Havertz entwickeln": Der schwierige Spagat von RB Leipzig bei der Förderung von Talenten

"Eigenen Havertz entwickeln": Der schwierige Spagat von RB Leipzig bei der Förderung von Talenten

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Leipzig-Talente Martel (links) und Krauß (rechts) wollen den Durchbruch anderswo schaffen, Sturm-Talent Hugo Novoa (Mitte) soll durch regelmäßige Einsätze weiterhin gefördert werden.
Die Leipzig-Talente Martel (links) und Krauß (rechts) wollen den Durchbruch anderswo schaffen, Sturm-Talent Hugo Novoa (Mitte) soll durch regelmäßige Einsätze weiterhin gefördert werden. © IMAGO/motivio, Christian Schroedter (Montage)
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RB Leipzig steht dafür, junge Talente weiterentwickeln zu können. Meist kommen diese allerdings aus dem Ausland. Spieler aus dem eigenen Nachwuchs schafften den ganz großen Durchbruch beim Bundesligisten bisher noch nicht. Dies wolle man laut dem kaufmännischen Leiter Florian Scholz künftig ändern und besonders Spieler aus der eigenen Jugend fördern.

Am Leipziger Cottaweg wird das neue Supertalent gesucht. Dayot Upamecano schaffte es im Januar 2017 mit 18 Jahren prompt zum Stammspieler beim Bundesligisten RB Leipzig, Ibrahima Konaté eine Saison später ebenfalls mit 18. Beide Verteidiger standen sinnbildlich für die hohe Bereitschaft der Sachsen, in ihrer Profi-Mannschaft auf junge Spieler zu setzen, so wie aktuell auf den Kroaten Joško Gvardiol (20 Jahre) und den Spanier Hugo Novoa (19).

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Schwer hingegen tun sich immer wieder die Talente aus der Region. Der selbst ernannte "Stolz des Ostens" hat sie. Auch die Topbedingungen mit sechs Plätzen auf sechs Hektar inklusive moderner Akademie als Talentschmiede. Man habe es geschafft, "in kürzester Zeit hoffnungsvolle Talente in den Profifußball zu bringen", sagt Sebastian Kegel, Leiter des RB-Nachwuchsbereichs. Doch nicht ins eigene Team.

Die deutschen Talente wie der Leipziger Tom Krauß scheitern oft am ganz großen Durchbruch. Fehlt es an der Mentalität oder am Biss? Oder haben ausländische Talente, wenn sie frühzeitig ihr Elternhaus verlassen müssen, mehr Selbstverantwortung? Christopher Vivell, technischer Direktor bei RB, sagt der Deutschen Presse-Agentur: "Am Ende geht es einzig und allein um Qualität. Junge Spieler, die bei uns zum Stamm gehören, wie zum Beispiel Gvardiol oder Szoboszlai, davor Upamecano oder Konaté, gehören zur absoluten europäischen Elite in ihrer Altersklasse auf ihrer Position."

Einheimische Talente gehen lieber Umwege

Klar versuche die Scoutabteilung "deutsche Spieler mit diesen Fähigkeiten zu finden und am liebsten direkt aus Leipzig oder der Region", sagt Vivell, doch der Maßstab ist die Königsklasse: "Diesen Anspruch haben wir nicht exklusiv, das geht allen deutschen Spitzenklubs so."

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So gehen die einheimischen Talente erst mal Umwege über Liga zwei wie Krauß in Nürnberg. Nun hat er die Chance beim FC Schalke im Oberhaus. Der gebürtige Torgauer Frederik Jäkel holte sich Spielpraxis beim KV Oostende, ehe er an Arminia Bielefeld ausgeliehen wurde. Eric Martel – zuletzt in Wien – unterschrieb am Freitag beim 1. FC Köln. Alle spielten sich in die U21-Nationalmannschaft.

So wie der gebürtige Freiberger Sidney Raebiger. Er war die große Hoffnung der sächsischen RB-Fans. Immerhin war der 17-Jährige seit 2015 in der Nachwuchsakademie. Mit seinem Pflichtspieldebüt im Pokal gegen den SV Sandhausen im August 2021 sorgte er für einen Rekord in der RBL-Historie. Coach Domenico Tedesco lobte ihn in höchsten Tönen – nun geht er zur SpVgg Greuther Fürth.

"Sie haben alle eingesehen, dass es für ihre Entwicklung keinen Sinn macht, wenn sie sehr wenig spielen. Raebiger hätte – stand heute – zum Beispiel sechs Spieler vor sich auf seiner Position gehabt. So ehrlich muss man dann sein", sagte Vivell, der die Perspektivgespräche mit Spielern, Eltern und Beratern begleitet.

"Den eigenen Havertz am Cottaweg entwickeln"

Das musste selbst der im Vorjahr hoch eingeschätzte Ilaix Moriba (19) einsehen. Das Mittelfeldtalent vom FC Barcelona konnte sich erst bei RB, dann auch bei der Leihstation FC Valencia (neun Startelfeinsätze) noch nicht wie erhofft durchsetzen.

Ein RB-Talent hat es aus der eigenen U17 und U19 geschafft. "Hugo Novoa kam auf zehn Einsätze in einem Champions-League-Team, das ist in seinem Alter keine Selbstverständlichkeit", sagt Kegel über den Spanier. "Alle Mitarbeiter arbeiten jeden Tag mit voller Leidenschaft daran, den eigenen Havertz am Cottaweg zu entwickeln", so Kegel, der ein bekanntes Beispiel benennt: "Das Erreichen des Niveaus auf Champions-League-Niveau ist in dem Alterssegment superselten. Spieler wie Kai Havertz, der schon mit 17 dieses Niveau erreichte, gibt es halt nur alle paar Jahre."

Neben ihrer Leistungsentwicklung generieren sie auch einen gewissen Mehrwert, schaffen Marktwerte. Allein Martel soll dem Vernehmen nach 1,2 Millionen Euro Ablöse einspielen. "Natürlich profitieren wir auch wirtschaftlich und gegebenenfalls in Zukunft noch sportlich", sagt der kaufmännische Leiter Sport, Florian Scholz, der dpa. Vorbei, dass die Talente wie einst ohne Gegenleistung vom Hof gehen. "Oberstes Ziel bleibt dabei natürlich, dass die Spieler – wie zum Beispiel Hugo Novoa – aus dem Nachwuchs sich so entwickeln, dass sie regelmäßig Einsätze in unserer Profimannschaft bekommen", sagte Scholz.

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