09. April 2021 / 13:18 Uhr

Quarantäne vorbei: Jetzt schuftet Judo-Ass Scoccimarro auf La Palma für Olympia

Quarantäne vorbei: Jetzt schuftet Judo-Ass Scoccimarro auf La Palma für Olympia

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Olympia fest im Blick: Giovanna Scoccimarro, Top-Judoka des MTV Vorsfelde.
Olympia fest im Blick: Giovanna Scoccimarro, Top-Judoka des MTV Vorsfelde. © Marina Mayorova/IJF
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Vor dem großen Traum stehen weiter viele Fragezeichen. Doch an denen kann Giovanna Scoccimarro nichts machen. Wolfsburgs Judo-Ass vom MTV Vorsfelde bleibt fokussiert auf die Olympischen Spiele in Tokio. Bis zum 20. April bereitet sie sich in einem Trainingslager mit dem deutschen Judo-Bund auf La Palma weiter darauf vor.

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Die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele geht auch für Top-Judoka Giovanna Scoccimarro vom MTV Vorsfelde in die entscheidende Phase. Seit Dienstag ist sie auf La Palma. Die deutschen Judo-Asse arbeiten vor allem an Kondition und Ausdauer. Im Hinterkopf sind immer die Olympischen Spiele in Tokio. Doch ob die überhaupt stattfinden werden? Zuletzt war es für Scoccimarro und Co. eine On-Off-Vorbereitung.

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Dieses Trainingslager hätte früher sein sollen, wegen Corona wurde es verschoben. Jüngst sollten die Asse beim Grand Slam in Tiflis und anschließend in der Türkei bei Turnieren starten, Corona verhinderte das. Es gab einen positiven Fall in ihrer Reisegruppe, es ging noch vor dem Turnier-Start in Tiflis heim, Scoccimarro war negativ, begab sich vorsichtshalber aber dennoch in Quarantäne im Haus ihrer Eltern in Lessien. Quasi direkt von dort ging es nach La Palma.

Vieles bleibt vage

"Das macht schon Spaß, direkt aus dem grausigen Wetter in Deutschland hierherzukommen an einen sonnigen Ort", sagt Scoccimarro. Ein Lichtblick in Zeiten, in denen so viel ungewiss ist. Zumal für sie in ihrer Gewichtsklasse bis 70 Kilo obendrein gilt: Sie muss, wenn es zu den nächsten Wettkämpfen kommt, auch liefern. Denn in ihrer Gewichtsklasse gibt es mit Miriam Butkereit eine starke Rivalin. In der Weltrangliste liegt Scoccimarro vorn, sie wäre 2020 für Olympia gesetzt gewesen. Sie ist immer noch die Nummer 1 ihrer Klasse für die auf dieses Jahr verschobenen Spiele. Eine Vornominierung war mal für den 7. April vorgesehen, wegen der jüngst ausgefallenen Top-Turniere kam es nicht dazu.

Beim Grand Slam in Kazan (wenn er denn stattfindet) vom 5. bis zum 7. Mai sollte Scoccimarro mindestens genauso gut abschneiden wie ihre Konkurrentin. Besser wäre auch nicht schlecht. Auch die Ergebnisse der WM (wenn sie denn ausgetragen wird) vom 6. bis zum 13. Juni in Budapest könnten noch in die Entscheidungsfindung von Bundestrainer Claudiu Pusa mit einfließen, der mit dem Team auf La Palma ist. "So richtig weiß man nicht, wo man dran ist", sagt die Lessienerin. Aber vage ist vieles in diesen Pandemie-Zeiten. "Ich versuche also, das alles auszublenden und mein Bestes zu zeigen." Weitere Grundlagen dafür werden jetzt auf der nordwestlichsten Insel der Kanaren gelegt.

Los geht's um 7 Uhr morgens

Für die spanische Insel ist jetzt die beste Reisezeit, Wasser- und Luft-Temperaturen (um 20 Grad) würden Touristen Freude machen. Doch die gibt es praktisch nicht. Der Judo-Tross ist sowieso nicht zur Entspannung vor Ort - und: An den Strand können sie nicht. Jeglichem Risiko will man aus dem Wege gehen. Scoccimarro: "Wir leben in einer Blase, werden regelmäßig getestet, die Einkäufe erledigt jemand für uns."

Allerdings: Entspannung nach den harten Einheiten, die zwei Trainer, ein Physiotherapeut und ein Daten-Experte begleiten, ist für die zehn Aktiven drin. Und abends auch nötig. Nur eben nicht am Meer. Man möchte Begegnungen mit anderen möglichst aus dem Wege gehen. "Aber das Hotel ist direkt am Meer. Wir liegen am Pool", so die 23-Jährige. Denn im Hotel ist die Gruppe fast allein, dort sind die Hygiene- und Abstands-Regeln gut umsetzbar.

Der Trainingstag beginnt schon gegen 7 Uhr mit Frühsport, nach dem Frühstück gibt es einen Lauf, dann geht es mit dem Rad acht Kilometer zu einem Trainingsgelände, "die letzten zweieinhalb Kilometer schön bergauf", berichtet Scoccimarro. Spitzensport-Aktiven sollte das nichts ausmachen, Scoccimarro sowieso nicht. Denn wenn auch Judo ihre große sportliche Liebe ist, so ist doch auch laufen ihr Ding. Inzwischen hat sie auch schon mal einen Halbmarathon bestritten. "Ich mache gern Ausdauertraining", sagt sie fröhlich. Die Einheiten insgesamt haben es in sich. Am ersten Tag, so hat sie beobachtet, "habe ich allein in vier Stunden mal 3000 Kalorien verbrannt".

Judo-Training gibt es in den Tagen bis zum 20. April auf La Palma auch, aber eben nicht so intensiv. Kraft, Kondition, Ausdauer sind die Schwerpunkte. Im Hinblick auf die letzten wichtigen Wettkampf-Aufgaben, vor allem aber im Hinblick auf die Olympischen Spiele.