29. August 2019 / 11:48 Uhr

Rad am Ring: Dittmannsdorfer Rennradler quälen sich durch die Eifel

Rad am Ring: Dittmannsdorfer Rennradler quälen sich durch die Eifel

Andre Neumann
Leipziger Volkszeitung
Hardcore Racer Reloaded aus Dittmannsdorf und Braußwig bei Rad am Ring am Nürburgring von links: Marco Brenne, Guido Mann, Dirk Rohland, Gordon Mann, Dirk Hafermann, René Schirmer.
Hardcore Racer Reloaded aus Dittmannsdorf und Braußwig bei Rad am Ring am Nürburgring von links: Marco Brenne, Guido Mann, Dirk Rohland, Gordon Mann, Dirk Hafermann, René Schirmer.
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Dauerregen in der Eifel, Schmerzen an der Hohen Acht und Höchstgeschwindigkeit in der Fuchsröhre. Sechs Freunde quälen sich mit dem Rennrad über die Nordschleife des Nürburgrings.

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Eifel. Der Nürburgring gehört zu den bekanntesten und legendärsten Rennstrecken. Hier hatte der kürzlich verstorbene Niki Lauda 1976 seinen spektakulären Unfall. Weniger bekannt ist, dass neben allerlei Motorsport-Rennserien auch Hobbyradfahrer die Eifel-Arena umrunden. Seit mehr als anderthalb Jahrzehnten gibt es hier „Rad am Ring“. Bei dem 24-Stunden-Rennen haben sich in diesem Jahr nicht zum ersten Mal auch einige ambitionierte Freizeit-Rennradler über die Nordschleife gequält, die alle mehr oder weniger aus den Kitzscheraner Ortsteilen Dittmannsdorf und Braußwig stammen.

René Schirmer (44) und Dirk Rohland (45) hatten sich 2005 zum ersten Mal in das Abenteuer Nürburgring gestürzt. Seitdem waren aus dem alten und neuen Freundeskreis mal mehr, mal weniger unter den Tausenden Startern. „Immer aber wenigstens einer von uns“, sagt Schirmer. Am häufigsten Gordon Mann (44), der noch immer in Dittmannsdorf zu Hause ist und einige Male nicht mit dem Rennrad, sondern mit dem Mountainbike am Nürburgring fuhr. Vor zwei Jahren, erzählt Schirmer, besprachen die Freunde dann mal „bei einem Bier in der Sauna“, wie sie jetzt endlich wieder richtig durchstarten könnten. Und so gingen sie schon im vorigen Jahr gemeinsam an den Start und in diesem Jahr erneut. Ihr Team trägt den Namen: „Hardcore Racer Reloaded“.

DURCHKLICKEN: Das sind die Eindrücke vom „Rad am Ring“ am Nürburgring

Die Hardcore Racer Reloaded aus Dittmannsdorf und Braußwig um Marco Brenne, Guido Mann, Dirk Rohland, Gordon Mann, Dirk Hafermann und René Schirmer am legendären Nürburgring. Zur Galerie
Die Hardcore Racer Reloaded aus Dittmannsdorf und Braußwig um Marco Brenne, Guido Mann, Dirk Rohland, Gordon Mann, Dirk Hafermann und René Schirmer am legendären Nürburgring. © Andreas Michalk
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René Schirmer und Gordon Mann bildeten mit Marco Brenne (45) und Dirk Hafermann (49) ein Viererteam, Dirk Rohland und Guido Mann (45) traten als Einzelstarter an. Sechs von rund 9000 Startern, was allein schon einen Teil der Faszination dieser Veranstaltung ausmacht, wie René Schirmer erzählt.

Hardcore Racer Reloaded

Die Regeln sind so einfach wie gnadenlos: 12.45 Uhr ist Start, 24 Stunden später zählt die Zahl der gefahrenen Runden und Kilometer. Im Team wird abgewechselt, die Einzelfahrer teilen sich die Zeit selbst in Fahr- und Ruhezeiten ein. Pausen, essen, ausruhen, schlafen, das kann jeder halten wie er mag. Die Runde ist knapp 26 Kilometer lang, hat 560 Höhenmeter und einen gefürchteten, gefühlt endlos langen Anstieg mit einer Steigung bis zu schmerzhaften 17 Prozent. Ein Autorennfahrer hatte diese Passage, die „Hohe Acht“, mal als grüne Hölle bezeichnet.

Und dann ist da noch das spezielle Eifel-Wetter. Diesmal, erinnert sich Schirmer, war der Himmel von Anfang an dicht von Wolken verhangen, die ganze Rennstrecke eine einzige Suppe. Spätestens ab der 4. Runde begann es zu regnen, und es wollte nie wieder aufhören.

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Während andere Pausen machten, zeigten sich die Dittmannsdorfer zäh, sie wechselten sich tapfer ab und schickten immer wieder jemanden auf die Strecke. „Wenn du einmal nass bist, kannst du auch fahren. Es war ja nicht kalt“, sagt René Schirmer. Mit dieser sportlichen Einstellung landete das Viererteam sogar deutlich weiter vorn als sonst. Mit ihren 24 Runden – das sind sechsmal 26 Kilometer für jeden – waren sie zwar im üblichen Bereich, die Platzierung 166 von 635 war aber „so gut wie nie zuvor“ lacht Schirmer. Der Grund: Andere machten längere Regenpausen, fuhren deswegen weniger.

Und auch wenn man gelegentlich auf der nassen Piste in vernebelter Nacht nur noch das Hinterrad des Vordermanns und die Streckenbegrenzungen sah, schaffte Gordon Mann sogar einen Rekord. Auf der Abfahrt namens „Fuchsröhre“ zeigte der Fahrradcomputer knapp 100 km/h.

Sie würden es wieder tun

Die Einzelstarter mussten sich die Pausen und ihre Kräfte genau einteilen. Dirk Rohland schaffte 13 Runden und wurde 108., Guido Mann belegte mit zehn runden Platz 185 von 545 Startern. Mit Knut Mann, dem Vater von Guido und Gorden und mit Andreas Michalk hatten die Rennradler zwei Helfer, René Schirmer sagt Edelhelfer mit an der Strecke. Die kümmerten sich um die Verpflegung und sorgten auch sonst dafür, dass die sechs Hobbysportler sich voll und ganz auf die Strecke konzentrieren konnten.

Macht das alles noch Spaß? „In jeder Runde fragt man sich, wie bekloppt man eigentlich ist“, gibt René Schirmer zu. Das Gefühl vergeht aber ziemlich schnell wieder. Denn wenn es vorbei ist, das weiß jeder, der der einen oder anderen Extremsportart nachhängt, will man es wieder tun. „Das ist wie ein Virus“, erklärt René Schirmer. Deswegen ist die Entscheidung schon so gut wie gefallen: Auch 2020 werden die Hardcore Racer Reloaded ganz bestimmt wieder in der Starter-Liste auftauchen.

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