12. Januar 2022 / 12:41 Uhr

Im Gelände zu Hause: Stahnsdorferin Birgit Unterberger liebt Cross

Im Gelände zu Hause: Stahnsdorferin Birgit Unterberger liebt Cross

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Birgit Unterberger gewann das Rennen in Luckenwalde souverän.
Birgit Unterberger gewann das Rennen in Luckenwalde souverän. © OSC Potsdam
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Die frühere Top-Bergläuferin holte nun den ersten deutschen Titel für Frauen-Masters im Radcross und verhalf überhaupt erst zu dieser Gleichberechtigung. Zugleich träumt die Sportlerin des OSC Potsdam von einem besonderen Triathlon auf Hawaii.   

Den historischen Erfolg hat Birgit Unterberger nicht nur im Wettkampf errungen. Sie war zuvor auch daran beteiligt, ihn strukturell überhaupt erst einmal möglich zu machen. Am Wochenende wurde die Radfahrerin des OSC Potsdam in Luckenwalde erste deutsche Cyclocross-Meisterin bei den weiblichen Masters. „Die Männer haben drei Masters-Altersklassen, wir hatten bisher keine, mussten also im Elitefeld mitfahren. Das hat biologisch nicht gepasst, quasi ein Zwei-Generationen-Rennen, bei dem von der Theorie her Mutter und Tochter gegeneinander hätten fahren müssen”, erzählt Unterberger.

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Verletzung brachte sie vom Lauf aufs Rad

Um diesem Missstand entgegenzuwirken, setzten sie und weitere Mitstreiterinnen sich für eine separate Frauen-Altersklasse ab 40 Jahren ein. Bei der Anfang Oktober in Kehl (Baden-Württemberg) nachgeholten Radcross-DM 2021 war diese dann zunächst als Demonstrationswettbewerb im Programm. „Es hieß: Wir müssen mindestens zehn Starterinnen sein, um in Luckenwalde unser erstes richtiges Meisterschaftsrennen zu bekommen.” Im Ziel kamen elf Ü40-Seniorinnen an, sodass der Weg bereitet war. Wie schon in Kehl setzte sich Unterberger nun auch in der Teltow-Fläming-Kreisstadt unter zwölf Teilnehmerinnen auf dem laut ihr „anspruchsvollen, facettenreichen, kurzweiligen, einfach toll hergerichteten Kurs“ souverän durch und ist damit Premieren-Titelträgerin.

In Bildern: Die Deutsche Meisterschaft 2022 im Radcross in Luckenwalde.

Die Deutsche Meisterschaft 2022 im Radcross in Luckenwalde. Zur Galerie
Die Deutsche Meisterschaft 2022 im Radcross in Luckenwalde. © Frank Neßler

Die Geschichte hinter, beziehungsweise vor diesem Triumph beginnt auch in Luckenwalde. Schon fast schicksalhaft. Birgit Unterberger, die diesen Monat 46 Jahre alt wird, war einst eine herausragende Bergläuferin, siegte zweimal bei der deutschen Meisterschaft, holte 2000 EM- und WM-Silber. 2014 aber verletzte sich die Stahnsdorferin bei einem Crosslauf in Luckenwalde am Sprunggelenk und brauchte erst einmal eine sportliche Alternative. Weil ihr Sohn Philipp, der inzwischen an der Sportschule Cottbus lernt und trainiert, bereits im Radsport aktiv war, versuchte sie sich ebenfalls in den Pedalen. „Das hat mir so sehr Spaß gemacht, dass jetzt sogar mein Schwerpunkt darauf liegt. Mit zunehmendem Alter ist Radfahren dann doch etwas schonender für den Körper als viel zu laufen”, sagt die Sportlehrerin, die auch stellvertretende Leiterin der Otto-Nagel-Grundschule Bergholz-Rehbrücke ist.


Die Natur als Herausforderung

Als erfahrene Kraftausdauer-Athletin habe sie gute Voraussetzungen für Cyclocross gehabt. „Aber mit knapp 40 Jahren war ich natürlich nicht mehr im besten motorischen Lernalter”, meint Unterberger. Doch ihr riesiger Ehrgeiz half, die bis dato für sie unbekannten technischen Feinheiten zu verinnerlichen. Angefangen beim RC Kleinmachnow kam Unterberger über den RSV Eintracht 1949 im Herbst 2020 zum OSC Potsdam. Bei der Eintracht trainierte nur eine Nachwuchsgruppe, sodass auf ihrem steigenden Level die Partner fehlten. Diese fand sie beim OSC. „Da passt für mich die Altersstruktur. Außerdem beeindruckt mich die tolle Vereinsidentifikation in der Gruppe dort, das Wir-Gefühl.”

Und zugleich bietet ihr die Möglichkeit des Schwimmtrainings beim OSC eine gute Perspektive für ihre umfangreichen sportlichen Ambitionen. Unterberger, die auch weiterhin läuferisch unterwegs ist und deutsche Meisterin im Cross-Duathlon wurde, möchte sich dieses Jahr für den Xterra auf Hawaii qualifizieren, die Weltmeisterschaft im Cross-Triathlon über die Distanz von 1,5 Kilometer Schwimmen, 31 Kilometer Mountainbikefahren und 10,3 Kilometer Traillauf.

Eines wird bei ihrem Sportprofil deutlich: das Element Cross. „Ich fühle mich im Gelände wohl, liebe die Berge. Für mich beginnt Urlaub dann, wenn ich die Alpensilhouette sehe”, sagt Unterberger. Gerade auf dem Rad sei Querfeldein „sehr ehrlich”, weil das Windschattenfahren – anders als auf der Straße – nicht von Bedeutung ist. „Man ist bei sich selbst.” Zugleich biete der Sport im Gelände – ob hohe Berge oder märkische Hügel – mehr Abwechslung. Und: „Da ist man mehr vom Gefühl getragen. Es geht nicht nur um eine Bestzeit auf einer bestimmten Streckenlängen, sondern darum, die Natur als Herausforderung zu überwinden.” Und manchmal überwinden starke Frauen wie Unterberger auch immer noch strukturelle Herausforderungen, um ihre Gleichberechtigung zu erringen.