27. September 2020 / 07:34 Uhr

Radprofi Maximilian Schachmann über die Siegchancen bei der WM in Imola und die Folgen der Tour de France

Radprofi Maximilian Schachmann über die Siegchancen bei der WM in Imola und die Folgen der Tour de France

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Maximilian Schachmann spricht im Interview über die Siegchancen bei der WM und seine Topfavoriten auf den Titel.
Maximilian Schachmann spricht im Interview über die Siegchancen bei der WM und seine Topfavoriten auf den Titel. © imago images
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Die Weltmeisterschaft im italienischen Imola steht vor der Tür. Im Interview spricht Maximilian Schachmann über die Favoriten, die Auswirkungen der Tour de France und seine Ziele für die weitere Saison nach Frankreich-Rundfahrt und WM.

Nicht einmal eine Woche ist es her, da hat Maximilian Schachmann auf dem Pariser Prachtboulevard Avenue des Champs-Élysées noch einmal sein Kämpferherz gezeigt. Auf der Abschluss-Etappe der 107. Tour de France wagte er mit Begleitern den Fluchtversuch – auf einem Abschnitt, bei dem klar ist, dass die Sprinterteams alles für eine Massenankunft tun werden. Genauso kam es – wenige Kilometer vor dem Ziel wurden Schachmann und seine Ausreißerkollegen wieder eingefangen.

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Ob es an diesem Wochenende ähnlich läuft, wenn im italienischen Imola das Weltmeistertrikot vergeben wird? Das ist fast auszuschließen, denn der Kurs in der Nähe von Bologna ist enorm hügelig und nicht für Sprinter geeignet. Vielmehr scheinen die sogenannten Klassikerspezialisten in der Favoritenrolle zu sein, die auf ein solches Terrain spezialisiert sind. Das bringt den 26 Jahre alten Schachmann, der das deutsche Aufgebot im Straßenrennen am Sonntag (ab 11 Uhr) anführen wird, auf den Plan.

Im Interview spricht Schachmann über die Favoriten, die Auswirkungen der Tour de France und seine Ziele für die weitere Saison nach Frankreich-Rundfahrt und WM.

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SPORTBUZZER: Herr Schachmann, am Wochenende steht die WM in Imola auf dem Programm. Auf dem Papier kommt Ihnen das Streckenprofil entgegen.
Maximilian Schachmann (26): Ja, der Kurs liegt mir ganz gut. Aber die Strecke ist ganz schön knackig. Es gibt insgesamt 5000 Höhenmeter – so viele hatten wir nicht auf einer Touretappe. Die Länge der Strecke macht es zudem nicht leichter. Zudem gibt es keine WM-Vorbereitung. Ich trainiere in der Woche nicht speziell, um mich zu verbessern, sondern um mich von der Tour zu erholen.

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"Ich war vor der Tour Opfer eines Fehlers der Rennorganisatoren"

Sie sind im Vorfeld der Tour gestürzt, waren dort nicht ganz in Form. Dennoch waren Sie in Ausreißergruppen unterwegs, wurden einmal Dritter. Zufrieden mit Ihrer eigenen Ausbeute?

So richtig glücklich hat es mich nicht gemacht, weil ich nicht das zeigen konnte, was ich kann. Ich bin nicht einen Tag in meiner Vor-Sturz-Form unterwegs gewesen. Immerhin habe ich meinen Kampfgeist unter Beweis gestellt. Ich war vor der Tour Opfer eines Fehlers der Rennorganisatoren bei der Lombardei-Rundfahrt.

Jetzt sind Sie zurück in Italien und führen das deutsche Team bei der Weltmeisterschaft an. Was trauen Sie sich und dem deutschen Team zu?

Wir sind als Team in der Breite nicht extrem gut aufgestellt, weil für einen Sprinter der Kurs zu schwer ist. Aber jemand wie Simon Geschke, der bei der Tour oft in Spitzengruppen war, hat gezeigt, dass er es drauf hat. Mir liegt der Kurs auch ganz gut.

Schachmann nennt seine WM-Favoriten

Wer ist aus Ihrer Sicht Topfavorit auf den WM-Titel?

Nach der Tour de France ist da sicherlich Wout van Aert zu nennen. In der Form ist er ein ganz großer Favorit, weil er alles kann. Er fährt sehr gut die Berge hoch und runter, kann Sprinten und Zeitfahren. Wenn er in normaler Verfassung ist, weiß ich nicht, wer ihn an diesem Wochenende schlagen soll. Auch Julian Alaphilippe ist nicht leicht zu schlagen. Ich glaube, dass vor allem Klassiker­fahrer im Vorteil sind.

Wie planen Sie nun das weitere Jahr, nachdem die Tour nicht ganz so verlaufen ist wie geplant?

Es ist nicht geplant, dass ich noch bei einer der beiden großen Rundfahrten am Start bin. Ich fahre die WM, Lüttich-Bastogne-Lüttich, die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix – also nur noch Monumente. Danach steht eine Pause an und dann geht es schon fast mit dem nächsten Jahr weiter. Die Saison war extrem lang, weil ich in der Corona-Pause viel trainiert habe. Es wusste niemand, wann und wie es weitergeht. Die Saison war eher stressiger als eine „normale“ Saison.

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