25. Mai 2020 / 08:00 Uhr

Radsport-Hoffnung Maximilian Schachmann über die Saison-Pause, Doping und den Neustart

Radsport-Hoffnung Maximilian Schachmann über die Saison-Pause, Doping und den Neustart

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Maximilian Schachmann ist Deutschlands Radsport-Hoffnung.
Maximilian Schachmann ist Deutschlands Radsport-Hoffnung. © imago images/Panoramic International
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Maximilian Schachmann war der letzte große Sieger vor der Corona-Pause im Radsport. Der Deutsche gewann im März die französische Fernfahrt Paris-Nizza. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Schachmann über seinen Umgang mit der Pause und den stressigen Neustart-Plan.

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Maximilian Schachmann startet für das deutsche Radsportteam Bora-hansgrohe - und ist Deutschlands Radsport-Hoffnung. Der 26-Jährige aus Berlin feierte bei der diesjährigen Austragung des Etappenrennens Paris–Nizza seinen bisher größten Erfolg. Nach dem Sieg der ersten Etappe verteidigte er das Trikot des Gesamtführenden bis zum Schlusstag. Doch auf den nächsten Saison-Höhepunkt muss Schachmann noch warten: Bis zum 1. August fallen alle Rennen aus. Die Tour de France soll vom 29. August bis 20. September ausgetragen werden. Danach folgen die Höhepunkte Schlag auf Schlag – zum Teil zeitgleich: Auf die Tour folgt die WM, dann der Giro d’Italia (3. bis 25. Oktober) und die Vuelta (20. Oktober bis 8. November).

SPORTBUZZER: Herr Schachmann, die Fußball-Bundesliga läuft, die Rennen im Radsport sind ausgesetzt. Ist das ungerecht?

Maximilian Schachmann (26): Ich hoffe, dass es ein gutes Zeichen für unseren Sport ist! Wir sollen auch bald die Möglichkeit bekommen, unserem Sport nachzugehen. Ich finde aber gut, dass noch etwas Zeit vergeht, da in der Pause nicht alle die gleichen Trainingsvoraussetzungen hatten. Die haben jetzt genug Zeit, wieder in Form zu kommen, damit die Rennen mit Chancengleichheit vonstattengehen.

Fehlen Ihnen Ihre Teamkollegen, mit denen Sie sonst viel Zeit verbringen?

Während der Trainingszeiten fahre ich oft allein. Gruppentrainings habe ich nur selten. Ich bin jetzt seit gut zwei Monaten zu Hause und genieße die lange Zeit am Stück. Seit sieben Jahren bin ich mit den Teams unterwegs gewesen und werde es auch wieder sein, wenn es losgeht. Ich vermisse es noch nicht. So lange zu Hause zu sein – das hat man sonst nur, wenn man verletzt ist.

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Doping? "Ich hoffe, dass alle Fahrer verstanden haben, dass es keine Option ist"

Sie sind die ganze Zeit an einem Standort, das macht grundsätzlich die Dopingkontrollen einfacher. Wann wurden Sie zuletzt getestet?

Ich bin seit Paris–Nizza nicht mehr kontrolliert worden – sprich seit Mitte März. Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass ich in normalen Zeiten länger mal nicht getestet werde, dann aber mehrfach in kurzen Abständen.

Dennoch öffnet es Tür und Tor für Doper.

Ich hoffe, dass alle Fahrer verstanden haben, dass es keine Option ist und dem Sport schadet. Ich war von der Operation Aderlass aber auch überrascht. Ich kannte zum Beispiel den Österreicher Georg Preidler aus dem Fahrerfeld. Von ihm hätte ich nie gedacht, dass er zu solchen Mitteln greift. Ich hoffe, dass es aktuell schwerer ist, an die verbotenen Substanzen zu kommen, damit keiner auf dumme Ideen kommt.

Sie haben mit Paris–Nizza das letzte Rennen vor der Corona-Pause gewonnen. Wie sind Sie damit umgegangen, dass eine erfolgreiche Saison so jäh gestoppt wurde?

Ich bin wahrscheinlich der Fahrer aus dem Peloton, dem es am besten geht. Ich wurde Zweiter bei der Algarve-Rundfahrt und habe die erste große Rundfahrt des Jahres gewonnen. Somit habe ich schon was in der Tasche. Ich stelle es mir härter vor für die Klassikerfahrer, weil deren Saison komplett abgesagt werden musste. Es gibt nun den neuen Kalender und auf den habe ich mich eingestellt. Ich bin zuversichtlich, dass wir bald wieder Rennen fahren.

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Saison-Fortsetzung im Radsport: "Müssen alles auf eine Karte setzen"

Ein Rennen haben Sie in der Pause bestritten – ein virtuelles. Wie war diese Erfahrung für Sie?

Im Großen und Ganzen hätte ich darauf verzichten können, weil es nicht viel mit Radsport zu tun hat. Ich habe es als Spaß gesehen – und es ist ja auch gut angekommen. Viele Leute haben zugeschaut und waren froh, wieder Sport im TV zu sehen. Für mich als Fahrer war es hart, weil ich die ganze Zeit Vollgas fahren musste. Das ist über diese lange Zeit unangenehm. Bergab fahren in der virtuellen Welt ist genauso anstrengend wie bergauf fahren.

Der Kalender der verbleibenden Rennen bedeutet 100 Tage Vollgas. Viele Rennen laufen parallel. Wie planen Sie diese komische Saison?

Wir haben vor der Tour de France ein paar Rennen, in denen wir in den Rhythmus kommen können. Das sind aber auch gleich große Rennen, bei denen man auf den Punkt fit sein muss. Wir müssen alles auf eine Karte setzen. Es gibt einfach nicht mehr die Möglichkeit, mehrere Höhepunkte zu setzen. Ich muss mir jetzt überlegen, bei welchem Rennen ich die besten Chancen haben könnte.

Ist es Ihnen egal, ob die Rennen mit Zuschauern oder ohne stattfinden?

Natürlich ist es viel cooler, durch die Fanmassen zu fahren und ihre Gesichter zu sehen. Geisterrennen sind mir aber deutlich lieber als gar keine Rennen. Schließlich kann man die Rennen trotzdem übertragen.