08. Juni 2020 / 08:00 Uhr

Ehemaliger Telekom-Chef Rudy Pevenage über Jan Ullrich: "Es geht ihm gut"

Ehemaliger Telekom-Chef Rudy Pevenage über Jan Ullrich: "Es geht ihm gut"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Rudy Pevenage spricht im SPORTBUZZER-Interview unter anderem über seine Zeit als Sportlicher Leiter im Team Telekom, wo er mit dem deutschen Rad-Star Jan Ullrich zusammen gearbeitet hat.
Rudy Pevenage spricht im SPORTBUZZER-Interview unter anderem über seine Zeit als Sportlicher Leiter im Team Telekom, wo er mit dem deutschen Rad-Star Jan Ullrich zusammen gearbeitet hat. © imago images/Nordiek
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Rudy Pevenage war jahrelang Sportlicher Leiter des Teams Telekom, Jan Ullrich sein Star: Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Belgier über Doping im Radsport und seine heutige Beziehung zu Ullrich.

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SPORTBUZZER: Herr Pevenage, Ihre Autobiografie erscheint auf Deutsch. Sie wird auf das Thema Doping reduziert.

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Rudy Pevenage (65): Das ärgert mich, ich habe kein Dopingbuch geschrieben. Wir hatten zwei belgischen Zeitungen einen Vorabdruck ermöglicht und die haben die aufregendste Geschichte genommen – Doping. In Deutschland wurde geschrieben, dass ich Jan Ullrich diskreditiert hätte. Dabei kommen er und Erik Zabel gut weg. Wenn ich aber ein Buch über mein Leben schreibe, begonnen in der Kindheit bis zu meiner Arbeit als Betreuer, kann ich das Thema Doping nicht außen vor lassen.

Lest hier ein Kapitel der Pevenage-Biografie

Sie geben jedoch zu, dass Sie Fehler gemacht haben.

Ja. Ich bin aber niemals ein Dealer gewesen und habe nie Dopingmittel gekauft. Ich war ein Begleiter und Freund von Jan Ullrich, habe ihn nach Spanien zum Arzt Eufemiano Fuentes begleitet. Ich bin aber nicht der Doktor, war nur der Begleiter.

Hat der Radsport zu dieser Zeit nur funktioniert, weil gedopt wurde?

Nein. Man kann einem Esel alles geben, was man will. Er wird aber nie ein Rennpferd. Doch in dieser Zeit war klar: Wer bei der Scheiße nicht mitmacht, der hat keine Chance zu gewinnen. Jetzt sind es Gott sei Dank andere Zeiten. Der Radsport ist die meistkontrollierte Sportart, die es gibt.

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Pevenage: "Der Weltverband hat lange Jahre weggeschaut"

Früher wurde weniger kontrolliert.

Der Weltverband UCI hat lange Jahre weggeschaut. Epo war lange kein Dopingmittel. Irgendwann haben es Athleten übertrieben, sind sogar an Dopingmitteln verstorben. Dann hat ein Umdenken stattgefunden, Epo ist auf die Dopingliste gekommen, Blutkontrollen wurden eingeführt. Wenn wir den Blutpass zehn Jahre früher eingeführt hätten, wären viele Dinge viel einfacher gewesen. Die UCI hat getrödelt!

Wie steht es heute um Ihre Beziehung zu Jan Ullrich?

Unsere Freundschaft besteht weiterhin. Nach der Veröffentlichung des Buches haben mich Freunde von Jan angerufen und mich beschimpft. Sie haben das Buch aber nicht gelesen und erst recht nicht verstanden. Ich habe dann einen Monat nicht mit Jan gesprochen. Im März haben wir dann darüber geredet und Jan sagte mir, dass er mir vertraut. Er hat mir erst zuletzt ein Foto von sich geschickt. Ihm geht es gut. Ich bin noch immer sein Opa (lacht). Alles ist wie früher.

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"Jan Ullrich muss wieder mehr nach draußen kommen"

Jan Ullrich ging es sehr schlecht.

Vor zwei, drei Jahren war ich jede Woche bei Jan auf Mallorca. Er hatte eine sehr schwere Zeit. Er hatte Probleme mit dem Knie, Probleme mit seiner Frau, durfte seine Kinder nicht sehen und saß allein auf Mallorca. Für ihn ist die Welt untergegangen. Jetzt ist er zurück bei Freunden in Freiburg und es geht ihm gut. Jan hat niemals Streit gehabt. Er war im Fahrerfeld ein beliebter Junge – anders als Lance Armstrong. Jan hat aber ein Pro­blem: Erst wurde er in Deutschland hochgeschrieben und dann von Zeitungen zerstört. In Belgien oder Italien ist er ein Held. Egal wo ich auftauche, fragen die Leute nach ihm. In Deutschland ist er vergessen.

Sollte er in die Öffentlichkeit gehen?

Jan muss wieder mehr nach draußen kommen. Er braucht aber noch Zeit, die Entscheidung soll er selbst treffen. Ich möchte ihm gern dabei helfen und ich kenne andere Leute, die dies auch gern täten. Jeder verdient eine zweite Chance. Jan hat nichts Schlimmes getan, er hätte dreimal die Tour gewinnen können, wurde zweimal Weltmeister, Olympiasieger. Er ist ein Star.