07. März 2020 / 06:00 Uhr

Gladbach-Newcomer Ramy Bensebaini: "Ich hoffe, Zinedine Zidane hat gemerkt, dass ich Profi bin"

Gladbach-Newcomer Ramy Bensebaini: "Ich hoffe, Zinedine Zidane hat gemerkt, dass ich Profi bin"

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Zeigt, dass ich mich verbessert habe: Ramy Bensebaini hat als Linksverteidiger bei Borussia Mönchengladbach noch ungeahnte Torqualitäten entdeckt. 
"Zeigt, dass ich mich verbessert habe": Ramy Bensebaini hat als Linksverteidiger bei Borussia Mönchengladbach noch ungeahnte Torqualitäten entdeckt.  © imago
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Nachdem Ramy Bensebaini fünf Rückrundenspiele mit Borussia Mönchengladbach verletzt verpasst hatte, meldete sich der Algerier am vergangenen Bundesliga-Spieltag zurück – mit seinem nächsten Treffer. Im Interview spricht er über ein neues Talent, seine Zeit als Barfuß-Fußballer und warum ein Wechsel zum FC Arsenal scheiterte.

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SPORTBUZZER: Herr Bensebaini, Sie scheinen nach Ihrem Wechsel im Sommer von Stade Rennes ein neues Talent in sich entdeckt zu haben.

Ramy Bensebaini (24): Wie kommen Sie darauf?

In der Ligue 1 benötigten Sie 79 Spiele, um drei Tore zu erzielen. In der Bundesliga nur fünf. Vergangene Woche erzielten Sie im ersten Spiel nach Ihrem Muskelfaserriss gar Ihren vierten Treffer im neunten Spiel.

Ich kann nicht sagen, warum ich in Frankreich vier Spielzeiten dafür gebraucht habe. Aber das zeigt doch, dass ich mich verbessert habe – zum Beispiel im Kopfballspiel. Meine Kernaufgabe sehe ich aber als Linksverteidiger.

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Was mögen Sie an dieser Position?

Eigentlich habe ich immer als zen­tra­ler Verteidiger gespielt, wurde auch auf dieser Position ausgebildet. Selbst als es bei Stade Rennes mal ein Verletztenproblem hinten links gab und ich dort spielen sollte, habe ich mich anfangs geweigert – weil ich das einfach nicht gelernt hatte. Irgendwann habe ich mir das dann aber doch mal angesehen – und es sehr zu schätzen gelernt.

Liverpools Weltklasse-Außenverteidiger Trent Alexander-Arnold hat auf den immer noch unattraktiven Ruf dieser Position hingewiesen und darauf, dass Kinder überall anders lieber spielen würden. Er will das ändern.

So habe ich als Junge früher ja auch gedacht. Dass die besten Positionen im Sturm sind, wo man die Tore erzielt, im Mittelfeld, wo entscheidende Pässe gespielt werden, oder in der Innenverteidigung, wo die entscheidenden Zweikämpfe geführt werden. Auch mein Vorbild war ein Innenverteidiger: Sergio Ramos. Aber heute kann auch ich sagen, dass ich als Linksverteidiger meine Lieblingsposition gefunden habe.

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Bensebaini: "Ich habe drei Jahre ausschließlich barfuß gespielt"

Experten sehen die Außenverteidiger sogar als die neuen Spielmacher.

Das stimmt. Beide Außenpositionen sind enorm wichtig geworden. Im Spielaufbau läuft eigentlich jeder Angriff über diese Spieler. Was mich reizt, ist, dass man viel Ballbesitz hat, sich viel nach vorn einbringen kann, um letzte und vorletzte Pässe zu spielen. Heutzutage wird viel mehr auf diese Position geguckt.

In Algerien durchliefen Sie bei Paradou AC eine besondere Ausbildung.

Ich war dort sechs Jahre, in den ersten drei Jahren haben wir ausschließlich barfuß gespielt, teilweise gegen Ältere, die dann auch Schuhe getragen haben. Das war hart, aber auch nichts Unnormales – wegen der Hitze und weil dort nicht jeder ein Paar Fußballschuhe besitzt. Was die Ballbehandlung und das Ballgefühl angeht, habe ich dieser Zeit viel zu verdanken.

Das gilt nicht nur für Sie.

Die Akademie gehört zu Jean-Marc Guillou (ehemaliger französischer Nationalspieler, d. Red.), der in ganz Afrika Fußballschulen gegründet hat, die von vielen bekannten Spielern durchlaufen wurden, etwa Didier Drogba und die Touré-Brüder Yaya und Kolo.

Im Winterurlaub in Dubai sind Sie auf Zinédine Zidane getroffen.

Ja, ein Kumpel hat mich angerufen, und meinte: „Es gibt einen Kick in einer Soccerhalle mit Zidane!“

Wusste Zidane, wer Sie sind?

Weiß ich nicht, wir haben nicht wirklich miteinander gesprochen – wie das auf dem Fußballplatz so läuft. Aber ich hoffe mal, dass er gemerkt hat, dass ich ein Profi-Fußballer bin. (lacht) Wir haben auf jeden Fall gegen sie gewonnen.

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2013 wären Sie fast beim FC Arsenal gelandet.

Ich habe dort einen Monat mit der ersten Mannschaft trainiert und war auch so weit, dass sie mir einen Vertrag anbieten wollten. Gescheitert ist es damals an den Regeln in England: Die Klubs können nur Spieler aus dem Ausland verpflichten, die eine bestimmte Anzahl an Länderspielen absolviert haben. Die hatte ich noch nicht.

In Deutschland kennt Sie spätestens seit Ihren zwei Toren beim 2:1-Sieg im Dezember gegen die Bayern jeder.

Ich hatte gar nicht die Zeit, alle Nachrichten, die ich bekommen habe, zu lesen. In dem Ausmaß habe ich das bislang nur nach unserem Sieg beim Afrikacup (2019 mit Algerien, d. Red.) erlebt. Gerade auf Instagram war das der Wahnsinn: Vor dem Turnier hatte ich bei Instagram 350.000 Follower, danach 1,5 Millionen.

Mit Rennes sind Sie vergangene Saison französischer Pokalsieger geworden. Haben Sie Titeltipps für die Borussia?

Nein, nein. (lacht) Da habe ich keine Ratschläge zu geben, weder an den Trainer noch an die Mitspieler.

Denken Sie an den Titel?

Den zweiten Platz nach der Hinrunde hatten wir ja nicht zufällig inne. Aber ich möchte jetzt nicht sagen, dass wir Erster werden oder in die Champions League kommen wollen. Ich habe meine Ziele, möchte natürlich europäisch spielen. Ich halte jedoch mehr davon, immer das nächste Spiel zu gewinnen. So gewinnt man dann auch Titel.

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Sie können den BVB mit einem Sieg in der Tabelle überholen.

Wir haben in dieser Saison schon gezeigt, dass wir in der Lage sind, auch gegen Mannschaften wie Bayern oder Dortmund zu gewinnen. Wir können es mit ihnen aufnehmen, auch wenn diese Klubs uns auf eine ganze Saison gesehen sicher noch sehr, sehr viel voraushaben.