25. Juli 2020 / 09:00 Uhr

"ran"-Sportchef Alexander Rösner über das Bundesliga-Comeback von Sat.1 und den Wettkampf mit DAZN und Co.

"ran"-Sportchef Alexander Rösner über das Bundesliga-Comeback von Sat.1 und den Wettkampf mit DAZN und Co.

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
ran-Sportchef Alexander Rösner spricht im Interview unter anderem über die Bundesliga-Rückkehr von Sat1.
"ran"-Sportchef Alexander Rösner spricht im Interview unter anderem über die Bundesliga-Rückkehr von Sat1. © Getty Images/7Sports/Montage
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Ab der Saison 2021/22 gibt Sat.1 sein Bundesliga-Comeback mit Live-Spielen. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt "ran"-Sportchef Alexander Rösner, wie die Rückkehr der bekannten Sendermarke laufen soll – und wie er den Sportrechte-Markt mit Streamingdiensten wie DAZN einschätzt.

Alexander Rösner (52) zeigt sich beim Video-Call bestens gelaunt. Mit Blick auf die vergangene TV-Rechte-Ausschreibung der Bundesliga kann er das auch sein. Sat.1 hat sich ab der Saison 2021/22 das einzige Free-TV-Paket mit insgesamt neun Spielen gesichert, darunter der Saison-Auftakt im Fußball-Oberhaus, die Relegationsspiele für die Bundesliga und 2. Liga sowie der Supercup. Der Sportchef der ProSiebenSat.1-Gruppe spricht im SPORTBUZZER-Interview über das Bundesliga-Comeback von ran, die Pläne des Senders bei der Übertragung und den Wettkampf mit Streamingdiensten wie DAZN.

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SPORTBUZZER: Herr Rösner, das Bundesliga-Comeback von Sat.1 bei der jüngsten Medienrechte-Ausschreibung der DFL ließ aufhorchen – es galt mitunter als die größte Überraschung des neuen TV-Vertrags. Wie sehen Sie das?

Alexander Rösner (52): Auch wenn wir in der Vergangenheit etwas zurückhaltender waren, schauen wir uns jede Ausschreibung sehr genau an. Wir analysieren, für welchen Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe das Recht sinnvoll sein kann und wie es refinanzierbar ist. Bei uns ist es aber traditionell so, dass wir uns im Vorfeld einer Ausschreibung eher ruhig verhalten. Da wir nun als Überraschung gelten, scheint unser Plan aufgegangen zu sein.

Welchen Einfluss hatte die Corona-Krise auf die Entscheidung, um das einzige vorhandene Free-TV-Paket der Bundesliga zu bieten?

Wir hätten ohnehin für das angesprochene Paket E mit neun Live-Spielen geboten. Wie genau sich die Corona-Krise auf die gesamte Ausschreibung ausgewirkt hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Sicher ist nur, dass Corona die internen Diskussionen nicht gerade vereinfacht hat.

"Wir wollen informativ, kompetent und dabei unterhaltsam die neun Spiele präsentieren"

In der Pressemitteilung nach dem Rechte-Erwerb versprechen Sie den Fußball-Fans in Deutschland große Live-Abende – wie konkret soll das aussehen?


Das ist unsere Aufgabe für die nächsten Monate. Was wir jetzt schon sagen können: Wir wollen informativ, kompetent und dabei unterhaltsam die neun Spiele präsentieren – in gewohnter ran-Manier, mit viel Raum für Innovationen. Mit ran NFL haben wir American Football als neuen Live-Sport in Deutschland etabliert. Einige Teile des Konzepts, das wir in der Redaktion für die NFL erarbeitet haben, werden auch bei den Bundesliga-Übertragungen umsetzbar sein. Die Interaktion mit den Zuschauern, die sich bei den NFL-Sendungen sehr rege über Social Media beteiligen, ist uns wichtig. Damit erreichen wir vor allem die junge Zielgruppe. Sie hat noch immer ein großes Interesse an Fußball.

Wie schwierig ist es dabei, mit echten Neuheiten zu punkten?

Die große Revolution, so wie sie uns mit den ran-Fußballsendungen von 1992 bis 2003 gelungen ist, kann man eher nicht mehr erwarten. Dafür sind Live-Spiele in der Bundesliga schon zu sehr gelernt. Aber wir können die Übertragungen mit den Erfahrungen aus anderen Sportproduktionen versehen und aufwerten. Dabei setzen wir nicht auf eine Blaupause, sondern schauen uns genau an, was zum breiten Fußball-Publikum und der Bundesliga passt.

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Zunehmende DAZN-Rechte sind "keine Überraschung"

Im Sport hat sich DAZN als großer Player neben dem Pay-TV-Platzhirschen Sky etabliert. Inwiefern hat sich der Markt für Free-TV-Sender dadurch verändert?

Mit Blick auf DAZN ist es die logische Konsequenz, dass dort nun in größerem Maße Bundesliga-Rechte eingekauft wurden. Dort hat man abseits der großen Fußballrechte begonnen, dann kamen nach und nach Champions League und Bundesliga hinzu. Daher ist es keine Überraschung, dass sich DAZN den zweitgrößten Kuchen neben Sky gesichert hat, um die eigene Story weiterzuerzählen. Klar ist: Wenn mit Amazon noch ein dritter Pay-TV-Anbieter neben DAZN und Sky im Markt wäre, würde der Wettbewerb noch größer und es für die verbleibenden kleinen Free-TV-„Inseln“ noch schwieriger. Der Amazon-Angriff blieb ja aber bekanntermaßen aus.

Stattdessen ist das Free-TV zurück. Neben Sat.1 in der Bundesliga feiert Sport1 in der 2. Liga sein Comeback mit dem Samstagabendspiel – ein Turnaround oder nur ein Strohfeuer?

Die DFL steht bei jeder Ausschreibung vor der Herausforderung, die richtige Balance aus möglichst großer Reichweite und höchstmöglichen Erlösen zu finden. Aus meiner Sicht ist das Verhältnis der entscheidende Punkt. Die Pay-TV-Anbieter haben andere Geschäftsmodelle und können sich offensichtlich andere Summen beim Rechtekauf leisten – das wird auch so bleiben. Das Free-TV auf der anderen Seite ist wichtig für die DFL, um der Bundesliga eine hohe Aufmerksamkeit zu bescheren. Die Präsenz dort hilft nach wie vor dabei, die Marke Bundesliga in der breiten Bevölkerung weiter zu stärken. Aber einen generellen Turnaround, weil nun neun Spiele bei Sat.1 übertragen werden und Sport1 – parallel zu Sky – die Samstagabendspiele der 2. Liga zeigt, würde ich verneinen.