22. Dezember 2021 / 14:11 Uhr

Darum gab's Rasierschaum für DEL-Debütant Finke bei Wolfsburgs Sieg gegen die Eisbären Berlin

Darum gab's Rasierschaum für DEL-Debütant Finke bei Wolfsburgs Sieg gegen die Eisbären Berlin

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Lars Finke und Phil Hungerecker von den Grizzlys Wolfsburg nach dem Spiel zwischen den Grizzlys Wolfsburg gegen die EisbŠren Berlin am 21.12.2021 in Wolfsburg, Deutschland. (Foto von Moritz Eden/City-Press GmbH)
Was für eine Freude: Lars Finke (l.) gab sein DEL-Debüt im Kader der Grizzlys Wolfsburg. Auch die Mitspieler, wie hier Phil Hungerecker, freuten sich mit dem Dannenbütteler. © City-Press Gmbh/Grizzlys Wolfsburg
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Morgens um acht kam der Anruf, am Abend hatte der Wolfsburger Nachwuchstorwart Lars Finke dann sein völlig unerwartetes Debüt als Ersatztorwart im Eishockey-Spitzenspiel der Grizzlys Wolfsburg gegen die Eisbären Berlin. Und schließlich viel Rasierschaum im Gesicht. 

Und plötzlich war er DEL-Torwart! Die Grizzlys bezwangen am Dienstag Spitzenreiter Eisbären Berlin im Topspiel des Eishockey-Oberhauses mit 3:2 nach Penaltyschießen. Und Ersatztorwart war ein den meisten Zuschauern unbekannter junger Mann namens Lars Finke. Weil Dustin Strahlmeier krank fehlte.

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Zweimal hatte Finke nur bei den Grizzlys Wolfsburg mittrainiert, als Ersatz für Leon Grothe. Grothe war als Nummer 3 des Vizemeisters schon lizenziert, um einzuspringen, wenn Dustin Strahlmeier oder Chet Pickard mal fehlen sollten. Am Dienstag ("Ich war gerade aufgestanden") brummte sein Handy, Manager Charly Fliegauf war dran. "Er fragte, ob ich am Abend Zeit hätte und ob ich noch zum Vormittagstraining kommen könnte. Ich könnte als Ersatztorwart im DEL-Team einspringen. Hammer. Ich dachte, ich träume!"

In die Schule geht der 19-Jährige, der im Frühjahr das Abi machen will, in dieser Woche nicht mehr. Also ab zum Training. Ein wenig kannten ihn seine Mitspieler ja schon. Er machte das Vormittagstraining mit, war dann zum Treffpunkt am Nachmittag wieder da - und plötzlich vollwertiges Mitglied des Grizzlys-Teams und mit ihm in der Profi-Kabine. "Das ist schon eine andere Welt, da musste ich mich erst mal ein wenig zurechtfinden", sagt Finke. Denn die Nachwuchs-Torhüter, die bei den Profis helfen, ziehen sich ansonsten in ihrer Kabine um. Finke: "Die Jungs haben mich super aufgenommen, es mir leicht gemacht."

Sven Grosche, Host des 3on3-Podcasts powered by SPORTBUZZER, holte Finke natürlich nach dem 3:2 gegen Berlin zum Interview. Das war die Gelegenheit, für die erfahrenen Mitspieler, dem Nothelfer die "Taufe" zukommen zu lassen. Schließlich war es Finkes DEL-Premiere. Vize-Kapitän Spencer Machacek (Kapitän Sebastian Furchner fehlte angeschlagen), seifte den Youngster tüchtig mit Rasierschaum im Gesicht ein.

"Das gehört einfach zu unserem Sport, das ist ein Teil unserer Sportkultur, das ist ein Willkommen-im-Team-Moment, das war etwas Besonderes für ihn", meinte Coach Mike Stewart. "Die Jungs haben ihn so schnell wie möglich integriert, man hat gemerkt, wie er sich freut, mit in der Profi-Kabine zu sein, diese Erfahrung zu machen." Finke bestätigt: "Das war einfach Klasse."

Vor den Fans hatte auch er die Welle mitgemacht, die Mannschaftskameraden applaudierten ihm bei seiner DEL-Premiere. "Von diesem Spiel werde ich mir sicher ein Foto einrahmen", meinte der Youngster. Wie jeder Ersatz-Torwart hatte auch er eine Aufgabe im Spiel: "Schüsse notieren. Und ich sollte mir ein paar Spieler und ihre Bewegungen genau anschauen." Es überraschte ihn nicht, aber nun konnte er es hautnah erleben: "Das Tempo, die Schüsse, das ist ein ganz anderes Niveau als in der U20."


Natürlich beobachtete er auch genau den stark haltenden Pickard im Wolfsburger Kasten. Und was wäre gewesen, wenn er den plötzlich hätte ersetzen müssen? Finke ehrlich: "Ich habe versucht, das auszublenden, ich war schon ziemlich nervös vor dem Spiel."

Finke sagt über sich: "Bei mir dreht sich praktisch alles um Eishockey." Trainieren, gucken, spielen. Der Dannenbütteler spielt seit 13 Jahren für die Grizzlys, inzwischen hilft er auch bei anderen Nachwuchsteams als Co-Trainer oder gibt jüngeren Wolfsburger Goalies Tipps.

Furchner übt mit Finke

Kapitän Furchner übte am Tag danach im weißen Trikot (kein Körperkontakt) beim freiwilligen Training mit Finke und nahm sich des Nachwuchs-Torwarts ein wenig an, indem er ihn mit Schüssen eindeckte und Eins-gegen-eins-Situationen mit ihm probte. "Das war intensiv", meinte Finke, "so ein Spieler weiß genau, wo er hinschießen muss." Furchner freute sich auch: "Lars ist ein guter Junge, dem man anmerkt, welche Freude es ihm macht, bei uns dabei zu sein. Und es ist schön zu sehen, dass jemand aus unserem Nachwuchs auch bei den Profis dabei ist. Das ist wieder ein Ansporn für alle Nachwuchs-Spieler."

Der bewegliche Youngster zeigte einige starke Saves im Training. Ob er am Donnerstag im Heimspiel gegen die Kölner Haie (19.30 Uhr; vorerst letztes Spiel der Grizzlys vor Zuschauern) wieder Ersatz sein wird, ist offen. Strahlmeier, der krank gefehlt hatte, geht es besser. Finke wäre bereit. Vergangene Saison war er in den Play-Offs schon als dritter Torwart lizenziert. In der U20 teilt er sich die Nummer-1-Position mit Leon Grothe, der momentan privat verhindert ist.

In der kommenden Saison wird er Wolfsburg, das kein anderes Herren-Team hat, verlassen müssen. Erst mal kommt das Abi, dann Studium oder Ausbildung, Finke überlegt noch, in welche Richtung es geht. Als Ü20-Spieler könnte sein Weg in die Oberliga oder Regionalliga führen. "Und wenn Wolfsburg mich als dritten Torwart wollen würde, dann würde ich natürlich nicht Nein sagen."