24. Mai 2019 / 11:05 Uhr

Rassismus auf Fußballplätzen: Für Gehrdens Ramzi Ouro-Tagba "ganz normal"

Rassismus auf Fußballplätzen: Für Gehrdens Ramzi Ouro-Tagba "ganz normal"

Tobias Welz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ramzi Ouro-Tagba versucht, rassistische Beleidigungen nicht an sich heranzulassen, sie treffen ihn trotzdem jedes Mal.
Ramzi Ouro-Tagba versucht, rassistische Beleidigungen nicht an sich heranzulassen, sie treffen ihn trotzdem jedes Mal. © Tobias Welz
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Es ist leider noch immer ein Thema: Rassismus auf und neben dem Fußballplatz. Für den in Bassum geborenen Ramzi Ouro-Tagba vom SV Gehrden sind rassistische Beleidigungen "ganz normal". Er habe gelernt, wegzuhören, sich aufs Spiel zu konzentrieren - und vor allem nicht den Spaß am Fußball zu verlieren.

Fußball verbindet. Auf und neben dem Platz. Fußball, Freunde, Bier, Party. Für den 23-jährigen Ramzi Ouro-Tagba ist es aber nicht immer ein Vergnügen, seinem geliebten Hobby nachzugehen. Der defensive Mittelfeldspieler wurde Ende April während des Spiels in Afferde fortlaufend rassistisch beleidigt. „Da kamen so Sprüche, was ich hier suchen würde, ich solle einfach dahingehen, wo ich hingehöre. Als Schwarzer dürfe ich hier eigentlich gar nicht mitspielen“, sagt der 23-Jährige.

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Weghören, aufs Spiel fokussieren

So was komme häufiger vor. „Am schlimmsten war es in Barsinghausen, da wurde ich vor, nach und während des Spiels verbal angegangen“, erzählt der Fußballer.

Ouro-Tagba ist in Bassum bei Bremen geboren, und er spielt seit eineinhalb Jahren für den SV Gehrden. Seine Eltern kommen aus dem westafrikanischen Staat Togo. Rassismus habe ihn schon immer begleitet, auch neben dem Platz. Für ihn sei das „ganz normal“. „Irgendwann findet man sich damit ab“, sagt Ouro-Tagba. Er hätte deshalb gelernt, wegzuhören und sich stattdessen aufs Spiel zu fokussieren.


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Für seinen Trainer Umut Kaya ist eine Toleranzgrenze überschritten, wenn sein Spieler rassistisch beleidigt wird: „Für mich geht so was gar nicht, ich kenne da null Toleranz. Das muss man in allen Lebenslagen deutlich machen, auch auf dem Sportplatz.“ Sein Team war da offenbar ähnlicher Meinung: Die Mannschaft forderte den Schiedsrichter bei dem betreffenden Spiel in Afferde auf, die Zuschauer, die Ouro-Tagba beleidigt hatten, von der Anlage zu verweisen, sonst würde sie den Platz verlassen.

Kein Eintrag im Spielbericht

Der Schiedsrichter reagierte. Er sprach mit dem Spielführer der Heimmannschaft. Der schickte die beiden mutmaßlichen Rassisten weg. Das Spiel ging weiter. Erstaunlich: Im offiziellen Spielbericht steht laut Karl-Heinz Gruber, Staffelleiter der Bezirksliga 3, nichts über den Vorfall. „In dieser Saison wurde noch kein rassistischer Vorfall in der Liga gemeldet“, berichtet Gruber.

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August-Wilhelm Winsmann, Vorsitzender des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) Bezirk Hannover, erklärt: „Ich hätte mir schon gewünscht, dass der Schiedsrichter den Sachverhalt aufnimmt. Darüber hinaus hat er aber sehr richtig gehandelt.“

Diskriminierung bei 0,21 Prozent der Spiele?

Seit der Saison 2014/2015 erhebt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Lagebild des Amateurfußballs. Von dort heißt es: „99,51 Prozent der Spiele laufen störungsfrei, bei 0,31 Prozent der Spiele kam es zu einer Gewalthandlung, bei 0,21 Prozent zu einer Diskriminierung.“ Dabei sei auch aufgefallen, dass „einige wenige Schiedsrichter“ bis heute keine Angaben zu Diskriminierung und Gewalt machen, erklärt DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

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In der Saison 2017/2018 wurden laut DFB 1,31 Millionen Spiele ausgetragen, davon sind 667 abgebrochen worden. Bei 4087 Spielen kam es zu einer Gewalthandlung und bei 2768 Spielen zu einer Diskriminierung. Wie groß die mögliche Dunkelziffer ist, teilte der DFB nicht mit.

Spaß lässt sich Ouro-Tagba nicht nehmen

Ouro-Tagba helfen solche Statistiken wenig. Er wird vermutlich auch in Zukunft damit leben müssen, dass er auf Grund seiner Hautfarbe von Unverbesserlichen beleidigt wird – so wie auch andere Spieler in Deutschland. Er hat inzwischen ein dickes Fell. Seinen Spaß am Fußball will er sich nicht nehmen lassen – auch mit Unterstützung seiner Mitspieler vom SV Gehrden.