28. Juli 2021 / 12:52 Uhr

Rassismus-Eklat bei deutschem Radsport-Team: Dieser Spruch ist schlicht und einfach inakzeptabel

Rassismus-Eklat bei deutschem Radsport-Team: Dieser Spruch ist schlicht und einfach inakzeptabel

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Radsport-Sportdirektor Patrick Moster sorgte bei den Olympischen Spielen für einen Eklat.
Radsport-Sportdirektor Patrick Moster sorgte bei den Olympischen Spielen für einen Eklat. © IMAGO/Matthias Koch/dpa
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Mit seiner rassistischen Entgleisung bei den Olympischen Spielen hat sich Radsport-Sportdirektor Patrick Moster disqualifiziert. Sebastian Harfst, stellvertretender Sportchef des RND, fordert den Verband zum Handeln auf.

Es gibt Dinge, die gesagt werden dürfen. Es gibt Dinge, die sich im rhetorischen Graubereich befinden. Und es gibt Dinge, die deutlich über die Grenze des Sagbaren hinausgehen. Mit der aktuell hitzig geführten Debatte über genau diese Grenzen hat die letztgenannte Kategorie wenig zu tun. Der anfeuernd gemeinte Ruf Patrick Mosters, Sportdirektor der deutschen Radfahrer, gehört zu dieser.

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Man muss es ganz deutlich sagen: Mosters an den in der Verfolgung eines algerischen Athleten befindlichen Nikias Arndt gerichteter Ruf "Hol die Kameltreiber" ist rassistisch. Er bedient hässliche Stereotype. Und an dieser Stelle helfen weder der Versuch der Kontextualisierung noch der Verweis auf die angespannte Situation mitten in einem olympischen Wettkampf. Wie gut, dass TV-Kommentator Florian Naß geistesgegenwärtig genug war und das Gehörte direkt unmissverständlich einordnete. Denn dieser Spruch ist schlicht und einfach inakzeptabel und nicht mit der Hitze des Gefechts zu entschuldigen. Das wäre übrigens auch vor 20 Jahren schon so gewesen, als andere heute umstrittenen Begriffe noch völlig unreflektiert verwendet wurden.

Mehr noch: Der im Einzelzeitfahren der Männer sogar zweimal gefallene Satz, zufällig vom Mikrofon des Begleitmotorrades dokumentiert, zeugt von jenem Alltagsrassismus, der in unserer Gesellschaft anzutreffen ist. Umso unglücklicher ist es, wenn sich jemand, der ständig internationale Wettkämpfe betreut, in aller Öffentlichkeit zu einer derartigen Entgleisung hinreißen lässt. Man fragt sich: Was für Wörter müssen dann erst hinter verschlossenen Türen verwendet werden? Der Bund Deutscher Radfahrer steht von jetzt an unter Beobachtung. Dort muss nun dafür gesorgt werden, dass etwas Vergleichbares nicht mehr vorkommt.