15. Oktober 2019 / 06:59 Uhr

Rassismus-Skandal gegen England: FA fordert Untersuchung durch die UEFA - Sterling: "Bulgarien tut mir Leid"

Rassismus-Skandal gegen England: FA fordert Untersuchung durch die UEFA - Sterling: "Bulgarien tut mir Leid"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die englischen Nationalspieler Raheem Sterling, Jordan Henderson und Harry Kane beschweren sich bei Schiedsrichter Ivan Bebek über die rassistischen Anfeindungen im EM-Quali-Spiel gegen Bulgarien.
Die englischen Nationalspieler Raheem Sterling, Jordan Henderson und Harry Kane beschweren sich bei Schiedsrichter Ivan Bebek über die rassistischen Anfeindungen im EM-Quali-Spiel gegen Bulgarien. © imago images/Sportimage
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Nach den erneuten rassistischen Anfeindungen gegenüber Spielern der englischen Nationalmannschaft im EM-Qualifikationsspiel in Bulgarien fordert der englische Fußball-Verband die UEFA zu Untersuchungen auf. Die englischen Spieler Raheem Sterling und Harry Kane reagieren verärgert auf die Vorfälle. 

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Der englische Fußball-Verband FA hat nach den rassistischen Vorfällen beim EM-Qualifikationsspiel in Sofia Untersuchungen durch die UEFA gefordert. Das schrieb die FA am Montagabend nach dem 6:0-Sieg in Bulgarien. „Wie wir bedauerlicherweise wissen, ist es nicht das erste Mal, dass unsere Spieler von dieser Art Missbrauch betroffen sind“, hieß es in einer Mitteilung. Greg Clarke, der Vorsitzender des Verbandes FA, nannte das Geschehen „eine der schrecklichsten Nächte, die ich je im Fußball gesehen habe.“ Das Spiel war in der ersten Halbzeit zweimal wegen rassistischer Äußerungen von bulgarischen Fans unterbrochen worden. Der Schiedsrichter warnte über den Stadionsprecher vor dem Abbruch der Partie. Er brachte die Partie jedoch zu Ende.

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Es war der nächste Vorfall dieser Art, nachdem die dunkelhäutigen Spieler um Danny Rose und Raheem Sterling bereits bei der Partie in Montenegro im März offen angefeindet wurden. Die UEFA wird sich nun intensiv damit beschäftigen müssen. "Es ist eine der erschütterndsten Nächte, die ich im Fußball erlebt habe", erklärte FA-Präsident Greg Clarke. Englische Spieler hatten schon vor der Begegnung gedroht, den Rasen bei rassistischen Vorfällen gegen einen Spieler verlassen zu wollen. Das taten sie allerdings nicht und feierten ein müheloses 6:0 (4:0). Marcus Rashford (7.), Ross Barkley (20., 32.), Raheem Sterling (45., 69.) und Harry Kane (85.) schossen die Tore. England-Star Sterling von Manchester City twitterte: "Bulgarien tut mir Leid, dass sie von solchen Idioten in ihrem Stadion repräsentiert werden. Wie auch immer. Wir fahren mit einem 6:0 nach Hause und haben zumindest unseren Job gemacht (...)".

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Gleich zwei Mal musste Schiedsrichter Ivan Bebek die Partie in der ersten Halbzeit in Sofia wegen rassistisch motivierter Eskapaden von einheimischen Zuschauern unterbrechen. "Ich glaube nicht, dass es das bei einem Spiel dieser Größenordnung schon mal gegeben hat", sagte ein wütender England-Trainer Gareth Southgate, der sich früh beim Schiedsrichter-Team über den offenen Rassismus gegen seine Spieler beschwert hatte. "Wir haben heute ein wichtiges Zeichen gesetzt mit der Art und Weise, wie wir unter so schwierigen Umständen aufgetreten sind." Beim Stand von 2:0 für die Engländer begannen Anhänger der Gastgeber, englische Spieler rassistisch zu beleidigen und obszöne Gesten zu zeigen.

England-Kapitän Kane: "Rassismus muss endgültig ausgestanzt werden"

Wie schon in Montenegro soll es auch in in der bulgarischen Hauptstadt wieder Affenlaute gegen Englands Spieler Raheem Sterling, Marcus Rashford und Debütant Tyrone Mings gegeben haben. Auch Kapitän Kane twitterte: "Großartige Leistung und ich bin stolz auf das Miteinander, das wir unter einigen schändlichen Umständen gezeigt haben. Rassismus hat keinen Platz in der Gesellschaft oder im Fußball. Es muss endgültig ausgestanzt werden."

Bebek unterbrach das Spiel nach 24 Minuten erstmals und veranlasste eine stadionweite Durchsage. "Bitte seien sie versichert, dass das Spiel ausgesetzt oder sogar abgebrochen werden kann, falls das rassistische Verhalten anhält." Davon ließen die rassistischen Zuschauer sich allerdings nicht beeindrucken. TV-Kameras und Agentur-Fotografen fingen einige vermummte Menschen ein, die unter anderem den Hitlergruß in Richtung von Gästespielern zeigten. Während die erste Unterbrechung nur einige Augenblicke anhielt, musste Bebek nach 42 Minuten nochmals den Spielverlauf stören, diesmal sogar für einige Minuten. Die zweite Hälfte ging dann immerhin ohne Unterbrechungen über die Bühne, nachdem Bulgariens Kapitän Ivelin Popov in der Halbzeit intensiv am Zaun auf die Anhänger einredete.

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Bulgarien-Trainer Balakov: "Rassismus-Probleme gibt es in England weitaus häufiger"

Europameisterschaft 2020: Diese Teams sind qualifiziert

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Die Spiele der EM 2020 finden in zwölf verschiedenen Städten in Europa statt. ©

Nachdem Bulgarien bereits in jüngerer Vergangenheit von der UEFA zu einer Blocksperre für das Spiel gegen England und die nächste Partie gegen Tschechien verurteilt wurde, hatte Bulgariens Nationaltrainer, der ehemalige Bundesliga-Profi Krassimir Balakov, mit Unverständnis reagiert: "Wir haben kein Rassismus-Problem. In unserer Liga spielen viele dunkelhäutige Spieler. Ich finde überhaupt nicht gut, dass dieses Thema so hoch gepusht wird. Diese Probleme gibt es in England weitaus häufiger."