02. Dezember 2021 / 21:00 Uhr

Rassismus-Vorfall beim Leipziger Derby: „Verhalten ist für uns nicht hinnehmbar“

Rassismus-Vorfall beim Leipziger Derby: „Verhalten ist für uns nicht hinnehmbar“

Antje Henselin-Rudolph / Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
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Eine Regenbogen-Flagge mit der Aufschrift „BSG Chemie“ am Zaun. Dahinter Lok-Fans. © Christian Modla
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Nach dem Derby zwischen Lok Leipzig und der BSG Chemie ermittelt das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes in gewohnter Weise wegen des Einsatzes von Pyrotechnik. Befassen müssen sich die Verbandsrichter aber auch mit rassistischen und antiziganistischen Gesängen. Die Probstheidaer bereiten unter anderem wegen letzterer Vorfälle eine Strafanzeige vor.

Leipzig. Auf den ersten Blick verlief das Leipziger Stadtderby zwischen dem 1. FC Lok und der BSG Chemie außerhalb und auf den altehrwürdigen Tribünen des Bruno-Plache-Stadions friedlich, was auch an den häufigen und intensiven Besprechungen zwischen den Messestadt-Rivalen und dem Fanprojekt Leipzig lag. „Ich glaube, wir haben uns noch nie so oft getroffen im Vorfeld einer Partie“, so Lok-Geschäftsführer Alexander Voigt. „Es war wahrscheinlich eines der unspektakulärsten Derbys der vergangenen Jahrzehnte.“

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„Ja, diese Gesänge gab es“

Dennoch befasst sich das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) mit der Begegnung. „Gegen beide Vereine ist wegen unsportlichen Verhaltens der Anhänger ein Verfahren eröffnet worden“, erklärte der Verband auf Anfrage.

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Der 1. FC Lok Leipzig konnte am Sonntag das 104. Derby für sich entscheiden. Die Blau-Gelben gewannen knapp mit 1:0 gegen aufopferungsvoll kämpfende Leutzscher. Zur Galerie
Der 1. FC Lok Leipzig konnte am Sonntag das 104. Derby für sich entscheiden. Die Blau-Gelben gewannen knapp mit 1:0 gegen aufopferungsvoll kämpfende Leutzscher. ©

Dabei geht es zum Einen um den Einsatz von Pyrotechnik, zum Anderen aber auch um rassistische sowie antiziganistische Gesänge von Anhängern der Heimmannschaft. Die wurden nicht im Lok-Fanblock, sondern von einer etwa 20 Personen starken Gruppe angestimmt, die neben dem Spielertunnel Posten bezogen hatte. Die Gruppe beließ es nicht bei den Gesängen, sondern präsentierte am Zaun eine Regenbogen-Fahne – das Symbol der LGBTQI+-Szene – mit BSG-Chemie-Schriftzug. Zudem soll Ex-Lok-Profi Stephane Mvibudulu, aktuell in Diensten der Grün-Weißen, mit Affenlauten beleidigt worden sein.

Die Probstheidaer bestätigten den Vorgang gestern auf Anfrage teilweise. „Ja, diese Gesänge gab es“, sagte Geschäftsführer Martin Mieth, der sich im Innenraum aufhielt. „Der Stadionsprecher hat daraufhin eine Durchsage gemacht. Wir haben die Polizei und die Ordnungskräfte darauf und auf die Fahne hingewiesen, außerdem sofort das Gespräch mit den Verantwortlichen von Chemie gesucht.“ Stoßrichtung der Kommunikation: „Wir billigen ein solches Verhalten nicht.“

NOFV fordert Stellungnahmen von beiden Clubs

Speziell die Fahne hatte bereits während der Partie in den sozialen Netzwerken für Wirbel gesorgt, wurde sie doch – sicher nicht zu Unrecht – als homophobe Aktion verstanden. „Nach Rücksprache mit der Polizei und den Ordnungskräften wurde entschieden, die Fahne nicht gewaltsam zu entfernen“, so Mieth. Man befürchtete andernfalls eine Eskalation. Gegen Ende der Halbzeitpause war das Stück Stoff dennoch verschwunden. Die mit giftgrünen Mund-Nasen-Bedeckungen weithin sichtbaren Anhänger blieben dennoch weiterhin im Blick. Nach Abpfiff verließen die Chemie-Kicker auch ihretwegen den Platz durch das Einfahrtstor und nicht durch den Spielertunnel. „Wir hatten bereits vor der Partie gemeinsam mit der Polizei, dem Sicherheitspersonal und Chemie besprochen, das gegebenenfalls so zu organisieren“, erklärte Mieth dazu. Das sei in der Vergangenheit bereits praktiziert worden, beispielsweise beim Gastspiel des Chemnitzer FC im Bruno-Plache-Stadion im Mai 2017 (Pokalfinale).

Der Geschäftsführer bereitet aktuell die Stellungnahme des 1. FC Lok zu diesen Geschehnissen vor. Die hat der NOFV von beiden Vereinen angefordert, nachdem der Vorfall dem Spielbeobachter des Verbandes gemeldet und auch im Sonderbericht vermerkt worden war. Nach SPORTBUZZER-Informationen geschah dies auf Initiative der BSG Chemie. Eine Anfrage dieser Zeitung zum Sachverhalt ließen die Leutzscher bis gestern Abend unbeantwortet.


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Im Einsatzbericht der Polizei taucht der Sachverhalt indessen nicht auf, wohl aber der Einsatz von Pyrotechnik. Die Behörde teilte am Donnerstag auf Nachfrage mit, es habe hinsichtlich der Gesänge kein Verdacht auf eine Straftat bestanden. Gut möglich, dass dennoch noch einmal Ermittlungen aufgenommen werden müssen. Denn der 1. FC Lok hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. „Das Verhalten dieser vereinzelten Personen ist für uns nicht hinnehmbar“, so die Lok-Verantwortlichen.