17. Oktober 2020 / 23:24 Uhr

Raus aus dem "Gascho": Darum jubelte Wolfsburgs Weghorst mit Zeugwart Rüttger

Raus aus dem "Gascho": Darum jubelte Wolfsburgs Weghorst mit Zeugwart Rüttger

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wout Weghorst jubelt mit Zeugwart Heribert Rüttger nach dem 1:1
Wout Weghorst jubelt mit Zeugwart Heribert Rüttger nach dem 1:1 © 2020 Getty Images
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Endlich sein erstes Saisontor in der Bundesliga: Wout Weghorst traf für den VfL Wolfsburg zum 1:1 in Mönchengladbach. Hinterher wollte er nur mit einem jubeln: Zeugwart Heribert Rüttger. Und dafür gab's einen Grund.

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Den Jubel der Teamkollegen wehrte er ab, rannte schnurstracks auf die Bank zu und hielt sich dabei die Finger der rechten Hand wie Gitterstäbe vors Gesicht: Wout Weghorst wollte sein Tor zum 1:1-Endstand für den VfL Wolfsurg in Mönchengladbach auf besondere Art feiern, rannte direkt auf Zeugwart Heribert Rüttger zu - und klatschte mit ihm ab. Die Erleichterung stand dem Wolfsburger Torjäger dabei ins Gesicht geschrieben - im vierten Spiel war ihm endlich der erste Bundesliga-Saisontreffer gelungen.

Der VfL in Mönchengladbach - Die Bilder des Spiels

Saturday Night im Borussia-Park: Das Spiel begann um 20.30 Uhr Zur Galerie
Saturday Night im Borussia-Park: Das Spiel begann um 20.30 Uhr ©

Aber warum der Jubel mit Rüttger, dem Zeugwart-Urgestein (vor 21 Jahren holte ihn Trainer Wolfgang Wolf nach Wolfsburg) des VfL? Weghorst klärt auf: "Ja, mit Herbie sind das immer so Geschichten. Ich gehe von der Kabine manchmal runter zu ihn, dann trinken wir Kaffee, quatschen ein bisschen, haben Spaß." In den vergangenen Woche gab es dabei offenbar einen Running Gag - Rüttger erklärte dem Niederländer, was das Pfälzer Dialekt-Wort "Gascho" bedeutet - nämlich Gefängnis. Ob der Zeugwart dabei sein kleines Reich im VfL-Center meinte oder Weghorsts mentales "Torlos-Gefängnis", blieb offen.

Aber, so der Torschütze: "Ich glaube, dass es wenige Menschen in Deutschland gibt, die wissen, was dieses Wort bedeutet. Wir hatten die ganze Woche Spaß mit diesem Wort, haben Herbie ein bisschen veralbert. Und ich habe gesagt, wenn ich treffe, dann laufe ich zu dir, dann geht's mal raus aus dem Gascho..." Das Wort "Gascho" kommt übrigens vom französischen "Cachot" - Gefängnis -, das zu Zeiten Napeleons im frühen 19. Jahrhundert nach Deutschland kam und unter anderem im Rüttgers Pfälzer Heimat hängen geblieben ist.

Zum Spiel meinte Weghorst, der vor der Saison von Tottenham umworben wurde: "In der zweiten Halbzeit war mehr drin, da sind wir die bessere Mannschaft gewesen, haben bessere Möglichkeiten gehabt." Dass nach dem Elfer-Gegentor noch der Ausgleich fiel, sei absolut verdient gewesen." Dass er selbst endlich traf, sei "eine persönliche Erleichterung geweesen". Generell aber bleibt die Offensive das Problem. In der ersten Halbzeit gab es gar keinen Abschluss (Weghorst: "Nur ein halber Kopfball von mir"), nach dem Seitenwechsel kam bei guten Chancen zu wenig rum. "Wir arbeiten hart daran, uns viele Möglichkeiten zu erarbeiten", so der Torschütze, "machen viel im Training, um unser Angriffsspiel im letzten Dritte zu verbessern." Wenn's nicht klappt, sei das "gerade für mich als Stürmer nicht einfach, ich brauche die Bälle in die Box, davon lebe ich".

Baku: Torvorlage beim Startelf-Debüt

In Mönchengladbach bekam er diesen Ball in entscheidenen Moment - von Neuzugang Ridle Baku. Der Ex-Mainzer legte nach einer abgeblockten Flanke von Josip Brekalo den Ball geistesgegenwärtig für Weghorst auf und war zufrieden mit seiner Startelf-Premiere als Rechtsverteidiger. "Ich bin super froh, dass ich direkt das Vertrauen bekommen haben", sagte er - will aber von Stammplatzansprüchen noch nichts wissen: "Ich muss erst einmal richtig ankommen, mich dann peu à peu hocharbeiten und mich entwickeln." In der vergangenen Woche sei es "relativ schnell gegangen, ich kam von der U21 zurück und hatte dann nur zwei Einheiten". Per Videostudium hatte ihm Trainer Oliver Glasner das VfL-Spiel näher gebracht - und hatte keine Bedenken, ihn von Beginn an zu bringen: "Er hat ja schon ins Mainz und in der U21 auf der Position gespielt - und es ist ja nicht so, dass wir ganz anders spielen als alle anderen Mannschaften."

<b>Koen Casteels</b>:  Der Belgier hatte in der ersten Halbzeit recht wenig zu tun, hatte aber einmal großes Pfosten-Glück. Und dann verschuldete der Keeper in der 74. Minute den Elfmeter, an dem er aber noch dran war. - Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels:  Der Belgier hatte in der ersten Halbzeit recht wenig zu tun, hatte aber einmal großes Pfosten-Glück. Und dann verschuldete der Keeper in der 74. Minute den Elfmeter, an dem er aber noch dran war. - Note: 3 ©

Lacroix wird "lernen, nicht den Außenrist zu nehmen"

Insgesamt war Glasner mit dem Punkt zufrieden: "In der ersten Halbzeit hatten wir ein paar Probleme mit den sehr guten langen Bällen der Gladbacher. In der zweiten Halbzeit war es dann ein sehr, sehr guter Auftritt von uns - vor allem, wie wir nach dem Elfmeter zurückgekommen sind. Am Ende ist der Punkt verdient und ein gerechtes Ergebnis."

Den Elfmeter hatte Maxence Lacroix mit einem schlampigen Rückpass zu wesentlichen Teilen verschuldet. "Keine Vorwürfe an ihn, er hat ein gutes Spiel gemacht - bis auf den Fehler. Das ist Teil der Entwicklung, das gehört dazu. Er wird lernen, in so einer Situation nicht den rechten Außenrist zu nehmen, sondern die linke Innenseite, das ist koordinativ ein bisschen einfacher..." Es sei schön, dass "wir das dann als Mannschaft korrigiert haben, das schweißt zusammen - und deswegen ist ihm niemand böse". Außerdem sei der 20-Jährige "lernbereit, da mache ich mir keine Gedanken."