26. Januar 2022 / 15:40 Uhr

Raus aus der "Wohlfühloase": Becker sucht bei Hansa Rostock den Neuanfang

Raus aus der "Wohlfühloase": Becker sucht bei Hansa Rostock den Neuanfang

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Hansa-Verteidiger Timo Becker
Hansa-Verteidiger Timo Becker © LUTZ BONGARTS
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Bei Schalke zuletzt hinten dran, bei Hansa sofort erste Wahl: Timo Becker könnte der Rostocker Defensive im Abstiegskampf zu mehr Stabilität verhelfen.

Dass Schalkes Trainer Dimitrios Grammozis in dieser Saison keine Verwendung mehr für Timo Becker hatte, könnte sich für Hansa und den Defensivmann als Glücksfall erweisen. Denn Beckers Kaltstart in Rostock war vielversprechend. Zwei Tage nach seinem Wechsel vom Ruhrpott an die Ostseeküste warf Jens Härtel den Winterneuzugang ins kalte Wasser, und der erledigte seinen Job bei der Nullnummer gegen Heidenheim gleich zur Zufriedenheit des Trainers. „Timo ist von Anfang an gut drin gewesen, hat uns in der Luft gut geholfen, viele Bälle weggenommen und mit seiner Geschwindigkeit ein paar Sachen abgelaufen“, lobt Härtel.

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Nicht viel mehr als 48 Stunden lagen zwischen Beckers erster Trainingseinheit mit der neuen Mannschaft und seinem Debüt im Hansa-Trikot. Er habe im Abschlusstraining gemerkt, dass er gegen Heidenheim anfangen dürfe. „Darüber habe ich mich natürlich gefreut. Der Trainer hatte mir schon in unserem Gespräch am Telefon ein gutes Gefühl vermittelt und mir gesagt, dass er mich braucht“, sagt der 24-Jährige. Ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl für den Verteidiger, der für den Bundesligaabsteiger in dieser Saison nur zu fünf Kurzeinsätzen kam. Zuletzt spielte Becker vor vier Monaten für zwei Minuten beim Schalker Sieg in Rostock.

Hansa-Zugänge in der Amtszeit von Sportchef Martin Pieckenhagen



Erik Engelhardt (2019-21) Zur Galerie
Erik Engelhardt (2019-21) ©

Bei den Königsblauen trainierte der gebürtige Hertener (Nordrhein-Westfalen) zwischenzeitlich sogar mit der der Regionaliga-Mannschaft. Zuletzt dann wieder bei den Zweitliga-Profis, allerdings ohne Aussicht auf einen Einsatz. Er sei „aktuell ein bisschen hinten dran“, meinte Grammozis wenige Tage vor Beckers Wechsel zum Koggenklub. Der Coach hofft, dass dem flexibel einsetzbaren Verteidiger die Luftveränderung guttun wird. „Man hat in der Vergangenheit schon häufig Beispiele gesehen, wo es im Heimatverein weniger geklappt hat, dann aber ein Schalter umgelegt wurde. Man kommt ein bisschen aus seiner Wohlfühloase heraus“, sagte der Ex-Profi.

In der Bundesliga-Rückrunde 2020/21 war Becker noch Stammspieler, nach dem Abstieg verlor er seinen Platz. „Zu Beginn dieser Saison hat mich Trainer Dimitrios Grammozis noch eingewechselt, irgendwann habe ich gar keine Rolle mehr gespielt“, so der variabel einsetzbare Verteidiger, der den ersten Schritt in Richtung Neuanfang gut gemeistert hat. Obwohl es den Tagen vor seiner Premiere im Ostseestadion für ihn „drunter und drüber“ gegangen“ sei, erzählt der Neu-Rostocker. „Die Anspannung vor dem ersten Pflichtspiel für meinen neuen Verein war groß.“ Seine Teamkollegen hätten ihn aber gut aufgenommen: „Es fiel mir leicht, mich zu integrieren.“

Und das zeigte sich dann auch bei seinem Debüt im Hansa-Trikot, als er auf seiner „1b-Position“ (Härtel) als Außenverteidiger effektiv abräumte und damit Anteil am ersten „zu Null“ des Aufsteigers seit Monaten hatte. Seine Kraft reichte für gut 70 Minuten, dann nahm Härtel ihn runter. Im Test gegen Pogon Stettin kann Becker am Freitag weitere Matchpraxis sammeln und sich für das prestigeträchtige Ostderby in Dresden empfehlen. „Ich bin kein schüchterner Typ, habe Selbstvertrauen mitgebracht und will meine Chance nutzen“, sagt er und ist zuversichtlich, dass er mit Hansa den Klassenerhalt schaffen kann: „Gegen Heidenheim haben wir gezeigt, dass wir nicht in den Tabellenkeller gehören.“

Einen Abstieg wie im Vorjahr mit Schalke will er nicht noch mal erleben. Bei den Königsblauen steht Timo Becker noch bis Sommer 2023 unter Vertrag, die Leihe zum FC Hansa ist bis zum Saisonende datiert. Was dann kommt, beschäftigt den Defensivspezialisten noch nicht. „Das ist viel zu weit weg. Ich schaue von Spiel zu Spiel, möchte eine gute Rolle im Team spielen und mich einbringen.“ Am liebsten natürlich wieder vor Fans, die in Rostock ähnlich fußballverrückt sind wie auf Schalke. Für die Anhänger, deren Wucht und Stimmung, sei Hansa überall bekannt, sagt Becker: „Das ist mir noch gut aus dem vergangenen Jahr in Erinnerung ist, als ich mit Schalke im Ostseestadion aufgelaufen bin.“


Das nächste Heimspiel steht am 11. Februar gegen Werder Bremen an. Vieles deutet darauf hin, dass sich dann auch Stadionbesucher von den Qualitäten des neuen Hansa-Verteidigers überzeugen können.