05. Dezember 2021 / 11:51 Uhr

RB-Boss Mintzlaff bestätigt nach Marsch-Trennung: Trainer zweifelte schon länger

RB-Boss Mintzlaff bestätigt nach Marsch-Trennung: Trainer zweifelte schon länger

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Aufsichtsratsvorsitzender Oliver Mintzlaff
RB Leipzigs Vordstandschef Oliver MIntzlaff muss einen neuen Trainer suchen. © Getty Images
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Unmittelbar nach der Trennung von Coach Jesse Marsch hat RB Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff sich öffentlich zur Personalie geäußert. Dabei offenbarte er, dass der Coach schon seit einigen Wochen an seiner Eignung für den Job bei RB zweifelte. Und auch, dass es mit einem Nachfolger vielleicht nicht ganz so schnell gehen wird.

Leipzig. Es hat nicht gepasst und ganz offensichtlich war das zumindest Jesse Marsch schon seit einiger Zeit klar. Das bestätigte RB Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff am Sonntagvormittag im Sport1-Doppelpass, rund eine Stunde, nachdem der Club verkündet hatte, dass der US-Amerikaner nicht länger an der Seitenlinie stehen wird. „Jesse kam schon nach dem siebten und dem zehnten Spiel auf uns zu und sagte: Ich weiß nicht, ob ich der richtige Trainer für die Mannschaft bin. Ich weiß nicht, ob meine Philosophie zur Mannschaft passt.“

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"Nicht der 'Perfect Fit' zwischen Mannschaft und Trainer"

Skeptiker hatten bereits bei der Verkündung des Wechsels von Marsch an den Cottaweg Zweifel an der Personalie angemeldet. Zwar hatte der US-Amerikaner mit Salzburg zweimal in Folge das österreichische Double gewonnen, galt als begnadeter Motivator. Aber so Mancher war dann doch unsicher, ob das von Julian Nagelsmann zwei Jahre auf Ballbesitzfußball getrimmte Team die Umstellung hin zu Balljagd und Umschaltspiel so würde mitgehen können. „Die Mannschaft hat in den vergangenen Jahren eine andere Entwicklung genommen. Wir waren ein Stück weg vom klassischen RB-Fußball. Dieses Element wollten wir wieder mehr herausstellen“, so Mintzlaff.

DURCHKLICKEN: Sie saßen bisher bei RB auf der Bank

<b>Tino Vogel:</b> In RB Leipzigs erster Fußballsaison (2009/10) überhaupt, agierte Tino Vogel als Cheftrainer, bevor es für ihn über die U19 in die zweite Mannschaft von RB ging. Nachdem er am Saisonende 2016 die U23 abgeben musste, übernahm das Urgestein des Clubs die Aufgabe als RB-Scout. Zur Galerie
Tino Vogel: In RB Leipzigs erster Fußballsaison (2009/10) überhaupt, agierte Tino Vogel als Cheftrainer, bevor es für ihn über die U19 in die zweite Mannschaft von RB ging. Nachdem er am Saisonende 2016 die U23 abgeben musste, übernahm das Urgestein des Clubs die Aufgabe als RB-Scout. ©

Man sei davon ausgegangen, dass das klappen kann. „Wir sind mit großer Überzeugung, einem guten Gefühl und einem tollen Kader in die Saison gegangen.“ Aber, erklärte der RB-Boss am Sonntag: „Das eine ist manchmal die Theorie, das andere die Praxis. Die Mannschaft war nicht zu 100 Prozent bereit, dieser Überzeugung und den Matchplänen zu folgen.“ Oder anders ausgedrückt: „Es war nicht der ‚Perfect Fit‘ zwischen Mannschaft und Trainer.“ TV-Experte Dietmar Hamann formulierte es am Sonntag in der Sky90-Debatte so: "RB ist aus dem Powerfußball in den letzten Jahren herausgewachsen – der ist irgendwann nicht mehr zeitgemäß. Ich denke, dass die Spieler den Powerfußball auch nicht mehr wollen, nachdem sie unter Julian Nagelsmann spielerisch deutliche Fortschritte gemacht haben."

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Keine kurzfristigen Aktionen

Richten oder zumindest nicht verschlechtern soll die Lage nun erst einmal Achim Beierlorzer, neben Marco Kurth bisher Co-Trainer im Team Marsch. Dass der 54-Jährige nur für eine Partie auf dem Chefsessel Platz nehmen wird, ist unwahrscheinlich. Denn, auch wenn RB laut Mintzlaff nicht gänzlich „im Dunkeln tappt“, war der Club „jetzt nicht täglich auf der Suche nach einem Ersatz“. Überstürzen wollen sie am Cottaweg also nichts. Das war in der Vergangenheit ohnehin nie die Devise der Verantwortlichen.

„Wir werden jetzt die notwendigen Gespräche führen.“ Achim Beierlorzer werde am Dienstag gegen Manchester City, am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach und wenn nötig noch weitere Partien auf der Bank sitzen. „Wir wollen spätestens zur Rückrunde einen Nachfolger präsentieren“, so Mintzlaff.

Hamann: "Keinen aus der RB-Schule holen"

Zu möglichen Kandidaten, wie etwa Domenico Tedesco, Rúben Amorim oder Roger Schmidt, wollte sich der RB-Vorstandschef nicht äußern. "Wer in der Bundesliga nicht in der Lage ist, ein Spiel mit dem Ball zu kontrollieren, bekommt Probleme, dauerhaft in der Champions League zu spielen. Ich würde dem Verein raten, jetzt keinen Trainer aus der RB-Schule zu holen", sagte Dietmar Hamann.

Bayern Münchens Vorstand Oliver Kahn betrachtet die Situation in Leipzig von der Isar aus mit Ruhe - und sieht die aktuelle Entwicklung bei RB nur als Zwischentief. "Manchmal geht es um Details, die ich aus der Ferne nicht beurteilen kann. Rückschläge sind für einen so jungen Verein normal", meinte er am Sonntag. "Aber sie wollen und werden wieder oben angreifen"