06. Mai 2022 / 15:48 Uhr

RB-Fans erleben in Glasgow pure Gänsehaut-Magie: "Das ganze Stadion ist ein einziger Fanblock"

RB-Fans erleben in Glasgow pure Gänsehaut-Magie: "Das ganze Stadion ist ein einziger Fanblock"

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Dieser Blick bot sich aus dem RB-Block im Ibrox-Stadium.
Dieser Blick bot sich aus dem RB-Block im Ibrox-Stadium. © Johannes David
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Vier Mal explodierte das Stadion förmlich: Drei Mal bei den Rangers-Toren und einmal zum Abpfiff. Sportlich war es ein ernüchternder Abend für die Fans von RB Leipzig. Aber auch ein Erlebnis, das sie so schnell nicht vergessen werden. LVZ-Sportredakteur Johannes David, der die RB-Anhängerinnen und -Anhänger nach Glasgow und in Glasgow begleitete, schildert seine Eindrücke von 90 unvergesslichen Minuten im Ibrox-Stadium.

Glasgow. 1000 Menschen, eingekesselt von entfesselten 49.000 anderen Menschen, von ekstatisch eskalierenden Körpern, von Fußball-Hymnen aus berstenden Kehlen – auch ohne Verstärker lauter als jedes AC/DC-Konzert. Da kann man sich im Gästefanblock verdammt, verdammt klein vorkommen. Und schlagartig wird einem wieder klar: Ein Stadion ist nur so schön wie sein wichtigster Inhalt, in diesem Fall die unfassbaren Schlachtenbummler der Glasgow Rangers im Ibrox am Donnerstagabend.

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Beim 3:1 brechen alle Dämme

Die Anhänger von RB Leipzig stehen teils staunend, teils eingeschüchtert schweigend, teils wehrhaft singend, schreiend, klatschend in ihrer kleinen Ecke. Ist eigentlich auch egal, wie man sich verhält: Wenn ein überfallartiges „Glasgow Rrrrrrangers“ das eckige Rund erfüllt, versteht man weder den eigenen Schrei, geschweige denn etwas so Banales wie Schiedsrichterpfiffe. Pure Gänsehautmagie im Halbfinale der Europa League. „Das ganze Stadion ist ein einziger Fanblock“, beschreibt ein Leipziger hinterher seine Eindrücke. „Da gibt es kein Anfang und kein Ende.“

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Aber es gibt ein Zwischendrin, in dem die Hausherren durchaus kürzer treten. Selbst sie können ihr Support-Tempo nicht 90 Minuten lang hochhalten. Kunstpausen nimmt sich der Anhang bereits in der ersten Halbzeit – und erst recht nach dem Anschlusstreffer Mitte des zweiten Durchgangs. Da übernimmt plötzlich die kleine Leipziger Delegation zumindest für ein paar Momente die Deutungshoheit. Das ändert sich naturgemäß spätestens mit dem 3:1 und dem völligen Ausnahmezustandserdbebenhaftentaumel.

Die Stille nach dem Lärm ist erdrückend

Als langsam Ruhe einkehrt, sich das Stadion langsam leert, zollen viele Rangers-Anhänger den Gästefans Respekt und applaudieren in ihre Richtung. Da gewinnt der ausgelutschte Satz „raus mit Applaus“ eine ganz neue Bedeutung. Und die Bekundungen des Zuspruchs reißen nicht ab. Draußen nuschelt einer im tiefblauen Trikot den RB-Getreuen ein „good atmosphere“ entgegen, verteilt Schulterklopfer und weitere wahrscheinlich warme, aber leider unverständliche Worte.

Aller Trost hilft in dieser dunklen Abendstunde nichts: Die Stille nach dem Lärm ist erdrückend. Die Karawane der hängenden Köpfe trottet von dannen. Erst beim gemeinsamen Abschiedsbier im Flughafen-Hotel löst sich der kollektive Leipziger Schauder. Abermals sind ein paar Rangers-Fans dabei, strecken während eines wirklich allerletzten Abschiedsbechers die Daumen in die Höhe, „save trip home“ – „kommt gut nach Hause“. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Eventuell hat sich bis dahin auch die Gänsehaut wieder gelegt.