28. Dezember 2013 / 12:20 Uhr

RB-Keeper Coltorti: "Komme in noch besserer Form zurück"

RB-Keeper Coltorti: "Komme in noch besserer Form zurück"

Torsten Teichert und Kristina Ahnert
Leipziger Volkszeitung
Fabian Franke, Fabio Coltorti und Sebastian Heidinger (v.l.n.r.).
Fabian Franke, Fabio Coltorti und Sebastian Heidinger (v.l.n.r.). © Christian Nitsche
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Exklusives Sportbuzzer-Interview mit dem verletzten Leistungsträger und Publikumsliebling.

Er ist eine der Säulen im Team von RB Leipzig und neben Kapitän Daniel Frahn ein Publikumsliebling des Drittligisten: Der 33 Jahre alte Torhüter Fabio Coltorti spricht im exklusiven Sportbuzzer-Interview über seine Familie, Trainer Alexander Zorniger und sportliche Ziele. Der Schweizer hatte im November in der Partie gegen Rostock einen Innenbandriss im Knie erlitten, dürfte aber nach der Winterpause wieder zwischen den Pfosten stehen.

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Wie fällt denn Ihre Bilanz für das RB-Jahr 2013 aus?

Es war sehr erfolgreich. Das erste halbe Jahr war sehr emotional mit dem Auftstieg. Wir hatten eine spezielle Phase mit dem ganzen Druck. Wir wussten sehr früh, dass wir da in die Finalspiele kommen – dort kam das Erlebnis mit der Verlängerung und am Schluss hat es geklappt. Das war emotional, und die Freude sehr groß. Dann ging es schnell weiter mit der dritten Liga. Alle waren sehr gespannt, was da auf uns zukommt. Wir haben viele Punkte gesammelt, sind momentan an zweiter Stelle. Wir haben noch Potenzial uns weiter zu verbessern. Wir wollen uns ja vorn festbeißen – mit dem ganzen Jahr können wir zufrieden sein.

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Das Ziel des Vereins ist die Bundesliga, sehen Sie sich da auch persönlich auf dem richtigen Weg?

Das Ziel war für mich im Kopf klar, als ich hier unterschrieben habe. Aber ich wusste, dass dies hier kein Selbstläufer ist. Wir haben das gesehen, es mussten viele Hürden übersprungen werden, und es bleiben auch welche in jeder Saison. Aber die Herausforderung, als älterer und erfahrener Spieler der Mannschaft auf und neben dem Platz zu helfen, war sehr interessant – es hat sich herausgestellt, dass ich das so wahrnehmen kann. Von den Leistungen her bin ich mit mir selbst zufrieden, ich bin in Leipzig gut angekommen. Und ich freue mich auf weitere Jahre hier in Leipzig erfolgreich Fußball zu spielen.

Es gab auch Skepsis gegenüber RB, haben Sie das wahrgenommen?

Ich bin ja auch erst eineinhalb Jahre hier – ich habe gehört von den Gegnern. Aber hier in Leipzig ist die Akzeptanz sehr groß. Ich selbst habe es selbst nie erlebt, dass viel Hass auf uns kommt, kenne das nur vom Hörensagen. Am Anfang hat man da skeptisch draufgeguckt. Aber wenn man sieht, wie das Projekt seine Bahn genommen hat – das neue Trainingszentrum wird gebaut, die neue Geschäftsstelle ist da, das neue Clubheim ist eröffnet. Es entsteht etwas, das ganz Leipzig gut tut. Das Stadion mit vielen Fans zeigt uns, dass die Akzeptanz größer wird. Wir können mit guten Leistungen beitragen, dass es schnell nach oben geht und den Leuten im Stadion Freude bereiten.

Kritik kommt von Anhängern der Leipziger Traditionsvereine - wie empfinden Sie das?

Ich komme von außerhalb, da sieht man das immer bisschen anders. Aber ich befasse mich mit Leipzig, mit der Stadt. Aus Gesprächen weiß ich, was für eine Tradition hier war früher, und auch immer noch da ist. Aber wenn man vierte Liga spielt, da waren wir vorige Saison auch noch, da erfolgreich sein und in die Bundesliga will, dann ist das ohne Geld, ohne Sponsoren nicht machbar. Das RB-Projekt läuft in seriösen Bahnen. Ich war auch schon in einem Verein, da kam ein Käufer und ist wieder abgedüst. Das kennt man als Negatives. Aber hier bei RB ist es seriös. Das Konstrukt ist sehr vielversprechend. Die Familien, die Fans kommen ins Stadion, um Freude zu haben – von Jahr zu Jahr werden sie sich noch vermehren. Es wird nicht lange dauern und wir können das Stadion ganz füllen.


Ihnen schlägt große Sympathie entgegen, Sie sind ein Publikumsliebling - wie kommt das? 

Ich bin wie ich bin, verstelle mich nicht. Ich bin als Fußballer viel herumgekommen, habe viele Länder und Vereine erlebt. Ich versuche, mich in die Region hineinzuleben. Ich werde nie ein Leipziger sein – aber ich versuche, mich zu identifizieren. Wichtig ist die Leistung auf dem Platz. Wenn man gut spielt als Fußballer, kommen die Sympathien von allein. Wenn man schlecht spielt, dann kommt von allein das Gegenteil. Ich versuche erstmal der Mannschaft zu helfen, auf und neben dem Platz. Als erfahrener Spieler auch Freude zu haben und zu vermitteln. Ich versuche, die Zeit in Leipzig zu genießen. Wenn ich früher oder später zurück in meine Heimat oder nach Spanien gehe, dann möchte ich da in Leipzig für mich etwas mitgenommen habe.

Die Verletzung ist nun aber ein Rückschlag für Sie?

Zurückwerfen wird mich das überhaupt nicht. So eine Verletzung ist immer eine Chance. Man kann sich Fragen stellen, bekommt Antworten für sich, auf fußballerischen Gebiet und außerhalb vom Fußball. Für mich ist es eine gute Möglichkeit, mental früher abzuschalten, denn die Drucksituation von Spielen ist nicht da. Das wird helfen, in der Rückrunde mental frischer zurückzukommen. Ich kann mich körperlich wieder neu aufbauen, habe eine sechs- siebenwöchige Aufbauphase, die ich jetzt durchziehen kann. Das wird helfen, wenn ich im Januar zur Mannschaft stoße, in besserer Form als vorher zu sein. Durch die Winterpause habe ich nicht viele Spiele verpasst. Die Erfahrung habe ich schon in der spanischen Primera Division gemacht, dass ich monatelang nicht gespielt habe und dann auf höchstem Niveau sofort Leistung abrufen musste. Klar, ich bin nicht gerne verletzt. Aber es ist eine Chance, besser zurückzukommen als vorher.

Ist das schon die Mannschaft, mit der RB aufsteigt?

Wir haben eine gute Mannschaft und gegen jeden Gegner die Chance zu gewinnen – wenn wir unsere Leistung bringen. Wenn nicht – dann sieht man, dass wir dann Mühe haben können. Die Liga ist ausgeglichen. Wir stehen gut da. Wenn wir eine eine gute Vorbereitung machen, wenn sich jeder ein bisschen verbessert, dann ist die Chance groß vorn zu bleiben. Jetzt vom Aufstieg zu sprechen, ist zu früh. Es sind noch viele Spiele. Es liegt an uns hart zu arbeiten, uns zu verbessern, Und wenn wir am Schluss vorn dabei sind - dann wird es gut sein.

Was für ein Typ ist denn Trainer Alexander Zorniger?

Kurz und knackig, sehr fordernd. Er sieht sich selbst immer als Perfektionist, er ist früh da und geht spät nach Hause. Er hat auf alle Fragen eine Antwort, die auch Sinn macht. Das ist wichtig, es gibt auch Trainer, da haben die Antworten nicht soviel Sinn. Das Wichtigste für die Spieler ist, er ist sehr fordernd. Wenn ein Spieler sinnvolle Verbesserungsvorschläge kriegt, kann er sich auch verbessern. Er ist ein guter Trainer für junge Spieler. Er ist auch ein Trainer, der seiner Mannschaft zuhört, die Tür ist immer offen. Man kann zu ihm gehen, über Probleme sprechen, über Fußball und neben dem Fußball. Er hat immer Verständnis. Deshalb ist das auch ein sehr wichtiges Puzzleteil, dass RB erfolgreich ist. Er macht sein Arbeit sehr gut. Es ist manchmal sehr mühsam, anstrengend. Aber wer Erfolg haben will, muss hart arbeiten.

Und was für ein Torwarttyp sind Sie in der Selbsteinschätzung?

Ich kann mich dem Spielsystem anpassen. Ich habe Trainer gehabt, die haben defensiv spielen lassen. Ich habe Trainer gehabt, die offensiver spielen. Bei uns ist offensives Verteidigen der Grundstein. Deshalb muss ich als Torwart mitspielen. Zum Glück habe ich mit dem Fuß auch früher trainiert, habe auch als Fußballer eine gewisse Qualität. Am Ende ist es aber bei jedem Verein gleich – die Bälle kommen auf das Tor und du musst sie halten. Bei uns ist offensive Torwartspiel notwendig.

Und dann ist der Ärger groß, wenn die Schiedsrichter falsch entscheiden. Was halten Sie von Torlinientechnik?

Die wird kommen, früher oder später. Ich kann das aber nicht beeinflussen. Ich versuche so zu trainieren, dass ich viele Bälle halte, die nicht auf die Linie prallen. Dann gibt es die Diskussion nicht. Es gibt sicher Mannschaften, die benachteiligt worden sind. Aber auf die Länge der Karriere gleicht sich das aus. Ich sehe das deshalb nicht so dramatisch.

Weihnachten und Jahreswechsel sind eine besinnliche Zeit, Gelegenheit auch für eine private Bilanz. Leidet das Familienleben durch den Job in Deutschland?

Es kommt zu kurz. Ab es ist bewusst gewählt. Meine Familie wohnt in Spanien, meine Tochter geht da zur Schule. Die Distanz ist größer als normal, ich sehe meine Frau und meine Tochter weniger als normal. Mit dem Trainer und dem Verein ist es abgesprochen, und sie sehen es großzügig, dass ich an verlängerten Wochenenden nach Hause kann. Wenn ich im Sachsenpokal nicht spiele oder ein freies Wochenende ist, dann kriege ich einen Tag länger frei, damit ich die Familie regelmäßig sehen kann. Die Entscheidung ist mit der Familie getroffen, der Standort für die Schule dort gewählt, wo wir später leben möchten. Im Fußball weiß man nicht immer, wie lange man wo bleibt. Nun hat sich herauskristallisiert, dass es hier noch ein paar Jahre werden. Die Situation ist anspruchsvoll, manchmal auch schwierig, im Moment stimmt es so.