05. Mai 2022 / 15:51 Uhr

RB Leipzigs Fans in Glasgow: Die Ruhe vor dem Sturm

RB Leipzigs Fans in Glasgow: Die Ruhe vor dem Sturm

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Die RB-Fans Birgit und Carsten Schreck trafen in Glasgow per Zufall Cheftrainer Domenico Tedesco.
Die RB-Fans Birgit und Carsten Schreck trafen in Glasgow per Zufall Cheftrainer Domenico Tedesco. © Privat
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RB-Fans in der geteilten Fußball-Stadt Glasgow: Celtic-Anhänger drücken Leipzig die Daumen gegen ihr Feindbild, die Rangers. Mittendrin: Ehepaar Schreck. Außerdem werden Erinnerungen an einen legendären farblichen Fehlgriff von Dynamo-Teamärztin Gisela Israel 1976 wach.

Glasgow. Das Gros der RB-Fans - runde 1000 werden im Ibrox-Stadium sein - ist schon seit Mittwoch in Glasgow. Die Stimmung ist gut, die Biere schmecken, die Standrundfahrten erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Teamhotel ihrer Lieblinge haben die Schlachtenbummler schnell ausfindig gemacht. Rund ums zentral gelegene Radisson Blu treffen Fußballer, Trainer und Fans aufeinander, wünschen einander das Beste für das wichtigste Spiel der RB-Geschichte, das Halbfinal-Rückspiel bei den Glasgow Rangers.

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„Celtic und die Rangers mögen sich nicht sonderlich“

Mittendrin im Trubel: Birgit, 64 und Carsten Schreck, 64 aus Hoyerswerda. Die beiden haben sich in der Schule kennengelernt, sind seit 1976 verheiratet, nicht nur familiär bedingt Leipzig-affin und glühende RB-Fans. Bisheriges Glasgow-Highlight für die Schrecks: Ein Erinnerungsfoto mit Cheftrainer Domenico Tedesco, der sich zusammen mit seinen Assistenten die Füße vertrat und wohl auf Eingebungen/Hinweise in Sachen Aufstellung hoffte. „Man wird hier ständig angesprochen“, sagt Birgit, die ihren Fan-Schal in den vier Tagen Glasgow nicht ablegt. „Viele Einheimische wünschen uns Glück fürs Spiel.“

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Dazu muss man wissen, dass Glasgow eine geteilte Fußballstadt mit monströser Trennschärfe ist. „Celtic und die Rangers mögen sich nicht sonderlich“, untertreibt Carsten. Das, was sich so alles tut zwischen Lok und Chemie, zwischen dem FC Everton und dem FC Liverpool oder zwischen den Münchner Löwen und Bayern München ist geradezu liebevoll im Vergleich zur „Beziehung“ Rangers/Celtic. Diese beiden Kultclubs stehen einander sportlich, politisch und glaubenstechnisch unversöhnlich gegenüber. Folge: Halb Glasgow (die Celtic-Familie) sagt sich vorm Match im Ibrox: Der Gegner (RB) meines Feindes (Glasgow Rangers) ist mein Freund.

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„Unsere gesamte Familie mag RB“

Dass man im „Feindesland“ genau aufpassen muss, was man trägt, musste schon 1976 die Mannschaftsärztin von Dynamo Dresden beim Messepokalspiel bei den Rangers feststellen. Frau Dr. Gisela Israel betrat das Stadion in einem wunderbaren Kostüm, das nur einen Schönheitsfehler hatte: es war grün. Grün sind die Farben der Celtics, der Bohys in Green. Die Rangers-Fans dachten an eine Provokation, waren auf 180, pfiffen die Dynamo-Dame gnadenlos aus. Frau Dr. Israel wurde von einem Ranger-Ordner über den farblichen Fehlgriff aufgeklärt und in die Katakomben gebracht. Ein paar Minuten später gab es Standing Ovations für die Dresdnerin, die ein sehr (Rangers) blaues Cape trug.

Zurück zum Hoyerswerdaer Pärchen Birgit und Carsten Schreck. Die beiden haben acht RB-Dauerkarten und nie ein wirkliches Heimspiel, müssen zu Heim- und Auswärtsspielen fahren oder fliegen. „Unsere gesamte Familie mag RB, die spielen einen schönen Fußball“, sagt Birgit, „aber warum guckt der Herr Tedesco bei Pressekonferenzen so traurig aus der Wäsche?“ Ihr Carsten: „Der Coach hat so einen Blick. Außerdem sind manche Fragen zum Heulen.“ Beispielsweise jene wiederkehrenden Fragen über die vermeintliche Krise nach zwei Liga-Niederlagen und das drohende Aus aller Träume in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Europa League. Carstens Blick in die Kugel: „Wir holen einen Pokal und qualifizieren uns für die Champions League.“ Seine Gattin hätte gerne den DFB-Pokal und die Trophäe in der Europa League. „Die Tickets für Berlin haben wir schon, die für Sevilla besorgen wir uns dann.“ Und wenn alles nach dem Gusto von Frau Schreck läuft, wird es schrecklich schön. Dann steht ein Supercup-Hammer RB gegen Liverpool oder Real Madrid ins Haus.