30. Dezember 2017 / 12:26 Uhr

RB Leipzig aus Schäfersicht: Sabitzers Kopfnuss, Grindels Bengalo, Helenes Bäuerchen

RB Leipzig aus Schäfersicht: Sabitzers Kopfnuss, Grindels Bengalo, Helenes Bäuerchen

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Florian Silbereisen und Helene Fischer
Guido Schäfer blickt ins Frühjahr 2018: Helene Fischer nimmt einen Hieb aus dem von Flo Silbereisen gereichten Weizenbierglas... © dpa
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Der Blick in die Kugel am Silvestertag hat Tradition: Für Guido Schäfer liegt das Fußballjahr 2018 vor uns wie ein offenes Buch...

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Phantasia. Der 2. Januar, Trainingsauftakt bei RB Leipzig. Bruma hat drei Kilo zu viel. Marcel Sabitzer ist nach fünf sieglosen Spielen neuer Abschnittsbevollmächtigter (ABV) und verpasst Bruma eine Kopfnuss. Jean-Kevin Augustin empfiehlt Bruma, die Armbanduhr vorm Wiegen abzulegen. 57 Kilo, top. Bruma sagt: „Wenn Gott es will, werde ich Titel gewinnen.“

Bei der Auswertung der GPS-Urlaubsdaten kommt raus, dass Diego Demme seine Pulsuhr einem Kamel oder Dromedar um den Hals gebunden hat. Dayot Upamecano erkundigt sich nach dem Unterschied zwischen Kamel und Dromedar und will wissen, ob das K auf Willi Orbans Binde damit etwas zu tun hat. Marcel Halstenberg summt wie so oft neuerdings die Nationalhymne, macht ein Victory-Zeichen und sagt: „Kamele haben zwei Höcker.“ Bruma zu Upamecano: „Das sind die Weibchen, Upa, ist wie bei den Menschen.“ Das Handy des Rekordspielers klingelt. „Nein, Frank“, sagt Dominik Kaiser, „ich mag weder Köln noch Kölsch. Nein, ich hab‘ auch keinen Nachmieter für dein Haus in Zwenkau.“ Frank Aehlig – ein Fuchs schläft nie, er schlummert nur.

Emil Forsbergs Handy klingelt. Eine schwedische Zeitung will erfahren haben, dass der Ferrari von Emils Berater fünf Getriebe verschlissen hat. Forsberg ruft seinen Berater an: „Nein, R bedeutet nicht Rallye, R bedeutet rückwärts! Ja, Mailand ist super. ACeee, nicht Inter!“ Ferrari, brummbrumm, 500 PS. Naby Keita schließt die Augen und träumt.

Ralph Hasenhüttl reißt die Tür auf. „Wooo bleibt ihr? Wir trainieren seit zehn Minuten!“ ABV Sabitzer berichtet von längst überfälligen schonungslosen Gesprächen und der maslowschen Bedürfnispyramide, rührt Hasenhüttl zu Tränen. Nach dem Training tritt der Coach vor die Presse und sagt: „Wir sind wieder eine Mannschaft!“

DURCHKLICKEN: Der RB-Fotojahresrückblick

15. Januar: Im dritten Test der Wintervorbereitung tastet sich RB Leipzig wieder an seine Stärken der Bundesligahinrunde heran. Gegen den schottischen Rekordmeister Glasgow Rangers gibt das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl den Ton an. Die drei Offensivkräfte Timo Werner, Oliver Burke und Yussuf Poulsen sorgen für die Tore beim 4:0 (2:0)-Sieg. Zur Galerie
15. Januar: Im dritten Test der Wintervorbereitung tastet sich RB Leipzig wieder an seine Stärken der Bundesligahinrunde heran. Gegen den schottischen Rekordmeister Glasgow Rangers gibt das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl den Ton an. Die drei Offensivkräfte Timo Werner, Oliver Burke und Yussuf Poulsen sorgen für die Tore beim 4:0 (2:0)-Sieg. ©
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Im fernen Doha hat Bayern München Probleme bei der Einreise. Kalle Rummenigge und Uli Hoeneß wollen beide zuerst aus dem Charterjet und runter auf den Roten Teppich, wo Nasser Al-Khelaif und ein verwandter Falke warten. Al-Khelaif war mal Profi-Tennis-Spieler und auf Platz 995 der Weltrangliste. Er hatte Schwächen bei der Vorhand, Rückhand, beim Volley und beim Aufschlag. Jetzt ist Al-Khelaif Chef der milliardenschweren Qatar Sports Investments, Boss von Paris St. Germain und braucht Schwungmasse für die WM 2022. Neymar hat die Kataris nach vorn gebracht, das Bayern-Gastspiel soll Salonfähigkeit unterstreichen.

Rummenigge macht Knicks vorm Scheich

Die massigen Rummenigge/Hoeneß verkanten an der Jet-Tür und kommen nur dank eines Hiebes von Jupp Heynckes frei. Rummenigge ist Erster, macht einen Knicks vorm Scheich und reicht dem Falken eine Münchner Spezialität. „It‘s a whitewurscht from Alfons Schuhbeck“, flötet Rummenigge. Arjen Robben zieht sich auf der Gangway seine 50. Zerrung im Bayern-Trikot zu und bekommt warmen Applaus der mitgeflogenen VIPs um Edi Stoiber.

11. Januar: Die Bayern fliegen nach Hause, sind gut gebräunt, um einige Mios reicher und verlieren am 12. Januar 0:3 im Leverkusener Schnee. Rummenigge/Hoeneß sind sich der prekären Lage bewusst, leisten bei einer ad hoc einberufenen Mitgliederversammlung einen heiligen Eid: „Ab heute schießen wir wieder aus z w e i Rohren!“ Als Hasan Salihamidžic aus Reihe eins mit einem Strohhalm winkt, rufen die Bosse: „Zweieinhalb, es sind zweieinhalb Rohre!“

13. Januar: Schalke holt ein 1:1 in der Red-Bull-Arena. Dem Schalker Ausgleich durch Elfer geht eine hundsgemeine Naldo-Schwalbe voraus. Im Kölner Darkroom kreist Kölsch und Ede Geyer barmt auf der Tribüne: „Im DDR-Fußball gab es keine Schwalben.“ In der DDR gab es auch keine dicken Kinder.

14. Januar: BVB-Boss Aki Watzke ist bei Wontorra, spricht von Demut und verteilt seine neuen wasserabweisenden Autogrammkarten. Sky-Experte Ewald Lienen winkt ab, findet Personenkult und Kommerz scheiße. Lienen wohnt mittlerweile auf einem Baumhaus des Sky-Geländes in Unterföhring und will auf St. Pauli die Keilschrift einführen.

19. Januar: Das Dschungelcamp hat uns wieder. Tatjana Gsell ist gemäß der Halstenbergschen Evolutionstheorie sichtbar ein Weibchen und ängstlich dazu. Als der weiße Brasilianer Ansgar Brinkmann sein viertes T-Shirt zerreißt und eine Kokosnuss mit den Vorderzähnen knackt, flüchtet Fräulein Gsell auf einen Baum.

Februar: RB kehrt Europa nach heroischen Kämpfen gegen den SSC Neapel (2:3 in Neapel, 4:3 in Leipzig) den Rücken und kümmert sich ums Kerngeschäft. Das floriert.

März: RB reiht Sieg an Sieg. Weil das im April und Mai so weitergeht und Münchens 2,5 Rohre rosten, kommt es am 12. Mai 2018 im Berliner Olympiastadion zum krönenden Abschluss. Vorm Spiel der Hertha gegen den feststehenden Meister RB betreten DFB-Boss Reinhard Grindel und Helene Fischer den Mittelkreis. Beide sagen und singen: nix. Das gefällt den 80 000 und Stargast Ansgar Brinkmann. Der Dschungelkönig will den Fußball zurück auf die Straße holen. Dann nestelt Grindel an seiner Hose und fördert einen 18 Zentimeter langen Bengalo zutage. Grindel entflammt das Teil und rennt unter vorsichtigem Applaus der 80 000 eine Ehrenrunde. Laut Anzeigetafel sind Bengalos ab der kommenden Saison erlaubt. Einer pro Spiel. Abgefackelt wird das Teil vom eh nur störenden vierten Unparteiischen. Wenn der sich Loden oder Griffel versengt, ist es halb so schlimm. Kurz vorm Anpfiff nimmt Helene Fischer einen Hieb aus dem von Flo Silbereisen gereichten Weizenbierglas, greift das Mikro und macht: ein Bäuerchen. DAS ist Fußball, die 80 000 toben.

Und sonst so?

Deutschland wird in Russland Weltmeister, siegt im Endspiel 1:0 gegen Ralf Rangnicks Australier. Das Tor schießt Timo Werner mit links im Fallen. Die Flanke kommt von Marcel Halstenberg. Ein paar Wochen später erscheint Rangnicks WM-Buch „Große Sprünge mit leerem Beutel“.

Dort wird auch Rangnicks frühkindliche Prägung zum späteren Asketen erklärt. „Iss, Ralf, du wirst nicht zwischen Weihnachten und Neujahr dick, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.“

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