23. Mai 2019 / 07:46 Uhr

FC Bayerns Kimmich: "Dass RB so schnell zum Topclub wird, war für alle überraschend"

FC Bayerns Kimmich: "Dass RB so schnell zum Topclub wird, war für alle überraschend"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Joshua Kimmich schreit seine Freude heraus. Er holte mit Bayern München erneut die Meisterschaft.
Joshua Kimmich schreit seine Freude heraus. Er holte mit Bayern München erneut die Meisterschaft. © Getty Images
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In seinen zwei Jahren bei RB Leipzig reifte Joshua Kimmich vom Jugendspieler zum Profi. Mit dem FC Bayern trifft er im Finale des DFB-Pokals auf seinen Ex-Club. Vorher spricht er im SPORTBUZZER-Interview über Timo Werners Qualitäten und eine emotionale Meisterschaft.

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Herr Kimmich, wie steht es um Ihre Kontakte nach Leipzig?

Mit Diego Demme spreche ich regelmäßig. Aber es ging noch nicht um das Pokalfinale, falls Sie darauf hinauswollen (lacht).

Kamen denn von den alten Kollegen Gratulationen zur Meisterschaft?

Ja, aber eher aus dem Betreuerteam. Der Doc und der Physio haben sich gemeldet.

Der Jubel über den Titel wirkte ausgelassener, erleichterter als in den Vorjahren oder täuscht der Eindruck?

Es war eine andere Situation, weil es bis zum Ende spannend war. Wir sind zuhause Meister geworden und hatten am Ende nur zwei Punkte Vorsprung. Wir lagen zwischenzeitlich neun Zähler hinten. Das hat schon dazu geführt, dass man den Titel emotionaler wahrnimmt.

DURCHKLICKEN: Die bisherigen Duelle zwischen RB und Bayern

MUNICH, GERMANY - DECEMBER 21:  Yussuf Yurary Poulsen of RB Leipzig (L) is tackled by Philipp Lahm of Bayern Muenchen (R) during the Bundesliga match between Bayern Muenchen and RB Leipzig at Allianz Arena on December 21, 2016 in Munich, Germany.  (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images) Zur Galerie
MUNICH, GERMANY - DECEMBER 21: Yussuf Yurary Poulsen of RB Leipzig (L) is tackled by Philipp Lahm of Bayern Muenchen (R) during the Bundesliga match between Bayern Muenchen and RB Leipzig at Allianz Arena on December 21, 2016 in Munich, Germany. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images) ©
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Welchen Einfluss hat die gewonnene Meisterschaft auf das Pokal-Finale?

Es ist gut für uns, dass es zu keinem Zeitpunkt einen Spannungsabfall gab, weil eigentlich jedes Spiel von uns wie ein Finale gespielt wurde. Wir wussten, wenn wir nochmal verlieren, dann ist es vorbei. Das war in den Jahren davor nicht immer der Fall.

Sie spielen gegen Ihren Ex-Verein. Wie hat die Zeit in Leipzig Sie persönlich geprägt?

Ich habe in Leipzig gelernt, Erwachsenen-Fußball zu spielen. Davor habe ich in der Jugend gespielt und im Internat gewohnt. Ich bin bei RB gereift. Fußballerisch gilt das Gleiche: Ich habe den Sprung aus der Jugend in eine Profi-Mannschaft geschafft. Außerdem war die Spielweise sehr speziell. Für einen Spieler schadet das in der Entwicklung nie, auch mal so einen Fußball kennenzulernen wie er in Leipzig gespielt wird.

Welche Rolle hat Ralf Rangnick eingenommen?

Er war mitverantwortlich, dass Leipzig mich geholt hat. Die Umstände waren nicht so einfach, weil ich bei Stuttgart noch Vertrag hatte und mich der VfB fest in der A-Jugend eingeplant hatte. Er hat alles dafür gegeben, mich zu holen und mir die Tür geöffnet.

Mehr zum Finale

Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus dem torlosen Unentschieden gegen RB vor zwei Wochen in der Liga?

Wir wissen wie RB spielt. RB weiß, wie wir spielen. Bei ihnen ist viel darauf ausgelegt, auf die zweiten Bälle zu gehen, dann die Konter zu fahren, schnell in die Tiefe zu spielen. Da haben sie ihre Stärken. Wo sie natürlich auch stark sind, ist im Verteidigen. Sie haben die wenigsten Tore in der Bundesliga bekommen. Das wissen wir, aber wir wissen auch, dass wir, wenn wir an unser Leistungslimit kommen, spielerisch überlegen sind. Ich gehe davon aus, dass wir mehr Ballbesitz haben werden, und dann kommt es darauf an, wie sehr wir RB ins Spiel kommen lassen. So war es zuletzt bei dem Spiel in Leipzig. Da haben wir es ordentlich gemacht. Das brauchen wir auch am Wochenende. Dann können wir gewinnen.

Wie wichtig wäre es, dass Manuel Neuer in die Mannschaft zurückgekehrt?

Er ist unsere Nummer eins. Er ist unser Kapitän. Wenn er fit ist, hoffe ich, dass er im Tor steht. Dass er dann jeder Mannschaft helfen kann, ist klar.

Haben Sie RB nach ihrem Weggang so einen steilen Aufstieg zugetraut?

Vor allem war die erste Bundesliga-Saison überraschend. Dass sie in die Bundesliga aufsteigen und dort eine gute Rolle spielen werden, habe ich erwartet, aber dass sie so schnell zu einem Topclub werden, war für alle überraschend. Und man muss sagen, dass es kein Zufall ist. Da ist Qualität da.

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29.07.2011: Regionalligist RB Leipzig gibt sein Debüt im DFB-Pokal. Und was für eins! Zu Gast ist Bundesligist VfL Wolfsburg. Der haushohe Favorit fährt geschlagen nach Hause. 3:2 gewinnen die Leipziger. Held des Abends ist Daniel Frahn, der alle drei Tore erzielt. Zur Galerie
29.07.2011: Regionalligist RB Leipzig gibt sein Debüt im DFB-Pokal. Und was für eins! Zu Gast ist Bundesligist VfL Wolfsburg. Der haushohe Favorit fährt geschlagen nach Hause. 3:2 gewinnen die Leipziger. Held des Abends ist Daniel Frahn, der alle drei Tore erzielt. ©

Sie werden es im Finale auch wieder mit Timo Werner zu tun bekommen. Wo sehen Sie seine Stärken?

Ich glaube, dass Timo Werner Qualitäten hat, die sehr prädestiniert sind für das Leipziger Spiel. Er ist unglaublich schnell, hat einen brutalen Torriecher und einen super Abschluss vor der Hütte. Da fackelt er nicht lange, um die Dinger einzuschweißen. Er kann mit rechts, links und mit dem Kopf treffen.

Könnte er dem FC Bayern weiterhelfen?

Bei uns ist es natürlich ein anderes Spiel. Aber prinzipiell kann ein Stürmer von Timos Qualität, der zwei, drei Jahre hintereinander etwa zehn bis 15 Tore gemacht hat, vielen Mannschaften helfen.

Was erwarten Sie von Julian Nagelsmann in Leipzig?

Es ist schon extrem stark, was er in Hoffenheim fast immer aus dem Kader rausgeholt hat. Er hatte immer viele Leistungsträger, die gegangen sind – einige davon ja auch zu uns. Es dann immer wieder beständig ins internationale Geschäft zu schaffen, zeigt die Qualität eines Trainers, auch wenn sie es dieses Jahr knapp und unnötiger Weise verpasst haben. In Leipzig hat er noch mehr Möglichkeiten und muss vielleicht die Leistungsträger nicht jedes Jahr abgeben. Das ist eine spannende Kombination. RB wird dadurch noch gefährlicher.

Was erwidern Sie Kritikern, die sagen, dass der deutsche Fußball zur internationalen Spitze etwas den Anschluss verloren hat?

Kritik ist immer eine Momentaufnahme. Dieses Jahr ist sie meiner Meinung nach berechtigt. Letzte Saison hat uns niemand kritisiert. Da waren wir gegen Real Madrid im Champions-League-Halbfinale die bessere Mannschaft und sind trotzdem ausgeschieden. Jetzt hat Frankfurt die Fahne hochgehalten. Es wäre schon wünschenswert, da noch mehr Mannschaften hinzubekommen, die international lange konkurrenzfähig sind. In erster Linie ist es für mich aber wichtig, dass wir da wieder hinkommen. In dieser Saison war das leider nicht der Fall.

Mehr zu RB

Wie nimmt Ihre Mannschaft die anhaltenden Diskussionen um Niko Kovac war?

Egal, welcher Trainer hier war, auch bei Pep Guardiola war Kritik da. Bei Carlo Ancelotti war Kritik da. Bei Jupp Heynckes war es eine andere Situation, weil er ein bisschen aus der Not geholt wurde und Trippletrainer war. Aber seitdem ich hier bin, ist es nie so, dass man die Trainer oder die Mannschaft in den Himmel lobt. Es wird oft nach Sachen gesucht, die man kritisieren kann. Als Bayernspieler oder -trainer muss einem sowas aber auch bewusst sein.

Glauben Sie, dass Ihr Trainer es bei einem verpassten Pokalsieg schwer hätte, seinen Posten zu halten?

Es wird im Fußball vieles von Titeln abhängig gemacht. Ich finde aber, dass man auch andere Faktoren sehen muss. In dieser Saison wird vieles schlechtgeredet. Aber wir können zwei Titel gewinnen und das Double holen. Viel mehr geht nicht! Wir müssen diese Riesenchance nutzen, dann war das, was die Titel angeht, eine sehr gute Saison.

Gänzlich zufrieden wirken auch Sie nicht.

Ich glaube, dass kein Verantwortlicher und kein Spieler zu einhundert Prozent mit der Saison zufrieden sein kann. Dazu waren wir einfach in der Saison zu unbeständig. Trotzdem ist die Meisterschaft 2019 die emotionalste, die ich persönlich hier bei Bayern gewonnen habe.

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