24. Mai 2019 / 06:00 Uhr

RB Leipzigs Marcel Sabitzer: „Das größte Spiel unserer Karriere“

RB Leipzigs Marcel Sabitzer: „Das größte Spiel unserer Karriere“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Marcel Sabitzer steht vor dem bisher größten Spiel seiner Karriere und sein Ziel ist klar: der Sieg im DFB-Pokalfinale in Berlin.
RB Leipzigs Marcel Sabitzer steht vor dem bisher größten Spiel seiner Karriere und sein Ziel ist klar: der Sieg im DFB-Pokalfinale in Berlin. © Verwendung weltweit
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RB-Ass Marcel Sabitzer spricht im großen SPORTBUZZER-Interview über das Finale gegen Bayern München, Mentalität, Qualität, gelbe Karten und Sonne im Herzen

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Leipzig. Freitag, 12 Uhr, rollt der Teambus der Roten Bullen Richtung Berlin, am Nachmittag checken die Pokalfinalisten im legendären Regent-Hotel in der Charlottenstraße ein, am Sonnabend wird um 20 Uhr das größte Spiel der RB-Historie angepfiffen. Das Endspiel gegen die Bayern wird in über 200 Länder übertragen, am 25. Mai 2019 ist Berlin der Nabel der Fußball-Welt. 4:1, 6:2, 3:0: Berlin, Regent, Olympiastadion und RB passte zuletzt wunderbar. Jetzt muss statt der Hertha nur noch der FC Bayern zur Ader gelassen werden. Während die Spannung ins Unermessliche steigt, ruht ein Mann in sich: RB-Ass Marcel Sabitzer, 25. Gespräch mit einem, der zuallerletzt an sich zweifelt, mit Katja Kühne liiert und seit vier Wochen Papa ist.

Weiß Ihr Töchterchen Mary Lou, dass der Papa am Sonnabend Großes vorhat und seinen Nachtschlaf braucht?

Haben Sie mit vier Wochen durchgeschlafen? Katja kümmert sich, wenn sich die Kleine nachts meldet.

Was hat das Baby mit Ihnen und aus Ihnen gemacht?

Einen sehr sehr glücklichen Mann und Familienvater.

Haben sich die Koordinaten Ihres Lebens verändert? Anders gefragt: Gehen Sie gelassener zum Training und zum Spiel?

Unser Kind ist für Katja und mich das Wichtigste in unserem Leben. Das heißt aber nicht, dass sich meine Einstellung zum Beruf geändert hat. Ich trainiere jeden Tag, um besser zu werden. Ich spiele, um zu gewinnen. Und, ja, wir sind Außenseiter, die Rollen mögen klar verteilt sein, aber wir wollen auch die Bayern schlagen.

DURCHKLICKEN: Marcel Sabitzer bei RB Leipzig

2015 Juli: Sabitzer trainiert für RB (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 Juli: Sabitzer trainiert für RB (@GEPA Pictures) ©
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Dazu braucht es Sonne im Herzen, Kraft, einen guten Torhüter, Spielglück.

Sie kennen sich gut aus.

Die Bayern haben die beste Rückrunde aller Zeiten gespielt, waren in Leipzig besser als Sie und die Ihren. Wenn es normal läuft, stemmt der FCB den Pott zum 19. Mal.

Normal? Was ist schon normal im Fußball? Wir sind die jüngste Bundesliga-Mannschaft, haben keine Finalerfahrung. Aber wir haben die Qualität und Mentalität, um zu gewinnen. Für uns alle ist es das größte Spiel unserer Karriere. Das wollen und müssen wir auf den Platz bringen, das muss man mit dem Anpfiff sehen. Wir brauchen einen Top-Tag.

So ganz ohne Finalerfahrung sind Sie nicht, Herr Sabitzer. Sie haben am 3. Juni 2015 im schönen Klagenfurter Wörthersee-Stadion mit Salzburg 2:0 gegen Austria Wien gewonnen.

Ich will den österreichischen Pokal nicht geringschätzen, aber der DFB-Pokal ist eine völlig andere Hausnummer. Am Samstag schauen zig Millionen Menschen nach Berin. Im Olympiastadion sind fast 80 000 Zuschauer, in Klagenfurt waren 16 000.

Es gibt Fußballer, die verbringen vorm Spiel viel Zeit auf der Toilette, sind Nervenbündel, durchleiden die schattigen Seiten des Profi-Seins. Wie geht es Ihnen diesbezüglich?

Mir geht‘s gut. Ich bin angespannt, das muss so sein. Ansonsten ist da vor allem Vorfreude. Ich bin Fußballer geworden, um große Spiele in vollen Hütten zu erleben. Und viel größer als Berlin geht es nicht.

DURCHKLICKEN: Die bisherigen Duelle zwischen RB und Bayern

21.12.2016:  Bayern München - RB Leipzig 3:0, Yussuf Poulsen mit Philipp Lahm im Zweikampf. Zur Galerie
21.12.2016: Bayern München - RB Leipzig 3:0, Yussuf Poulsen mit Philipp Lahm im Zweikampf. ©

Haben Sie ein Ritual vorm Spiel?

Nein. Und ich sitze auch nicht ewig auf dem Klo.

Der Tag im Hotel und die Zeit im Stadion bis zum Anpfiff zieht sich wie Kaugummi. Unschön?

Ja, aber nicht zu ändern. Mir wäre es am liebsten, wenn es wie früher in der Jugend wäre. 45 Minuten vorm Spiel da sein, umziehen, Warmmachen, loslegen, Fußball spielen.

Sabi funktioniert bei plus 20 und minus 20 Grad. O-Ton Ralf Rangnick. Kommt das hin?

Der Trainer hat immer Recht.

Als der liebe Gott das Selbstvertrauen verteilte, haben Sie sich dreimal angestellt und sind breitbeinig in Reihe eins gesprungen. Kommt das auch hin?

Ich mache mir jedenfalls keine Gedanken, wenn ein Pass nicht ankommt. Selbstvertrauen ist wichtig und hat nichts mit Selbstüberschätzung zu tun. Ich bin ein Gewinner-Typ, gehe vorneweg – auch verbal.

294 Pflichtspiele, 90 Tore, 49 Vorlagen, 46 gelbe, eine gelb-rote, zwei rote Karten. Könnte es sein, dass 45 der gelben Karten im Zusammenhang mit Ihrem Mitteilungsbedürfnis gegenüber Schiedsrichtern stehen?

Ich bin ein emotionaler Spieler, teile aus, stecke ein, fresse nichts in mich rein, lasse mir nichts gefallen. Wenn der Schiedsrichter einen Fehler macht, weise ich ihn schonmal darauf hin, das mag stimmen. Man darf heutzutage fast gar nichts sagen, sieht ziemlich schnell Gelb.

DURCHKLICKEN: Das öffentliche Training vor dem Pokalfinale

Die „Roten Bullen“ bereiten sich intensiv auf das Pokalfinale am Sonnabend gegen Bayern München vor. Zur Galerie
Die „Roten Bullen“ bereiten sich intensiv auf das Pokalfinale am Sonnabend gegen Bayern München vor. © Dirk Knofe

Wie und wo haben Sie das 2018er Finale Bayern - Frankfurt erlebt?

Im Mallorca-Urlaub mit Katja. Ich habe damals sehr gehofft, dass Bayern gewinnt. Als Frankfurt das 3:1 gemacht hat, sind wir auf den Europa-League-Quali-Platz gerutscht, wurde der Urlaub kürzer.

In Bayern wird über Niko Kovac diskutiert, die nicht unerfolgreichen Dieter Hecking und Bruno Labbadia sind auf Jobsuche. Ist das der ganz normale Wahnsinn?

Die Schnelllebigkeit im Fußball ist extrem. Was heute noch gut ist, ist morgen schlecht und umgekehrt. Für meinen Geschmack geht vieles zu schnell und unreflektiert über Bord.

Als Sie 2015 nach Leipzig kamen, sagten Sie: „So gut, wie ich dachte, bin ich wohl doch nicht. Sonst würde ich nicht in der zweiten deutschen Bundesliga spielen.“

Ich sage immer, was ich denke. Und das habe ich damals gedacht.

Wer gewinnt eigentlich das Finale, Herr Sabitzer?

Hoffentlich wir, Herr Schäfer.

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