16. September 2019 / 08:27 Uhr

RB Leipzig erwartet in Lissabon "einer der mystischsten Fußballorte Europas"

RB Leipzig erwartet in Lissabon "einer der mystischsten Fußballorte Europas"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Markus Horn (li.) hält gemeinsam mit Benfica-Eigengewächs Gonçalo Guedes (mittlerweile beim FC Valencia unter Vertrag) sein Buch in den Händen.
Markus Horn (li.) hält gemeinsam mit Benfica-Eigengewächs Gonçalo Guedes (mittlerweile beim FC Valencia unter Vertrag) sein Buch in den Händen. © Markus Horn
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Markus Horn hat vor über 30 Jahren sein Herz an RB Leipzigs Champions-League-Auftaktgegner Benfica Lissabon verloren und sogar ein Buch über den portugiesischen Rekordmeister geschrieben. Im Interview erklärt er seine Leidenschaft für den Hauptstadtclub.

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Markus Horn ist Autor des Buchs "111 Gründe Benfica Lissabon zu lieben". Vor dem Spiel gegen RB Leipzig am Dienstag (21 Uhr) verrät er, wie er vor über 30 Jahren im Urlaub sein Herz an den portugiesischen Rekordmeister verlor, warum sein Club trotz eines 100-jährigen Fluchs in der Champions League startet und wie die Lissabon-Fans auf die Gruppenauslosung reagiert haben.

Herr Horn, wie wird man als Offenbacher zum wohl größten deutschen Benfica-Lissabon-Kenner?

Ich war 1985 das erste Mal in Portugal im Urlaub. In einem Supermarkt, wo sie auch Fernseher verkauft haben, lief auf einem der Bildschirme ein Fußballspiel. Weil ich aus Offenbach komme, seit Kindheitstagen Kickers-Fan bin und sie die gleichen Farben tragen, habe ich zu der Mannschaft mit den rot-weißen Trikots gehalten.

Sie wussten also nicht mal, wer gespielt hat?

Genau, ich habe gefragt, welcher Verein das ist und die Menschen um mich herum waren verwundert, wie ich das nicht wissen kann. Es war das Pokal-Finale gegen Porto und jedes Kind in Portugal kennt Benfica. An diesem Tag hat alles angefangen. Ich habe mich in die Mannschaft verliebt.

Sie haben schnell eine enge Bindung zum Verein und dem Land aufgebaut.

Ja, ich habe später auch mal ein Jahr in Portugal gearbeitet, meine Frau kommt aus Lissabon.

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Sie leben in Deutschland, wie viele Spiele sehen Sie im Jahr live im Stadion?

Ich habe eine Dauerkarte und schaffe etwa zehn Spiele pro Jahr.

Was macht das Estádio da Luz aus?

Es ist einer der mystischsten Fußballorte Europas. In das alte Stadion haben 120.000 Menschen reingepasst. Da war es das größte in Europa. Zur EM 2004 gab es dann den Neubau. Jetzt gehen noch 65.000 Leute rein. Wenn es gut läuft, kann es richtig kochen. Aber wie das bei Rekordmeistern so ist, wenn es nicht läuft, kann die Stimmung schnell in Unzufriedenheit umschlagen.

Wie haben die Benfica-Fans auf RB Leipzig als Gruppengegner reagiert?

Nicht besonders stark ausgeprägt. Für die meisten Menschen hier ist RB ein unbeschriebenes Blatt. Und die Diskussionen, die in Deutschland um den Club geführt werden, finden in Portugal nicht statt.

Welche Chancen hat Ihr Verein in der Gruppenphase?

Jeder kann jeden schlagen. Ich sehe RB als Favorit auf Platz 1, obwohl sie aus dem vierten Topf kamen. Rein von den Namen her ist es wohl die unattraktivste Gruppe. Aber sie ist ausgeglichen.

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Was tippen Sie für das Spiel am Dienstag?

Ich glaube, Benfica wird 1:2 verlieren, weil sie sich in der Champions League traditionell schwertun und manchmal Spieler für die Meisterschaft geschont werden.

Zumal Ihr Verein auch gegen übersinnliche Kräfte bestehen muss. Der ehemalige Trainer Béla Guttmann soll Benfica 1962 für 100 Jahre verflucht haben.

Keiner weiß, ob es den Guttmann-Fluch wirklich gegeben hat. Aber leider bestätigt er sich bisher. Acht internationale Finals gingen seitdem verloren.

Macht ein Start in der Königsklasse für Benfica da überhaupt noch Sinn?

(lacht.) Ja, allein wegen 44 Millionen Euro, die der Club nur für die Teilnahme sicher hat. Das kann in Portugal kein Verein anders kompensieren.

Außer man verkauft Toptalente wie Joao Félix für 126 Millionen Euro.

Ja, aber ihn kann man ja auch nur einmal verkaufen.

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Wie sehr schmerzt sein Abgang?

Natürlich sind wir traurig. So wie er können nur wenige kicken. Es war ein Privileg, ihn spielen zu sehen. Aber das ist ein Stück weit das Geschäftsmodell von Benfica. Schön wäre es, wenn man diese Spieler irgendwann zwei oder drei Jahre länger halten könnte. Aber in dem Moment, wo das große Geld winkt, wird der Druck oft sehr groß.

Auf welchen aktuellen Spieler muss die Mannschaft von Julian Nagelsmann besonders achten?

Benfica ist auf den offensiven Außenbahnen sehr gut besetzt. Rafa Silva und Pizzi sind stark. Auch das Innenverteidiger-Duo Rúben Dias und Ferro überzeugt. Sie sind beide sehr jung und kommen aus der Akademie. Deshalb haben sie eine besondere Beziehung zum Club.

Wie ist die Mannschaft in die Saison gestartet?

Seit Bruno Lage im Januar Trainer geworden ist, läuft es gut. Er hat die Mannschaft von einer Woche auf die andere komplett umgekrempelt, bis zum dritten Spieltag der neuen Saison nur einmal Unentschieden gespielt und sonst alles gewonnen. Dann gab es eine Niederlage gegen Porto. Das kann mal passieren, aber Benfica war in dem Spiel absolut unterlegen. Das war schon ein Schock.

Reicht es dennoch für die Titelverteidigung?

Die Meisterschaft wird erwartet. Für portugiesische Verhältnisse hat Benfica eine sehr starke Mannschaft. In der Champions League sieht das natürlich noch mal anders aus.

Wie haben Sie in der vergangenen Europa-League-Saison das Ausscheiden gegen Eintracht Frankfurt erlebt?

Als Offenbacher ist das die Höchststrafe. Ich war bei beiden Spielen im Stadion.

Zum Abschluss, was war ihr bisher schönster Moment mit Benfica?

Der 1:0-Sieg im Halbfinal-Rückspiel im Europapokal der Landesmeister 1990 gegen Marseille war unglaublich. Sowas habe ich nie wieder erlebt. Ein episches Fußballspiel war auch das 4:4 1994 im Europapokal der Pokalsieger gegen Bayer Leverkusen.

Auf dem Blog www.benficaindependente.com/profile/markushorn/blog-posts berichtet Markus Horn regelmäßig über seinen Lieblings-Verein.

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