14. Mai 2017 / 12:45 Uhr

RB Leipzig bleibt angriffslustig: „Sind näher an Bayern herangerückt“

RB Leipzig bleibt angriffslustig: „Sind näher an Bayern herangerückt“

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzig - FC Bayern München (dpa) (14)
RB Leipzig - FC Bayern München (dpa) (14) © dpa
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Das Topspiel der Bundesliga macht bereits im Mai Lust auf den Herbst und europäischen Spitzenfußball in Leipzig. Die Bayern sind für RB noch zu abgeklärt. Aber Ralph Hasenhüttls Schützlinge sind schon heiß auf die neue Saison.

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Leipzig. Was passiert, wenn die zwei stärksten deutschen Mannschaften der Saison aufeinander treffen und nichts mehr zu verlieren haben – so etwas wie am Samstag beim 5:4 in der Leipziger Red Bull Arena. Unter normalen Umständen wäre ein solches Ergebnis vielleicht nie zustande gekommen. So wurde es eine der spektakulärsten Bundesligapartien der Saison und die mit den meisten Toren. Ein Duell zwischen Meister und Vizemeister, das die mehr als 42.000 Zuschauer im Stadion nicht so schnell vergessen werden.

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Ein Spektakel zweier Spitzenteams aus Leipzig und München, die mit offenem Visier agierten. Offensiv hui, defensiv manchmal pfui. Bayerns Kapitän Philipp Lahm, der in Leipzig das letzte Auswärtsspiel seine Karriere bestritt, sagte: „Das ist so, wenn man keine Balance hat zwischen Angriff und Abwehr. Dann schaut so ein Spiel aus. Für die Zuschauer sicher etwas Schönes.“

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RB Leipzig - FC Bayern München (dpa) (7) Zur Galerie
RB Leipzig - FC Bayern München (dpa) (7) © dpa/imago/GEPA Pictures

Vier Gegentore, das hatte es für Bayern in dieser Saison nur in der Königsklasse gegeben – beim 2:4 gegen den erneuten Finalisten Real Madrid. Einen Spieltag nach der sicheren Qualifikation für die Champions League wollte Leipzig unbedingt seine Reife für Europa unter Beweis stellen. Fünf Monate nach der bitteren 0:3-Pleite in München wurde deutlich: Die RB-Spieler sind schneller an ihren Aufgaben gewachsen, als es der Meister befürchtet hatte. „Wir sind näher gekommen und wir kommen wieder“, kündigte RB-Coach Ralph Hasenhüttl nach der zweiten Niederlage gegen die Bayern angriffslustig an.

Rekordmeister untermauert seine Vormachtstellung

Im Prestigeduell bewies der Rekordmeister am Ende erneut, wer derzeit die Nummer eins in Deutschland ist. „Wir sind trotzdem die zweitbeste Mannschaft, für den Besten reicht es noch nicht ganz“, meinte Hasenhüttl. Der 49-Jährige schien die Niederlage besser wegzustecken, als viele seiner Spieler. Abwehrchef Willi Orban, der die Partie verletzt von außen ansehen musste, gab zu: „In den entscheidenden Momenten waren die Bayern abgezockter. Obwohl ich auch nicht weiß, ob man fünf Minuten nachspielen muss.“

Bis zur 80. Minute schien der Gastgeber das Spiel im Griff zu haben, führte zweimal beeindrucken mit zwei Toren Vorsprung (3:1 und 4:2). Doch mit One-Touch-Fußball ohne Raumgewinn reizten die Leipziger die großen Bayern einen Tick zu viel, wie Nationalspieler Thomas Müller später verdeutlichte. Leipzigs Marcel Sabitzer sah darin keine Provokation, gab mit einem verschmitzten Grinsen zu Protokoll: „Was sollen wir machen, den Ball ins Aus spielen? Wenn One-Touch-Fußball provokant ist, dann kenn ich mich nicht mehr aus.“

Die Bayern wehrten sich mit Taten und wären nicht Rekordmeister, wenn sie sich von einem aufstrebenden Kontrahenten so die Butter vom Brot nehmen ließen. Das späte Freistoßtor von David Alaba (90.) und der Sololauf von Arjen Robben (90.+5) zum 5:4 setzten sogar beim sonst so emotionslos wirkenden Carlo Ancelotti Glücksgefühle frei. Der 57-jährige Coach streckte anschließend die Siegerfäuste in den Leipziger Himmel und drückte dem niederländischen Nationalspieler Robben einen dicken Kuss auf die Wange.

Ancelotti lobt RB Leipzig, warnt aber zugleich

Auf die Frage, ob Leipzig in der nächsten Saison ein noch ernsterer Konkurrent um die Meisterschaft wird, sagte Ancelotti: „Für sie beginnt gerade erst eine fantastische Zeit. Die Mannschaft ist jung und extrem motiviert. Aber die Leistung von dieser Saison zu bestätigen wird schwierig, weil dann auch die Champions League dazu kommt.“

Ein Ziel von RB Leipzig für die nächste Saison ist jetzt schon klar: Denn Bayern ist das einzige Team der Bundeliga, dem die Hasenhüttl-Schützlinge in ihrer ersten Bundesligaspielzeit keinen Punkt abknöpfen konnten. Der Coach sah das nach der ersten Enttäuschung einigermaßen gelassen: „Alles am Anfang zu bekommen muss auch nicht sein, das ist okay.“ Abwehrchef Orban kündigte an: „Wir nehmen das auch als Erfahrung mit und freuen uns jetzt schon auf die neue Saison.“ Die Fans können sich in den nächsten Jahren noch auf einige heiße Duelle zwischen Bayern München und RB Leipzig freuen.

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