29. Juli 2020 / 17:53 Uhr

RB Leipzig: Diese Spieler sollen die Lücke von Timo Werner schließen

RB Leipzig: Diese Spieler sollen die Lücke von Timo Werner schließen

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Kann Yussuf Poulsen den abgewanderten Timo Werner im Sturm von RB Leipzig ersetzen?
Kann Yussuf Poulsen den abgewanderten Timo Werner im Sturm von RB Leipzig ersetzen? © Picture Point
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Nach dem Wechsel von Top-Angreifer Timo Werner zum FC Chelsea muss RB Leipzig im Angriff fast 50 Scorerpunkte ersetzen. Das wird nur im Kollektiv möglich sein. Vor allem von einem Leipziger Jung-Profi ist im kommenden Jahr ein Leistungssprung zu erwarten.

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Leipzig. 34 Tore, 13 Vorlagen: Der Abgang von Timo Werner zum FC Chelsea hat in die Offensive von RB Leipzig ein großes Loch gerissen. Nicht nur seine Ausbeute vor dem Tor fehlt. Auch die Räume, die der 24-Jährige mit seinen blitzschnellen Vorstößen und seiner schieren Präsenz für die Mitspieler öffnete, werden schmerzlich vermisst (sein Humor natürlich auch!). Chefcoach Julian Nagelsmann glaubt nicht, dass Werner eins zu eins ersetzbar ist. „Das geht nicht, du kannst einen Spieler ja nicht klonen“, sagte der 33-Jährige schon vor der Bekanntgabe des Deals im Juni. Den Abgang zu schultern, sei eine Aufgabe, „die man vielleicht auch nicht nur durch einen Spieler lösen könnte“, so Nagelsmann. Sondern nur im Team.

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Neben den Stürmern Yussuf Poulsen, Patrik Schick (sofern RB ihn weiter verpflichten kann) und Neuzugang Hee-Chan Hwang sind Marcel Sabitzer, Dani Olmo, Christopher Nkunku und Emil Forsberg die Schlüsselspieler, um den Abgang von „Nummer 11“ zu kompensieren. Was ist im Einzelnen von ihnen zu erwarten?

Yussuf Poulsen

Der dienstälteste Spieler im RB-Kader (seit 2013) konnte im Vorjahr (5 Tore/13 Vorlagen) nicht an seine Form aus der Saison 2018/19 anknüpfen, als dem Dänen wettbewerbsübergreifend 19 Tore und acht Assists gelangen. Ein Grund war, dass Julian Nagelsmann mehr auf spielerische Lösungen setzte und ein Abnehmer für lange Bälle kaum noch gebraucht wurde. Poulsen (26) zeigte sich nach der Corona-Pause in exzellenter körperlicher Verfassung und arbeitet nach überstandener Bänderverletzung wieder fleißig an seinen Defiziten. Prognose: Zehn bis 15 Tore sind möglich, sofern das RB-Urgestein seine Spielanteile deutlich steigert.

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Am Mittwoch hat RB Leipzig als erstes Bundesliga-Team vor der neuen Saison das Mannschaftstraining aufgenommen. Zur Galerie
Am Mittwoch hat RB Leipzig als erstes Bundesliga-Team vor der neuen Saison das Mannschaftstraining aufgenommen. ©

Patrik Schick

Wie Poulsen ist Schick (24) ein langer Stoßstürmer, der weniger kopfballstark, dafür kombinationsicherer agiert als der Däne. Beide sind in ihrer Spielweise aber zu ähnlich, als dass sie allzu viel Zeit gemeinsam auf dem Feld stehen werden. Mit Salzburg-Neuzugang Hee-Chan Hwang, der wie Werner mit seiner Geschwindigkeit Räume öffnen kann, dürfte das Zusammenspiel besser funktionieren. Leihspieler Schick traf vergangene Saison in nur 26 Partien effiziente zehnmal und legte drei Tore auf. Prognose: Der Tscheche wird seine Ausbeute leicht ausbauen (sofern RB Leipzig ihn hält).

Hee-Chan Hwang

16 Tore und 22 Assists in allen Wettbewerben für Red Bull Salburg: Es ist kaum davon auszugehen, dass der südkoreanische Neuzugang diese Zahlen aus dem Vorjahr im deutschen Oberhaus wiederholt. Anpassungsprobleme an die schnellere und robustere Spielweise sind zu erwarten. Und an seine neuen Mitspieler muss sich Hwang auch erst einmal gewöhnen. Prognose: Die Hälfte der Torbeteiligungen aus 2019/20 wäre für den spielstarken 24-Jährigen ein großer Erfolg.

Marcel Sabitzer

Obwohl der Österreicher vergangene Saison häufiger auf der defensiveren Sechser-Position zum Einsatz kam, avancierte er mit 16 Toren und zehn Vorlagen zum zweitbesten Torschützen und viertbesten Vorbereiter Rasenballsports. Seine Distanzschüsse sind ligaweit gefürchtet. Sabitzer (26) ist immer noch jung und kann sich weiter verbessern. Prognose: Es wird dennoch nicht ganz leicht, diese exzellenten Zahlen zu wiederholen.

Dani Olmo

Die Verantwortlichen halten große Stücke auf den spanischen Winterzugang. Der Offensiv-Allrounder ist kaum vom Ball zu trennen, kann kombinieren und den feinen Pass in die Tiefe spielen, außerdem besitzt er einen wuchtigen Abschluss. Mit vier Toren und einer Vorlage in 13 Einsätzen deutete der 22-Jährige sein Potenzial bisher nur an. Olmo sei ein „Spieler für die Zukunft, der noch viele gute Spiele für uns machen wird“, prophezeite Nagelsmann nach seinem ersten Doppelpack für RBL im Juni. Prognose: Zehn Tore und zehn Vorlagen sind für Olmo mehr als Träumerei.

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(1) Peter Gulacsi: Vertrag bis 30.6.2023 mit Vereinsoption auf ein weiteres Jahr. Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: Vertrag bis 30.6.2023 mit Vereinsoption auf ein weiteres Jahr. ©

Christopher Nkunku

Mit 16 Assists und fünf Toren in allen Wettbewerben avancierte der Sommerzugang des Jahres 2019 bei RB auf Anhieb zum absoluten Leistungsträger und wurde einer der Topvorbereiter der Fußball-Bundesliga. Doch gerade beim Abschluss besitzt der junge Franzose, den Nagelsmann einen „unglaublichen Huf“ attestierte, Steigerungspotenzial. Er denke im Spiel manchmal zu viel nach und könne torgefährlicher werden. Nkunku wird nach dem Werner-Abgang eine noch tragendere Rolle spielen. Prognose: Auch für „Christo“ sind zehn Treffer und mindestens zehn Assists ein realistisches Ziel.

Emil Forsberg

Zehn Tore und vier Vorlagen in 31 Partien: 2019/20 war gar keine so schlechte Saison für den Schweden, der sich in der teaminternen Torschützenliste mit Patrik Schick Platz drei teilte. Dennoch sah der 28-Jährige in der Rückrunde verletzungs- und formbedingt kaum noch Spielzeit. Auch weil die Dribbelkünstler Nkunku und Olmo alles können, was Forsberg kann, nur schneller und dynamischer. Prognose: Der Routinier wird weiter Edel-Reservist bleiben und seine Zahlen nicht steigern.

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Fazit

Wenn sich junge Spieler wie Nkunku und Olmo weiter verbessern und routiniertere Akteure wie Poulsen zu alter Form zurückfinden, muss den Fans von RB Leipzig vor Jahr eins n. W. (nach Werner) nicht Angst und Bange werden. Bestätigt auch noch Zugang Hee-Chan Hwang die in ihn gesetzten Hoffnungen, besitzt der Vorjahresdritte auch ohne Werner das Potenzial, eines der torgefährlichsten Teams der Liga zu bleiben. Erst recht, wenn sich noch der umworbene Milot Rashica von Werder Bremen zu den Sachsen gesellt.

In einer perfekten Saison weiß Ademola Lookman wieder, wo das Tor steht, bleibt Kevin Kampl verletzungsfrei und steuert ein paar Törchen bei, entwickeln auch die Außenverteidiger, wie von Julian Nagelsmann gefordert, mehr Torhunger. Fest steht: RB Leipzig ist künftig schwerer ausrechenbar als in den Vorjahren und wird den Abgang des Rekordtorschützen besser verkraften als erwartet. Ob es ohne den Neu-Londoner auch für den Angriff auf die Bundesliga-Spitze reicht, ist wieder eine ganz andere Frage.