01. Dezember 2020 / 07:27 Uhr

Toppmöller bei RB Leipzig "vollwertiges Mitglied des Trainerstabes, nicht Hütchenaufsteller"

Toppmöller bei RB Leipzig "vollwertiges Mitglied des Trainerstabes, nicht Hütchenaufsteller"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Dino Toppmöller ist bei RB Leipzig u.a. für Standards zuständig (hier im Training mit Christopher Nkunku).
Dino Toppmöller ist bei RB Leipzig u.a. für Standards zuständig (hier im Training mit Christopher Nkunku). © Picture Point
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Am Mittwoch geht es für RB Leipzig zum wichtigen Spiel in der Champions League nach Istanbul. Im Vorfeld sprach RB Leipzigs Co-Trainer Dino Toppmöller im SPORTBUZZER-Interview über seine Vita, seinen Vertrag und Chef-Coach Nagelsmann.

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Nein, ganz so hochklassig wie sein Papa Klaus Toppmöller, 69, der in der Bundesliga der King vom Lauterer Betzenberg war (108 Tore in 204 Spielen), hat Dino Toppmöller, 40, nicht Fußball gespielt. Der Assistent von RB-Cheftrainer Julian Nagelsmann, 33, blickt auf 128 Spiele und 20 Tore in der 2. Liga, hat unter brillanten Übungsleitern wie Gerd Schädlich bei Erzgebirge Aue und Wolfgang Frank bei den Offenbacher Kickers gespielt, wurde selbst Trainer, holte mit F91 Düdelingen in Luxemburg drei Meisterschaften, führte den Club zwei Mal in die Gruppenphase der Europa League.

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SPORTBUZZER: Ein berühmter Name kann fördern oder hemmen. Wie war das bei Ihnen?

Dino Toppmöller: Ich war und bin stolz auf meinen Vater, heiße nach wie vor gerne Toppmöller. Dass immer mal wieder Vergleiche gezogen wurden, war nicht zu verhindern. Auch, weil wir beide Mittelstürmer waren. Er war ein fantastischer Stürmer, robuster als ich. Ich hatte eine gute Spielintelligenz und wusste auch, wo das Tor steht. Für ganz nach oben war ich vielleicht nicht athletisch genug. Wobei ich selbst schuld bin, dass ich kein Spiel in der Bundesliga gemacht habe. Ich bin 2003 mit Frankfurt aufgestiegen und war bei den Vertragsverhandlungen wohl etwas zu selbstbewusst. Kein Vertrag, keine Bundesliga.

Sie haben 2003 bis 2005 unter Gerd Schädlich in Aue trainiert. In Aue werden um 18 Uhr die Bordsteine hochgeklappt.

Ich habe in Stollberg gewohnt, konnte mich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren. Schöne Zeit, schöne Gegend und ein besonderer Trainer. Gerd Schädlich akzeptierte immer nur das Beste. Wir haben mal in Essen 4:0 zur Halbzeit geführt und am Ende „nur“ 5:1gewonnen. Der Coach hat uns einen Einlauf verpasst, weil wir die zweite Halbzeit nicht gewonnen haben.

Wer war Ihr bester Trainer?

Wolfgang Frank, er war mein Trainer in Offenbach. Er war seiner Zeit taktisch voraus, dachte über den Tellerrand hinaus, war auch menschlich astrein.

Wann reifte der Gedanke, ins Trainergeschäft einzusteigen?

Ich hatte mal einen Trainer, der konnte aus meiner Sicht wenig bis nichts. Training, Taktik, Menschenführung. Damals dachte ich: Das kann ich besser.

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Nach drei Jahren als Spielertrainer wurden Sie 2016 Cheftrainer beim luxemburgischer Abo-Meister F91 Düdelingen. Das ist jener Club, der ...

... Red Bull Salzburg 2012 aus der Champions-League-Qualifikation geworfen hat. Ich habe beide Spiele gesehen, 1:0 und 3:4. Auf diesen Lorbeeren hat sich der Club jahrelang ausgeruht.

Was haben Sie dem Club-Mäzen gesagt, als der Sie 2016 holen wollte.

Ich komme nicht, um Meister zu werden. Das werden wir sowieso. Ich komme, um in die Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs zu kommen.

Haben Sie zwei Mal hintereinander geschafft und dem Club historische Spiele gegen den AC Mailand, Betis Sevilla und Co. ermöglicht. Wurde RB auch deshalb auf Sie aufmerksam?


Irgendwann hat sich Markus Krösche gemeldet und bei mir in Sachen Assistenztrainer vorgefühlt. Ich habe dann mit Julian Nagelsmann telefoniert und war schnell überzeugt, dass es für Markus und Julian nicht darum geht, nur einen freien Posten zu besetzen. Sie hatten mich ausgewählt als vollwertiges Mitglied des Trainerstabes, nicht als Hütchenaufsteller. Heute kann ich sagen, dass alles so eingetreten ist. Ich bin da, um dazuzulernen und um Input zu geben.

Sie sind unter anderem für Standards zuständig, haben diesen Part von Robert Klauß übernommen. Läuft top, RB nimmt diesbezüglich eine Spitzenposition ein.

Ja, das freut uns alle und ist in Zeiten enger Spiele und voller Terminpläne brutal wichtig. Der Vorteil beim Üben von Standards ist, dass es keine Kraft kostet und also immer ins Training integriert werden kann.

Müssen Sie Angelino, Christopher Nkunku, Emil Forsberg und Co. zur Jagd tragen?

Nein, die Jungs kommen von selbst. Und wer schießt schon ungern Ecken und Freistöße?

Ihr Vertrag läuft drei Jahre. Was passiert, wenn ein anderer Club anklopft?

Ich renne nicht beim ersten Angebot weg, habe einen riesigen Spaß in der Zusammenarbeit mit Julian, den anderen Trainern und dem Team.

Wie würden Sie Nagelsmann beschreiben?

Ein absoluter Fachmann mit einer sensationellen sozialen Kompetenz. Er verbindet harte und seriöse Arbeit mit einer gewissen Lockerheit. Und sein Fußball ist auch mein Fußball. Der Ballbesitz ist nie Selbstzweck. Wir wollen offensiv, mutig und attraktiv spielen, mit hoher Intensität, Pressing- und Gegenpressing-Momenten.