16. Januar 2020 / 06:37 Uhr

RB Leipzigs erster Fanclub in Afrika: „Leider haben sich nur Fans für uns engagiert“

RB Leipzigs erster Fanclub in Afrika: „Leider haben sich nur Fans für uns engagiert“

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Etwa 50 Mitglieder groß ist der Fanclub von RB Leipzig in Mosambik
Etwa 50 Mitglieder groß ist der Fanclub von RB Leipzig in Mosambik © Privat
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In Mosambik, einem der ärmsten Länder der Welt, hat ein Leipziger einen RB-Leipzig-Fanclub gegründet. Sein Engagement finanziert Roland Hohberg weitestgehend selbst. Unterstützung vom Herbstmeister der Bundesliga gab es bis dato nicht. Andere RB-Anhänger greifen ihm dagegen unter die Arme.

Leipzig. Der Exil-Leipziger Roland Hohberg gründete 2017 in Mosambik den einzigen Fanclub von RB Leipzig in Afrika. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 59-Jährige über seinen nächsten Besuch in Deutschland, Probleme bei der Fanclubarbeit in einem der ärmsten Länder der Welt und warum er Lieder über RB Leipzig aufnimmt.

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Mosambik wurde im vergangenen Jahr von zwei verheerenden Wirbelstürmen heimgesucht. Waren Sie und der Fanclub auch davon betroffen?

Leider ja. Die Stürme haben das Dach des Veranstaltungsraums unseres Fanclubs in Massaca zerstört und einen Teil des Gästehauses “Lipsia Tropical” beschädigt, das wir hier für reiselustige und sonnenhungrige Leipziger und speziell für RB-Fans aufbauen. Das Haus muss nun renoviert werden. Als Musikproduzent, Talenteförderer und Ausbilder junger Tontechniker war ich aber auch ganz persönlich betroffen, weil mein Aufnahmestudio in der Hafenstadt Beira zerstört wurde. Dadurch wurde ich von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Ohne Versicherungsschutz und arbeitsrechtliche Entschädigungen.

Fanclub-Vorsitzender Roland Hohberg und sein zehnjähriger Sohn Neo.
Fanclub-Vorsitzender Roland Hohberg und sein zehnjähriger Sohn Neo. © Privat

Sie waren daraufhin in Leipzig einige Monate als Saisonarbeiter tätig.

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Genau. Da ich sowieso geplant hatte, zum Saisonende im Mai 2019 unsere Mannschaft zu unterstützen und wir dann sogar ins Pokalfinale einzogen, blieb ich gleich mehrere Monate in Leipzig, um etwas Geld zu verdienen. Bei der Gelegenheit organisierte ich das erste Leipziger Mosambik-Fest – als Dankeschön an die RB-Fans, die nach der Umweltkatastrophe im Rahmen der Mosambik-Hilfe über Fünftausend Euro an drei gemeinnützige Vereinigungen gespendet hatten. Dabei kam die Idee auf, jährlich in Leipzig ein solches Fest zu organisieren. Das muss aber finanziell noch abgesichert werden.

Kam vom Verein Unterstützung nach der Umweltkatastrophe?

Seit unserer Gründung vor drei Jahren haben sich leider nur Fans für uns engagiert. Trotz der zahlreichen Medienberichte über die Zerstörungen in Mosambik hat sich niemand vom Verein beim einzigen afrikanischen RB-Fanclub erkundigt, ob dieser vielleicht Hilfe benötigt. Auch unser Mosambik-Fest, das nach ersten Absprachen eigentlich auf der Festwiese vor dem Glockenturm stattfinden sollte, musste mangels Unterstützung abgesagt werden und fand dann in kleinerem Rahmen an einem anderen Ort statt.

Was wird denn am dringendsten benötigt?

Die Kosten für die Organisation eines Fanclubs in einem der zehn ärmsten Länder der Erde, welches sich seit Jahren in einer schweren Finanzkrise befindet, sind nicht unerheblich. Neben den Anschaffungskosten für die Großbildprojektion, um die Spiele verfolgen zu können, den Bau eines Vereinsraums und die Anschaffung des Mobiliars, fallen jährlich laufende Kosten an. Für die Spielübertragungen, die Verwaltung einer Webseite, für Flugreisen, Internet und die Organisation von Veranstaltungen. Ich zahle alles aus eigener Tasche, weil sich die etwa 50 Fanclub-Mitglieder keine Beiträge leisten können.

Sie engagieren sich auch in der Förderung des Mädchenfußballs. Was genau tun Sie da?


Wir haben ja im vergangenen Jahren aus eigenen Mitteln mit dem Aufbau des Sport- und Freizeitzentrums “Milorho” begonnen. Wir wollen in diesem Projekt generell zur Sportförderung und Aufklärung beitragen. Vor allem fokussieren wir auf die Förderung junger Mädchen, die Stärkung ihres Selbstbewusstseins, die Organisation von Workshops zu Themen wie Zwangsheirat, Frühschwangerschaft und Aids. Sport ist vor allem in Ländern wie Mosambik eine wichtige Kompenente der Entwicklungszusammenarbeit.

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Stehen Sie mit anderen Fanclubs in Kontakt?

Ja, ich pflege viele Kontakte. Unter anderem mit Kuba, wo es auch einen RB-Fanclub gibt und mit Anhängern von Red Bull Bragantino, dem brasilianischen RB-Verein. Der Fanclub REDVOLUTION e.V. hat kürzlich eine Fanclub-Partnerschaft mit uns beschlossen. Wir stehen bereits seit einem Jahr in engem Kontakt und sind froh, dass Fussball und die gemeinsame Leidenschaft für RB uns so verbindet und uns Mitglieder dieses Leipziger Fanclubs 2020 besuchen.

Wann werden Sie wieder nach Leipzig reisen?

Im Mai – und zwar zum ersten Mal mit meinem 10-jährigen Sohn Neo. Er ist gewiss einer der jüngsten RB-Fans auf dem afrikanischen Kontinent. Die Reise hatte ich ihm für sein gutes Schuljahresabschlusszeugnis zum Jahresende versprochen. Wir haben bereits Karten für das letzte Heimspiel am 9. Mai gegen Dortmund. Seine größten Vorbilder sind Yussuf Poulsen und Péter Gulácsi, die wie viele andere Spieler bereits sein RB-Trikot signiert haben. Nun träumt er natürlich davon, ihnen beim Training im Cottaweg einmal persönlich gegenüberzustehen und ein Foto zu machen.

Ralf Rangnick und Roland Hohberg
Ralf Rangnick und Roland Hohberg © Privat

Glauben Sie, dass RB im Meisterrennen die Nase vorn haben wird?

Unser Verein ist völlig verdient Tabellenführer der Bundesliga und nun der Gejagte. Auch in der Champions League haben wir trotz unserer Ausfälle im Defensivbereich berechtigte Hoffnungen auf ein Weiterkommen ins Viertelfinale. Wie weit wir es im DFB-Pokal bringen können, haben wir bereits in der vergangenen Saison gezeigt. Die hervorragende Aufbauarbeit von Ralf Rangnick wurde von Julian Nagelsmann und Sportdirektor Markus Krösche weitergeführt und perfektioniert. Wir gehören verdient zu den Titelanwärtern.

Werden Sie mit den rund 50 Mitgliedern des Fanclubs – darunter auch ehemalige DDR-Vertragsarbeiter – den Rückrunden-Auftakt gegen Union Berlin verfolgen?

Die aktuelle Situation hier in Mosambik mit den Schäden aus dem Vorjahr bedeutet für unseren Fanclub erstmal, dass wir räumlich sehr eingeschränkt sind. Bei der Spielübertragung am Samstag gegen Union müssen wir improvisieren. Es ist Regen angesagt und auch der späte Spielbeginn wird gewiss einige unserer Fans davon abhalten, die fast zweistündige Fahrt von Maputo oder den Außenbezirken der Hauptstadt bis nach Massaca auf sich zu nehmen.

Fanclub-Vorsitzender Roland Hohberg und sein zehnjähriger Sohn Neo.
Fanclub-Vorsitzender Roland Hohberg und sein zehnjähriger Sohn Neo. © Privat

Sie sind Musiker und Musikproduzent. Woran arbeiten Sie aktuell?

Derzeit bin ich in meinem Homestudio mit den Songs für das Album “Lipsia Tropical” beschäftigt, das musikalisch viel Sonne und Lebensfreude verspricht. Gemeinsam mit Musikern aus Afrika, Lateinamerika und der Karibik entstehen Songs mit tropischen Rhythmen über die Weltoffenheit der Stadt Leipzig, über die kulturelle Vielfalt von RB und weltweite Fanleidenschaft. Vielleicht gelingt uns ja sogar ein Sommerhit und vielleicht wird es deutsche Versionen einiger Songs geben. Musikerkollegen in Leipzig stehen bereits in den Startlöchern.

Und dann präsentieren Sie die Lieder im Mai bei der Meisterfeier auf der Bühne in Leipzig?

Das wäre natürlich ein Traum. Wenn wir vor dem Alten Rathaus oder auf der Festwiese vielleicht einen Titel feiern können, wird auf jeden Fall viel getanzt werden. Hoffentlich klappt es dann auch, dass wir den Status als Offizieller Fanclub erhalten.

Aktuelle Infos unter: www.fanclubmosambik.com

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